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Kurze Aufenthaltszeiten wegen Corona

Ausleihen und weg: Schmökern in der Stadtbibliothek Rastatt war gestern

Die Stammkunden halten auch in Corona-Zeiten die Treue. Ein längeres Verweilen ist nicht möglich, Stühle und Tische sind weggeräumt. Bei der Ausleihe gibt es keine Einschränkungen.

Derzeit nicht zugänglich: Weil längere Aufenthaltszeiten nicht möglich sind, musste Bibliotheksleiterin Birgit Stellmach den Lerntreff schließen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Genüsslich einen Kaffee trinken und dazu in gemütlichem Ambiente in einer Zeitung, einer Zeitschrift oder einem Buch blättern – das war gestern. Oder besser: in der Zeit vor Corona. Die Pandemie hat Auswirkungen auch auf den Betrieb der Stadtbibliothek Rastatt. „Nirgendwo soll man ja lange bleiben, das gilt auch für uns. Natürlich ist das für viele bitter“, sagt Bibliotheksleiterin Birgit Stellmach. Und doch ist sie mit ihrem Team sehr froh, dass ihr Haus - im Gegensatz zu vielen anderen Einrichtungen – überhaupt noch öffnen darf.

Das wird auch honoriert: Am Samstagvormittag herrscht reger Betrieb im Eckhaus in der Herrenstraße. Da aber genügend Platz ist, bereitet das Einhalten der Abstandsregeln keine Probleme.

Immerhin: Ein Stehtisch

Es ist eine Art Durchgangsbetrieb mit kurzen Aufenthaltszeiten: Ausleihen und Rückgaben sind zu den Öffnungszeiten möglich, längeres Verweilen bis hin zum Schmökern ist aber nicht mehr angesagt. Dazu wurden Tische und Stühle weggeräumt, die Nebenräume geschlossen. Das gilt auch für den sonst so beliebten und räumlich separaten „Lerntreff“: Wo sich sonst an den PCs gerne Schüler zusammenfinden und Erwachsene ein Referat vorbereiten oder eine Bewerbung schreiben, sind jetzt Stühle und Tische sowie weiteres Mobiliar gestapelt. Zusammengetragen aus vielen Ecken der dreistöckigen Bibliothek, weil die gemütlichen Sitzecken entfernt werden mussten.

Immerhin: Ein Stehtisch ist geblieben. „Die Tageszeitung kurz anlesen, das ist jetzt noch möglich“, schmunzelt die Leiterin. Auch Kopieren und Scannen geht weiterhin, ebenso die schnelle Internetrecherche. Im Katalog darf ebenfalls geblättert werden. Ist die Zahl der Schüler als Nutzer der Stadtbibliothek in Corona-Zeiten spürbar geringer geworden, so sind die Stammkunden geblieben. Trotz Mundschutzpflicht während des Aufenthalts, trotz Anmeldebogen und Desinfektion am Eingang.

„Das ist überhaupt nicht schlimm“, findet Klaus Heck aus Ötigheim, der regelmäßig zu Gast ist. Er liest gerne Zeitungen, findet hier ein reichhaltiges Presseangebot vor und schätzt „überhaupt das sehr gute Angebot der Bibliothek und die freundlichen Mitarbeiterinnen“. Er hat vier Enkel, erzählt er, und sei bei der Suche nach Kinderbüchern, CDs und DVDs für den Nachwuchs noch immer fündig geworden. Für sich selbst schaut er sich nach Kriminalromanen und Reiseliteratur um. „Ich genieße es einfach, hier sein zu dürfen.“

Kunden schätzen großes Angebot

Mit ihren Kindern kommt auch Ljubica Zivkovic gerne in die Bücherei. „Wir sind jetzt in Weihnachtsstimmung“, lacht sie, und in dieser Richtung sucht sie Bücher, dazu Lieder- und Hörbücher. Auch sie findet zur Angebotsvielfalt nur lobende Worte. Zrinka Gashi aus Muggensturm kommt nach eigenen Angaben so wie früher auch jetzt regelmäßig hierher, ihr geht es um die Ausleihe von Büchern und Videos.

„Lieber unter eingeschränkten Bedingungen arbeiten als ganz schließen müssen“, ist der Leitsatz von Birgit Stellmach in diesen Wochen. Den aktuellen deutschlandweiten Teil-Lockdwon, der am 2. November begann, aber zeitig vorher angekündigt worden war, haben viele Kunden der Stadtbibliothek Rastatt genutzt. „Da haben sich noch einige richtig eingedeckt. Das haben wir gemerkt“, sagt Leiterin Stellmach. Das Hamstern war zwar - im Nachhinein betrachtet - unnötig, schließlich ist die Ausleihe auch weiterhin möglich, aber man weiß ja nie.

Vielleicht hat zu diesem Kundenverhalten die Erfahrung aus dem Frühjahr beigetragen. Stellmach erinnert an die erste Corona-Hochphase: „Am Freitag, 13. März, haben wir die Nachricht erhalten – und samstags war die Bibliothek bereits zu!“ Dann standen auch die Kunden vor verschlossener Tür, erst am 5. Mai war das Haus wieder zugänglich. „Dass wir jetzt offen haben dürfen, empfinden wir auch als Wertschätzung seitens der Entscheidungsträger.“ Auch ihre Kolleginnen Antje Bemmann („Die Menschen halten sich in vielen Dingen zurück, das merkt man auch bei uns“) und Rita Selck freuen sich über die weiterhin möglichen Kundenkontakte.

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