Skip to main content

Gelbe Blüten bedeuten keine Gefährdung

Mutmaßliches Jakobskreuzkraut entlang der B36 bei Bietigheim entpuppt sich als Senfpflanze

Der Verdacht einer Autofahrerin, entlang der B36 bei Bietigheim könnte sich das giftige Jakobskraut ausgebreitet haben, bestätigte sich nicht. Nach Vorlage der entsprechenden Bilder identifizierte Uwe Kimberger, Experte für Obst- und Gartenbau beim Landratsamt Rastatt, die gelben Blüten als Senfpflanze.

Gelbe Fläche: Der Verdacht einer Autofahrerin, dass sich entlang der B 36 bei Bietigheim das giftige Jakobskreuzkraut ausbreitet, bewahrheitete sich nicht. Foto: Katrin Brunner-Schwer

Entlang der neuen B36, vor allem in Höhe von Bietigheim, leuchtet der Seitenstreifen momentan über weite Strecken in gelber Farbe.

Der Verdacht einer Autofahrerin, die die gelben Pflanzen fotografiert hat: Es könnte sich um das hochgiftige Jakobskraut handeln.

Entsprechende Bilder von der Szenerie hat auch das Landratsamt in Rastatt erhalten. Entwarnung aber gibt der Experte aus der Beratungsstelle für Obst- und Gartenbau im Landratsamt Rastatt, Uwe Kimberger: „Es handelt sich hier um Gelb/Weißsenf, eine alte Kulturpflanze, die sehr oft als Gründüngerpflanze eingesetzt wird. Diese Pflanzen erschließen und bedecken den Boden“, sagt er.

Zudem seien sie dazu geeignet, Schutz vor Regen, Auswaschung und Sonneneinstrahlung zu bieten. Ferner bringen sie langfristig Humus in den Boden: „Auf neu angelegten, beziehungsweise frei liegenden Flächen, wird die kostengünstige Pflanze gerne eingesetzt“, erklärt Kimberger weiter.

Jetzt den Newsletter für Mittelbaden und die Ortenau abonnieren

Wie geht es weiter mit den heruntergekommenen Hotels an der Schwarzwaldhochstraße? Wie sieht die Zukunft aus für die Mitarbeiter von Daimler und Schaeffler? Welche Corona-Regeln gelten für meine Region?

Die wichtigsten Infos für Mittelbaden und die Ortenau und exklusive Hintergrundberichte: Das liefert der kostenlose BNN-Newsletter jeden Abend direkt in Ihr Postfach. Jetzt anmelden.

Und wie steht es mit dem Jakobskreuzkraut? Bietigheims Bürgermeister Constantin Braun hatte bislang nach eigenem Bekunden noch keinerlei Hinweise für ein mögliches Vorkommen der Pflanze auf Bietigheimer Gemarkung erhalten. Uwe Kimberger sieht das Kraut mit dem problematischen Inhaltsstoff allenfalls gefährlich für Tiere, die Heu fressen. Dadurch rücken Pferde, Kühe, Ziegen oder Schafe in den Fokus.

Bodendecker: Kein Jakobskreuzkraut, sondern eine Senfpflanze, die nach Angaben des Landratsamtes gerne eingesetzt wird, lenkt die Blicke entlang der B 36 auf sich. Foto: Hans-Jürgen Collet

Diese würden von den Kräutern allerdings nur fressen, wenn es nichts anderes gibt: „Von Natur aus verschmähen sie die Pflanze“. Das Kraut enthält Alkaloide, wodurch Lebervergiftungen verursacht werden könnten. „Mir ist aber nur ein Fall bekannt, wo bei einem Pferd deshalb eine Leberveränderung festgestellt wurde“ , sagt Kimberger.

Kreuzkräuter seien gut für die Biodiversität und ihre Inhaltsstoffe können sich auch im Honig finden. „Aber man müsste schon kiloweise Honig essen, damit das für Menschen gefährlich werden könnte,“ betont Kimberger.

Alkaloide für Bienen kein Problem

Die Alkaloide in der Pflanze stellen für die Bienen kein Problem dar. Laut Fachblatt „Deutsches Bienenjournal“ sei diese Erkenntnis durch Untersuchungen des Instituts für Bienenkunde in Celle bestätigt worden. In der Regel blühe das Jakobskreuzkraut erst etwa ab Mitte Mai, sagt Kimberger.

Er räumt ein, dass die Ausbreitung der Pflanze deutlich zugenommen hat, wenngleich im Landkreis Rastatt keine Schwerpunkte zu registrieren seien. Das Abfräsen von Grünstreifen an Straßenrändern könne etwa dazu führen, dass Samen in den Mähgeräten hängen bleibt und sich ausbreitet, genauso wie auf freien Flächen und Böschungen. Das Landratsamt rät zu frühzeitiger Mahd bei Blühbeginn.

Auch das Klima und die zunehmende Trockenheit begünstigten den Pflanzenwuchs, wobei Kimberger auf die verschiedenen Arten von Kreuzkräutern hinweist, die sich sowohl in Feuchtgebieten als auch an trockenen Standorten entwickeln. Weshalb die Alkaloide in der Pflanze enthalten sind, sei nicht so ganz klar.: „Es könnte ein Abwehrmechanismus gegen Fressfeinde sein“, meint Kimberger.

Die Straßenbauämter kümmern sich um die Beseitigung von Jakobskreuzkraut
Andreas Maier, Sachgebietsleiter beim Regierungspräsidium

Andreas Maier, Fachreferent beim Regierungspräsidium Karlsruhe, bestätigt, dass die Pflanze „oft auf Flächen vorkommt, die extensiv bewirtschaftet werden.“ Besondere Schwerpunkte in der Region sieht auch er nicht. Bei Bedarf würden die Straßenbauämter informiert, sie zu beseitigen. Regierungspräsidium und Landratsamt raten dazu, Flächen mit einem starken Auftreten von Jakobskreuzkraut kurz vor oder während der Blütezeit zu mähen oder zu mulchen.

Einzelne Pflanzen könnten dadurch beseitigt werden, indem man sie ausreißt, wobei unbedingt Schutzhandschuhe getragen werden sollten. „Gemähte oder ausgerissene Pflanzen müssen von Weideflächen entfernt und im Restmüll entsorgt oder, solange keine Samen vorhanden sind, kompostiert werden“, lässt das Regierungspräsidium wissen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang