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Sommerrätsel - Auflösung 6

Bowle aus der Pelzmütze: Ein dankbarer Erbprinz schenkte das kuriose Gefäß

Im sechsten und letzten Teil des BNN-Sommerrätsels rund um „Geheimnisvolle Schätze“ ging es um einen geheimnisvollen Husarenhut aus Metall, der im Wehrgeschichtlichen Museum im Schloss Rastatt steht. Zu was diente die metallene Nachbildung des Husaren-Huts wirklich?

Bowleform in Form eines Husaren-Huts
Aus dem Vollen schöpfen: Das konnten die Soldaten im Offiziers-Kasino des Karlsruher Dragoner-Regiments aus dieser Bowle-Form. Der Deckel (aufgestellt links im Bild) enthält eine Inschrift des Schenkenden, Karl Egon IV. zu Fürstenberg. Foto: Alexander Jordan

Eine Bowle-Form! Haben Sie es gewusst? Genauer gesagt: Eine Bowle-Form für das Kasino des Offizierscorps des 3. Badischen Dragoner-Regiments „Prinz Karl“ Nr. 22 in Karlsruhe.

Und zwar vermacht von einem Erbprinzen. „K.E. Erbprinz von zu Fürstenberg, Lieutenant vom Garde-Husaren-Regiment. Adjutant der 28. Cavallerie-Brigade.

In dankbarer Erinnerung 1881 - 1884“ steht als Inschrift auf dem Deckel des großen versilberten Gefäßes, in dessen passgenauen Glaseinsatz gleich mehrere Liter Bowle für die Soldaten hineingepasst haben dürften.

Warum bekommen Dragoner eine Husarenmütze geschenkt?

Eines ist jedoch seltsam: Warum bekommt ein Dragoner-Regiment etwas in Form einer Husarenmütze geschenkt? Schließlich handelt es sich dabei um zwei sehr unterschiedliche Truppengattungen. Die Husaren gehörten zur leichten Kavallerie, also berittenen Truppen.

„Sie befassten sich mit Aufgaben der Kommunikation wie Aufklärungstätigkeiten oder Befehlsübermittlung“, erklärt Alexander Jordan, Direktor des Wehrgeschichtlichen Museums, in dem das außergewöhnliche Gefäß ausgestellt ist. „Viele Adelsangehörige waren bei den Husaren, während die Dragoner eine eher einfachere Truppengattung waren, eine Art aufs Pferd gesetzte Infanterie.“

Ein Erbprinz als persönlicher Referent

Und es bleibt rätselhaft, denn eigentlich gab es damals in Baden keine Husaren, weiß Jordan. Wie also kam der Leutnant eines Gardehusarenregiments überhaupt ins Kasino der Dragoner?

Die Antwort kennt der auf Militärgeschichte spezialisierte Historiker natürlich auch: Erbprinz Karl Egon – dafür stehen das K. und das E. in der Inschrift – kam als Adjutant der Kavallerie-Brigade nach Karlsruhe.

Das bedeutet, er stand hier einem höherrangigen Offizier zur Seite. „Im Zivilen würde man persönlicher Referent dazu sagen“, so Jordan.

Der Erbprinz, der eigentlich Teil des Gardehusarenregiments in Potsdam war, sollte hier Erfahrungen sammeln.

Wohlfühl-Orte für Soldaten

in Adjutant, noch dazu ein adeliger aus einer bekannten Fürstenlinie wie der zu Fürstenbergs, verbrachte seine Zeit – und seine Mahlzeiten – selbstverständlich nicht bei den einfachen Soldaten. „Die holten ihr Essen an einer Ausgabe ab und gingen abends in die Wirtschaft“, erzählt Alexander Jordan.

Für Menschen wie Karl Egon IV. waren die Offiziers-Kasinos da, in denen die höherrangigen Militärangehörigen verkehrten, aßen, ihre Bälle und Feste feierten und Rückzugsräume vorfanden. „Man hat sich damals schon sehr viel dort aufgehalten“, so Jordan.

Dementsprechend waren die Kasinos auch eingerichtet: „Es gab gemütliche Sofas, Bilder des Kaisers hingen an der Wand, man aß von besserem Geschirr und wurde von Ordinanzen, also als Kellner abkommandierten Soldaten, bedient.“

Ein Wohlfühl-Ort also, der Karl Egon IV. angesichts seines großzügigen Geschenks ganz besonders positiv in Erinnerung geblieben sein musste. „Das gab es schon häufiger, dass Offiziere oder Gäste dem Kasino Sachen gespendet haben“, sagt der Museumsdirektor.

Dieses Stück ist wirklich ein Schatz, ein echtes Unikat.
Alexander Jordan, Direktor des Wehrgeschichtlichen Museum Rastatt

Etwas so aufwändiges wie die Bowle-Form sei aber selten. Nachschauen kann man das in einer Regimentsgeschichte des 3. Badischen Dragoner-Regiments Prinz Karl Nr. 22.

