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Bisher nur wenige Teilnehmer beim Fahrradklimatest

Bisher nur wenige Teilnehmer beim Fahrradklimatest im Kreis Rastatt

Wie werden die Radler in der eigenen Gemeinde wahrgenommen? Wo ist es für sie besonders gefährlich? Und wie sieht die Radwegesituation aus? Das sind nur einige Aspekte, die der Fahrradklima-Test des ADFC derzeit abfragt. Doch aus dem Landkreis haben bisher nur vier Städte die Mindestteilnehmerzahl für eine Auswertung erreicht.

Gefahr entschärft? Mit einer Anhebung der Fahrbahn hat die Stadt auf die Gefahrenstelle für Radler an der Kreuzung von Lyzeum- und Herrenstraße reagiert. Der ADFC hielte Schilder und farbige Radwege für besser. Foto: Hans-Jürgen Collet

In Zeiten von Corona sind viele Menschen zum Radler geworden – Fahrradläden gehören zu den wenigen Gewinnern der Pandemie. Da passt es, dass der alle zwei Jahr stattfindende Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Clubs (ADFC) genau in diese Phase fällt.

Doch während bundesweit bereits mehr als 100.000 Menschen die 27 Fragen beantwortet haben, sind im Bereich des Kreisverbands Baden-Baden/Rastatt erst wenige Kommunen über die Grenze von 50 Teilnehmern geklettert. Die ist aber notwendig, damit die Fragebögen überhaupt ausgewertet werden, wie der Kreisverbandsvorsitzende Ralph Neininger erklärt.

Fahrradklima-Test läuft noch bis Ende November

„Die vier großen, die haben wir“, freut sich Neininger darüber, dass in Rastatt, Gaggenau, Baden-Baden und Bühl mehr als 50 Radler mitgemacht haben. Doch eigentlich hätte er gern noch mehr Auswertungen der Fahrrad-Situation in den insgesamt 20 Gemeinden, die zu seinem Kreisverband dazugehören.

Vor zwei Jahren, als der ADFC das letzte Mal zur Fragerunde aufrief, waren auch noch Gernsbach und Sinzheim mit dabei. Bisher haben 24 Radler in Gernsbach und 17 in Sinzheim ihre Meinung abgegeben. „Die sind im Moment noch nicht mal in der Nähe der Grenze.“ Die Hoffnung hat Neininger dennoch nicht aufgegeben. Immerhin läuft der Fahrradklima-Test noch bis Ende November.

Und auch ein paar andere Städte und Gemeinden im nördlichen Landkreis hat der ADFC-Mann derzeit besonders im Blick: 14 Personen haben momentan ihre Meinung zum Radeln in Kuppenheim abgegeben. „Die hatten das Thema Fahrrad gerade auch im Gemeinderat. Da haben wir vor Ort ein wenig Wirbel gemacht“, so Neininger über die positiven Auswirkungen.

„Hoffnungsträger“ Ötigheim

Und auch Ötigheim hat bereits zwölf Teilnehmer, das sei „ein Hoffnungsträger“. Die einzigen Kommunen, die sonst noch in die Nähe der Zehner-Marke kommen, sind Bietigheim (6) und Durmersheim (7). Im Fall von Durmersheim hofft Neininger allerdings noch ein wenig auf das Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium. „Wir hatten schon einmal den Fall, dass das Thema Radeln im Unterricht behandelt wurde und die Schüler dann auch den Klimatest gemacht haben“, sagt er. Immerhin gehören Schüler zu denjenigen, die regelmäßig mit dem Rad unterwegs sind.

27 Fragen gilt es zu beantworten. Sie befassen sich mit der Infrastruktur, aber auch mit der Sicherheit der Radler und dem allgemeinen Wohlfühlfaktor für Radler in einer Kommune. Diese Fragen sind bei jedem Durchlauf gleich, damit verglichen werden kann, wie sich die Situation vor Ort verbessert oder verschlechtert hat. Hinzu kommen Zusatzfragen: In diesem Jahr geht es dabei um Corona. Und bei einer Frage ist es möglich, seine Meinung zu konkreten Problemstellen zu formulieren. Die Bewertung erfolgt nach dem Schulnotenprinzip.

Das Thema Rad hängt oft sehr an den Personen im Rathaus

Ab Dezember werden vom ADFC alle Kommunen ausgewertet, die die notwendige Teilnehmerzahl überschritten haben. Die Ergebnisse sind schließlich öffentlich einsehbar. „Was den Gemeinden an Auswertung geboten wird, ist schon aussagekräftig, gut gemacht und dank der Mindestteilnehmerzahl auch repräsentativ“, so Neininger.

Außerdem gibt die Auswertung auf mehreren Seiten detailliert die Entwicklung in den vergangenen Jahren wieder, listet Stärken und Schwächen auf und stellt einen Bezug zu Gemeinden mit vergleichbarer Größe her. Der Fahrradklima-Test sei ein „kostenloses Barometer“. „Eigentlich müsste der Bürgermeister sagen, macht mit, damit wir eine Auswertung kriegen“, findet er.

Und für die Bürger biete er die Gelegenheit, der eigenen Verwaltung zu zeigen, wo etwas im Argen liegt. Je nachdem, wer dort an den entscheidenden Stellen sitze, würde mehr oder aber auch weniger passieren, weiß Neininger aus Erfahrung: So sei Bühl lange sehr weit vorne gewesen, doch als Tiefbauamtsleiter Michael Pfeiffer als Bürgermeister nach Gaggenau gewechselt ist, sei auch das Fahrradthema ins Murgtal gewandert.

Eigentlich müssten die Bürgermeister sagen, macht mit.
Ralph Neininger, ADFC-Kreisvorsitzender

In Rastatt dagegen herrsche ein guter Kontakt zwischen Bürgermeister Raphael Knoth und dem ADFC, zwei bis drei Besprechungen im Jahr seien üblich. Und dennoch gibt es in Neiningers Augen nach wie vor Verbesserungsbedarf, so beispielsweise die Ampel an der Badner Halle vom Rohrer Steg zur Herrenstraße, die Radler gar nicht erfasse. Und der Rohrer Steg selbst: „Dass man da nicht legal rüberadeln kann, trägt nicht zur Erreichbarkeit des Zentrums bei“, ärgert sich Neininger. Und fügt an: „Das sind die Mosaiksteinchen, die zu schlechten Noten führen können.“

Weitere Informationen

www.fahrradklima-test.adfc.de

Nicht wirklich zufrieden ist er auch mit der Lösung, die die Stadt an der Kreuzung von Herren- und Lyzeumstraße gefunden hat. Hier war Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch im Sommer von einem Lastwagen erfasst worden, der die Vorfahrt missachtet hatte. Um die Situation zu entschärfen, hat die Stadt Mitte des Monats die Fahrbahn verengt.

Der ADFC spricht in diesem Zusammenhang von einer „wenig nutzbaren Aufpflasterung“. Stattdessen solle lieber die Radspur breiter und farbig aufgemalt sowie die Schilder „Radverkehr in beide Richtungen“ angebracht werden. „Dann verstehen die Autofahrer auch, warum sie da anhalten und in drei Richtungen auf andere Verkehre achten sollen.“ Wer weiß, vielleicht taucht genau diese Stelle ja auch bei den Antworten im Fahrradklima-Test auf?

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