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Reaktion auf Ukraine-Krieg

Wirt in Bietigheim will keine Russen in seinem Lokal – und erntet Protest und Drohungen

„Russen unerwünscht“: Ein Wirt in Bietigheim hat Menschen mit einem russischen Pass ein Lokalverbot erteilen wollen. Er erntete wütende Proteste und Drohungen.

Die Ansage des Restaurantinhabers sorgte für viel Aufregung - unter anderem auch auf Facebook. Foto: Fabian Sommer/dpa

Das ging vielen Menschen dann doch deutlich zu weit: Mit dem Verweis, ein Zeichen setzen zu wollen, erklärte der Betreiber eines Restaurants in Bietigheim im Landkreis Rastatt Gäste mit russischem Pass kurzerhand zu unerwünschten Personen. Eine kurze Botschaft, die er am Wochenende auf die Homepage seines Lokals stellte, sorgte für einen massiven Sturm der Entrüstung, der auch weiter anhält.

Auf der Homepage des Restaurants „Traube“ im Ortszentrum hieß es am Wochenende wörtlich: „Besucher mit russischem Pass sind bei uns im Haus unerwünscht.“ Und weiter: „Es ist uns bewusst, dass der ,normale’ russische Staatsbürger keine Schuld an den kriminellen Handlungen der russischen Regierung trägt.“

Mit der Aktion aber wolle man ein Zeichen setzen. „Dies ist unser Beitrag, damit unsere Kinder in einem friedlichen Europa leben können“, heißt es am Ende der Botschaft.

Empörte Reaktionen auf Facebook und Twitter

Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. Auf Facebook und Twitter verbreitete sich die Nachricht vom Lokalverbot für russische Staatsbürger wie ein Lauffeuer. Die überwältigende Mehrheit der Kommentare prangert die Verallgemeinerung gegen eine bestimmte Nationalität als fremdenfeindliche Hetze an. „Ihr wollt Frieden für eure Kinder, aber verbreitet Hass gegen Menschen mit russischer Herkunft. Das ist ein Widerspruch“, schreibt eine Facebook-Userin.

Auslöser: Auf der Homepage des Lokals war zu lesen, dass Besucher mit russischem Pass unerwünscht seien. Inzwischen ist der Text verschwunden. Foto: Screenshot/Facebook

Gemäßigte Nutzer des Sozialen Netzwerks reagierten mit Kurzkommentaren wie „unfassbar“ oder „einfach krank“, andere lassen vermuten, dass der Post gezielt in der deutsch-russischen Gemeinschaft verbreitet wurde, um noch mehr Reaktionen zu provozieren.

Polizei vor Ort, aber die „Traube“ war am Sonntag nicht zu erreichen

Die Homepage der „Traube Bietigheim“ war am späten Sonntagnachmittag online nicht mehr aufzurufen. Auch telefonisch war das Lokal nicht mehr zu erreichen. Die Google-Bewertungen des bislang eher unauffälligen Restaurants mit badischen und mediterranen Spezialitäten rutschte in den Keller. In der Google-Suche tauchte das Lokal zeitweise mit neuem Namen als „Restaurant der Hetze“ auf. Inzwischen ist der eigentliche Name zurück. Am späten Nachmittag postierte sich ein Streifenwagen der Polizei vor dem Lokal.

Auch für die Badischen Neuesten Nachrichten war der Besitzer trotz mehrerer Versuche nicht zu erreichen. Im Lauf des Sonntagnachmittags versuchte der Wirt sich in einem weiteren Facebook-Post von seiner Äußerung zu distanzieren. Er wendet sich auf Facebook „an alle Unterstützer und Versteher von Putin“ mit den Worten: „Es war ein Fehler, die Kritik an Putin an der Nationalität festzumachen. Niemals wollte ich jemanden wegen seiner Nationalität beleidigen. Allerdings rechtfertigt das nicht, meine Familie und Mitarbeiter zu bedrohen.“

In Bietigheim ist der Traube-Wirt auch als Mitglied des Bietigheimer CDU-Gemeindeverbands bekannt. Nach Aussagen des aktuellen Vorsitzenden ist er dort aber kein Mitglied mehr.

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