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Kritik an Öffnungszeiten

Der Wochenmarkt in Rastatt ist kein Ort für Berufstätige

Regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen und ohne Plastikhülle gehören in der Gesellschaft derzeit zum guten Ton. Klimasorgen beeinflussen auch den Einkaufskorb. Der Rastatter Wochenmarkt ist jedoch nur am Wochenende wirklich gut besucht. Kunden und Beschicker kritisieren womögliche Gründe dafür.

Noch rechtzeitig kauft ein Kunde frisches Gemüse von einem Hof aus Erden. Andere musste Verkäufer Thomas aber auch schon wegschicken, wenn bereits der Abbau ansteht. Eine Verlängerung der Öffnungszeiten wird auch unter den Beschickern heiß diskutiert. Foto: Collet

Der Verkäufer ruft freundschaftlich den Namen der Kundin und greift schon mal in eine der Kisten vor ihm. Darin liegen Gemüse und Obst – bunt, auffällig und vor allem unverpackt. Regionale Lebensmittel mit kurzen Transportwegen und ohne Plastikhülle gehören in der Gesellschaft derzeit zum guten Ton. Klimasorgen und ein nachhaltiges Leben beeinflussen auch den Einkaufskorb. Allerdings haben die Menschen rund um den Verkaufsstand auf dem Rastatter Wochenmarkt unter der Woche viel Platz zum Schlendern mit großen Körben und freie Fläche für ein Schwätzchen unter Bekannten.

Denn: Wenn die Mittagspause dienstags und donnerstags beginnt, räumen die meisten Marktbeschicker ihre Waren schon in die Autos. An Samstagen hingegen wandern Karotten, Kraut und Kürbisse wesentlich häufiger und schneller über den Tresen.

Konkurrenz aus den Supermärkten

„Finanziell lohnt es sich für uns als Marktbeschicker nur am Wochenende“, erzählt Beraat Celik von Petite Fleur aus Muggensturm. „Unter der Woche ist der Markt in Rastatt sehr schwach.“ Jahr zu Jahr würden die Kunden weniger, beobachtet Celik auch in Karlsruhe oder Bühl. Die Stimmung nimmt er überall ähnlich wahr. „Die Leute arbeiten bis in den Abend“, sagt er. Die Angebote in den Supermärkten sind eine große Konkurrenz. Aufgrund der frühen Schließzeiten des Wochenmarktes kämen lediglich Rentner und Menschen, die nicht arbeiten. Um 14 Uhr muss der Platz am Dienstag und Donnerstag geräumt sein. Das schränke ein.

Alleine am Stand ist unter der Woche Beraat Celik von Petite Fleur. Der Arbeitsalltag halte viele davon ab, Blumen auf dem Wochenmarkt in Rastatt zu kaufen. Foto: Collet

Viele Marktbeschicker entscheiden sich, an einem verkaufsschwachen Tag nicht nach Rastatt zu kommen, sagt Eventmanager Markus Lang von der Stadt Rastatt. Dienstags sind zwischen den Ständen auf dem Platz vor dem Rathaus oft Lücken, samstags hingegen bis zu 40 Beschicker. Der Wochenmarkt werde aber grundsätzlich gut angenommen – besonders am Wochenende. „Für viele Familien wird der Besuch auf dem Markt dann mit einem Familienausflug verbunden“, sagt er. „Unter der Woche sind es eher Hausfrauen und Rentner.“

Wochenmarkt im Trend

Anreize, auf dem Markt einzukaufen, schafft zudem nicht nur die Stadt durch Aktionen wie „Vielfalt erleben“. Eine gesunde und nachhaltige Lebensweise ist derzeit für viele Menschen wichtig und zweifelsfrei ein Trend. „In Großstädten greifen Trends wie dieser sicher und beeinflussen die Resonanz für Wochenmärkte“, vermutet Lang. „In kleineren Städten wie Rastatt spielt das wohl weniger eine Rolle.“ Zu den Marktbeschickern zählen eher Händler statt die regionalen Erzeuger selbst.

Viele Kunden bringen eigene Tüten, Körbe und Netze.

Doch ein verändertes Kaufverhalten können die Beschicker schon beobachten, wie Thomas vom Obst- und Gemüseanbau aus Erden betont. „Viele Kunden bringen eigene Tüten, Körbe oder Netze mit.“ Die Freude über den Markt ist allerdings getrübt. „Die meisten sind etwas verärgert“, erzählt er. „Viele kommen nicht mehr, weil sie nirgends parken können.“

Kunden beschweren sich über Baustelle

Die stillgelegte Bushaltestelle am Marktplatz tue ihr übriges, sagt er mit Blick auf die Baustelle an der Oberen Kaiserstraße. Dazu komme, dass er manchmal gar Kunden wegschicken müsse, damit er den Platz wieder pünktlich verlassen kann. „Ich kann nicht gleichzeitig bedienen und abbauen.“ Doch der Vorschlag einer Verlängerung der Verkaufszeiten unter der Woche gerade für Berufstätige komme nicht bei jedem gut an.

Wir sind in einem Zwiespalt.

„Wir kennen auch die Situation, dass etwa die kleineren Beschicker schon vor 13 Uhr gehen“, erklärt Franz-Xaver Reil vom Stadtmarketing. „Wir sind in einem Zwiespalt.“ Die Händler seien sich selbst nicht einig. Verlängere man die Öffnungszeiten am Dienstag und Donnerstag auf 15 Uhr wie am Samstag, müsste man die Satzung ändern.

Beschicker beharren auf Stammplatz

Wenn dann jedoch einige weiterhin früher ihre Stände räumen, stehen die Transporter im Weg. „Gleichzeitig will jeder der Beschicker seinen Stammplatz behalten, sodass wir die räumliche Verteilung nicht anpassen können“, sagt Reil. Gegen verlängerte Marktzeiten habe man seitens der Organisatoren grundsätzlich nichts. „Wir wollen die Kunden auch an die Innenstadt binden.“

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