Dort sind in einer Liste fein säuberlich über 40 wertvolle Geschenke an das Offiziers-Kasino aufgeführt: 36 silberne Kaffeelöffel von Secondlieutenant Graf Douglas sind dort beispielsweise vermerkt. Zwei Likörflacons gab es von Rittmeister Preuß, zwei Saucieren von Major Rühls.

Kaffeelöffel und Standuhren als Geschenk

Eine Standuhr sowie ein Porträt von sich selbst vermachte Oberst Freiherr von Gemmingen dem Offiziers-Kasino. In der Liste auch vermerkt: „Egon Fürst zu Fürstenberg: silberne Bowle (Husarenmütze).

„Dieses Stück ist wirklich ein Schatz, ein echtes Unikat“, betont Historiker Alexander Jordan. Die Pelzmützen der Husaren waren, wie auch alle anderen Bekleidungsstücke von Militärangehörigen, voller Zugehörigkeitszeichen für Eingeweihte.

Hier stimmt jedes Detail

Wer auch immer die Nachbildung fürs Kasino angefertigt hat, hat sich viel Mühe damit gemacht: Vom detailreich nachgebildeten Fell, über Symbole wie die Nationale, dem großen Oval auf oben auf der Stirnseite der Mütze, deren Farben Aufschluss über das Land gaben, für das der jeweilige Träger kämpfte, bis zum Kolpak, dem auf diesem Bild sehr gut sichtbaren Stück Stoff, das an der Rückseite der Kopfbedeckungen hing und dessen Farbgebung Rückschlüsse auf das Regiment zuließ, für die der Träger kämpfte.

Eine sicherlich kostspielige Spende für den Erbprinzen von Fürstenberg.

Der übrigens, auch wenn er viel Zeit im Offiziers-Kasino verbrachte, während seiner Zeit in Karlsruhe – November 1881 bis September 1884 – im familieneigenen Fürstlich Fürstenbergischen Palais in der Karlsruher Erbprinzenstraße 17 untergebracht war.

Das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und heute nicht mehr existiert, war, wie es ein zeitgenössischer Nachruf auf den Fürsten beschreibt „neu und fürstlich eingerichtet“ worden.

„Eine feinsinnige und geschmackvolle Gemahlin“

Gerade richtig für den Erbprinzen und seine Frau, Gräfin Dorothea von Talleyrand-Périgord, die er drei Monate vor seiner Abordnung nach Karlsruhe geehelicht hatte. „Eine feinsinnige und geschmackvolle Gemahlin“, heißt es im Nachruf.

Was sie davon hielt, dass ihr Mann so viel Zeit im Offiziers-Kasino verbrachte, dass er ihm sogar ein übergroßes und wahrscheinlich ziemlich teures Schmuckstück für den Alkoholkonsum vermachte, ist allerdings nicht überliefert.

Das sind die Gewinnerinnen und Gewinner von Teil 6 des Sommerrätsels

Norbert Grünling
Norbert Grünling freut sich auf den Wasserpark Rulantica. Foto: privat

„Wahnsinn“ – Norbert Grünling kann sein Glück kaum fassen. Der Karlsruher freut sich riesig darüber, dass er den Hauptpreis bei der sechsten Runde des BNN-Sommerrätsels gewonnen hat. Er kann somit einen Tag in der Wasserwelt Rulantica beim Europa-Park Rust verbringen. Und weil er neun Personen mitnehmen darf, will der 79-Jährige den Ausflug ins Südbadische gemeinsam mit seiner Frau sowie seinen Kindern, Enkeln und Urenkeln unternehmen. „Das wird auch für sie ein tolles Erlebnis sein“, sagt er.

Die Antwort auf unsere Frage wusste Norbert Grünling übrigens sofort. Denn er hat das Wehrgeschichtliche Museum im Schloss Rastatt bereits besucht und konnte sich gut an den Husaren-Hut in der Ausstellung erinnern.

Die Glücksfee zog auch die Einsendung von Sonja Beck aus dem Lostopf. Die BNN-Leserin aus Achern erhält als Gewinnerin des zweiten Preises fünf Pflegeprodukte, die die Inhaltsstoffe junger Triebe von Fichten enthalten. Hergestellt hat sie Kokoderma Cosmetics aus dem Schwarzwald.

Zahlreiche Anregungen für Radtouren entlang von Flüssen und mit viel Panorama bekommt Bernhard Weber aus Waldbronn. Er hat den dritten Preis, zwei Radwanderführer aus dem BNN-Leserhop, gewonnen.

Das BNN-Sommerrätsel 2022 zum Thema „Geheimnisvolle Schätze“ ist mit dieser Runde zu Ende. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben in den vergangenen Wochen eifrig mitgerätselt. Freuen Sie sich auf den Sommer 2023, wenn wieder geraten werden kann.

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