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Rastatter Auffangstation

Bedauern über Rückzug der Vogelretter Fingermann - AfD will finanzielle Unterstützung

27 Jahre lang war Vogelschützer Pierre Fingermann rund um die Uhr für in Not geratene Vögel im Einsatz. Nachdem er aus Ärger über behördliche Auflagen seinen Rückzug erklärt hatte, wollte sein Enkel Kevin sein Lebenswerk fortsetzen. Doch eine Festanstellung bieten ihm weder der Landkreis noch die Stadt. Jetzt steht die Station vorerst still.

Unermüdlich im Einsatz: Pierre Fingermann und sein Enkel Kevin (von links) retten bei dieser Aktion im Frühjahr 2019 eine Schwanenfamilie aus einem überfluteten Nest am Schachtelbach unweit der Arbeitsagentur Rastatt. Foto: Collet

Pierre Fingermann war jederzeit erreichbar und unverzüglich zur Stelle, kümmerte sich mit Leidenschaft um verwaiste und verletzte Vögel, aber auch um andere Tiere. Nachdem er seinen Rückzug erklärt hatte, wollte sein Enkel in seine Fußstapfen treten. Um aber seine Arbeit in der Auffang- und Pflegestation im Rastatter Münchfeld weiterführen zu können, hätte er eine Existenz sichernde Unterstützung benötigt. Da ihm aber weder der Landkreis noch die Stadt eine Festanstellung anboten, kündigte er an, die Station vorerst nicht weiter zu betreiben.

Sowohl Landkreissprecherin Gisela Merklinger als auch die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg betonen Fingermanns beeindruckendes Wirken, das man zu schätze wisse. „Fraglos und ohne Einschränkung begrüßt und wertschätzt die Stadtverwaltung das große ehrenamtliche Engagement Herrn Fingermanns und seines Enkels“, betont Dießelberg mit Hinweis auf die Würdigung der Aktivitäten durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im September 2019.

Diese sei von der Stadt tatkräftig unterstützt worden. Damals sagte Regierungspräsidentin Sylvia Felder in ihrer Laudatio: „Unsere Gesellschaft wäre besser dran, wenn es mehr Pierre Fingermanns gäbe“.

Stadt und Landkreis loben beeindruckendes Wirken

Heike Dießelberg: „Dass jetzt von beiden Vogelschützern über die Medien der Rückzug angekündigt wird, bedauern wir außerordentlich. Als Stadtverwaltung haben wir hier jedoch keine Handhabe. Denn Pierre und Kevin Fingermanns Tierschutz-Aktivitäten liegen in der Zuständigkeit des Veterinäramtes beim Landkreis und ihr Engagement beim Natur- und Artenschutz liegt im Aufgabenbereich der unteren Naturschutzbehörde.

Für die Stadt kommt eine Festanstellung nicht infrage

Eine finanzielle Förderung durch die Stadt gebe es nicht. „Wir sind zuständig für die Inobhutnahme von Fundtieren auf Rastatter Gemarkung, klassischerweise sind das entlaufene Hunde oder Katzen.“ Um diese Tiere kümmere sich im Auftrag der Stadt der Tierschutzverein, der mit jährlich rund 30.000 Euro unterstützt werde. Eine Festanstellung von Kevin Fingermann in dem Sinne, dass eine Stelle im Bereich „Vogelschutz“ neu geschaffen werde, komme aus den genannten Gründen nicht infrage.

Wir haben Herrn Fingermanns Engagement freiwillig unterstützt.
Gisela Merklinger, Sprecherin Landratsamt Rastatt

Landkreissprecherin Gisela Merklinger erklärt: „Obwohl der Landkreis für aufgefundene Wildtiere eigentlich nicht zuständig ist, haben wir die Wildvogelstation und Herrn Fingermanns Engagement freiwillig unterstützt.“ Denn laut Gesetz seien die Ortspolizeibehörden, sprich die Kommunen, für solche Fundtiere zuständig.

Landkreis hält Abschluss eines Arbeitsvertrages für problematisch

In einem Schreiben weist die Landkreisbehörde Kevin Fingermann darauf hin, dass der Kreis den Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Arbeitsvertrages (auf Minijob-Basis) aufgrund einer rechtlichen Prüfung aktuell für problematisch halte. Daher werde das Thema zunächst zurückgestellt. Im Gegenzug wolle der Kreis den Zuschuss für die Aufnahme und Pflege verletzter Wildvögel von 5.000 auf 8.000 Euro erhöhen. Damit war für Fingermann die Festanstellung letztlich vom Tisch.

Er könne sich aber wie sein Großvater in die geplante Wildtierstation Mittelbaden in Kooperation mit dem NABU einbringen, so Merklinger. Bis diese „große Lösung“ in trockenen Tüchern sei, werde der hauptberufliche Wildtierbeauftragte Martin Hauser Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Wildvögel sein.

AfD beantragt finanzielle Unterstützung der Vogelstation durch die Stadt

In einem jüngst im Rathaus eingereichten Antrag spricht sich die AfD-Fraktionim Rasatter Gemeinderat für eine finanzielle Unterstützung der Vogelschutzstation durch die Stadt Rastatt aus – und zwar so lange, bis eine Lösung für den Erhalt der Station gefunden sei.

„Wir beantragen einen monatlichen Zuschuss von 1.500 Euro oder eine Einstellung von Kevin Fingermann zu einer angemessenen Entlohnung“, schreibt AfD-Fraktionsvorsitzender Roland Oberst. Eine Tätigkeit im Sinne des Naturschutzes sei ein Anliegen der Allgemeinheit und müsse durch kommunale Institutionen unterstützt oder getragen werden. Sollte sich in Zukunft eine andere Lösung, etwa durch den Kreis oder andere Institutionen, ergeben, könne die Unterstützung der Stadt überprüft werden.

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