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Fragen und Antworten zur Pandemie in Mittelbaden

Die Krankenhausstationen in Mittelbaden füllen sich wieder

Anfang Oktober gab es in Mittelbaden 36 Corona-Fälle, mittlerweile sind es weit über 300. Auch die Betten des Klinikums Mittelbaden füllen sich wieder mit Covid-Patienten. Als im Frühjahr die Kapazitäten der Krankenhäuser kurzzeitig an den Anschlag kamen, wurden die Patienten in andere Regionen verlegt. Doch das könnte in der zweiten Welle schwierig werden.

Hände desinfizieren! Auch beim Pressgespräch im Kreistags-Saal des Landratsamts gelten die gängigen Hygienevorschriften. Foto: Hans-Jürgen Collet

Nicht nur die Anzahl der Corona-Infektionen schnellt im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden in die Höhe, auch in den Krankenhäusern liegen immer mehr Covid-19-Patienten. Einen Überblick über die Entwicklung der Pandemie in Mittelbaden gaben am Mittwochmorgen Vertreter des Landratsamts und der Stadt Baden-Baden bei einem Pressgespräch. Unser Redaktionsmitglied Holger Siebnich liefert die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Es ist stets eine filigrane Abwägung der Verhältnismäßigkeiten.
Margret Mergen, Baden-Badens Oberbürgermeisterin

Wie sieht die Entwicklung im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden aus?

Wie überall in Baden-Württemberg steigen die Infektionszahlen seit drei Wochen enorm. Die Sieben-Tage-Inzidenz, welche die Anzahl der Infektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner beschreibt, hat sich innerhalb weniger Tage verdoppelt und lag am späten Mittwochnachmittag für Land- und Stadtkreis zusammengerechnet bei knapp 89. In absoluten Zahlen waren das 364 aktive Corona-Fälle. Zum Vergleich: Anfang Oktober waren es noch 36. Der Erste Landesbeamte Jörg Peter spricht von einem „galoppierenden Trend“.

Wie ist die Situation in den Krankenhäusern?

Auch dort zeigt der Pfeil nach oben. Laut dem Ärztlichen Direktor Markus Kratz werden in den Häusern des Klinikums Mittelbaden derzeit 25 Covid-Patienten behandelt, die meisten davon am Standort Balg. Zwei Patienten befinden sich auf der Intensivstation. Die Anzahl der Intensivbetten liegt bei zwölf, sie kann kurzfristig auf 26 erhöht werden. Aktuell sind also noch genügend Kapazitäten vorhanden. Allerdings lagen vor einer Woche lediglich vier Patienten im Krankenhaus. Und Kratz warnt: Aufgrund der Inkubationszeit und des Krankheitsverlaufs, kämen schwer Erkrankte in der Regel erst nach rund zehn Tagen in die Klinik. Die aktuelle Lage bilde damit das Infektionsgeschehen von Mitte Oktober ab, als die Zahlen noch viel niedriger lagen. Hinzu komme: Da die Situation in ganz Deutschland ähnlich sei, wäre bei einer Überlastung die Verlegung von Intensivpatienten in andere Kliniken schwierig. Das sei im Frühjahr noch anders gewesen, als sich das Infektionsgeschehen auf bestimmte Regionen wie auch Mittelbaden konzentriert habe.

Der Anteil der Intensiv-Patienten ist derzeit niedrig. Woran liegt das?

In der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr behandelten die Ärzte im Klinikum bis zu 60 Covid-Patienten gleichzeitig, etwa die Hälfte der Infizierten lag damals auf der Intensivstation. Laut Kratz sind die Patienten jetzt aber im Durchschnitt jünger, so dass sehr schwere Krankheitsverläufe bislang seltener sind.

Wie ist die Lage in den Pflegeheimen?

Das Virus ist auch dort wieder angekommen. Im September waren zwei Bewohnerinnen des Hauses „Barbara“ in Rastatt im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Dezernent Stefan Biehl vom Landratsamt spricht aktuell von „vereinzelten Fällen in zwei bis drei Einrichtungen“, wobei sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter betroffen seien. „Bisher haben wir das gut im Griff“, sagt Biehl. Die Situation entspreche noch nicht einem Flächenbrand.

Wie ist die Situation im Gesundheitsamt?

„Die Lage ist sehr ernst“, sagt Biehl. In normalen Zeiten zählt das Gesundheitsamt 30 Mitarbeiter. Derzeit verstärken 40 Beschäftigte aus anderen Ämtern das Team. Hinzu kommen seit dieser Woche 13 Bundeswehrsoldaten. Außerdem werden weitere Neueinstellungen erwartet, so dass unterm Strich wie im Frühjahr rund 90 Kräfte zur Verfügung stehen. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, die Kontaktketten nachzuverfolgen. Im Durchschnitt hat laut Biehl jeder Infizierte mit 30 bis 50 Personen Kontakt, in einem Einzelfall waren es auch schon 200. Angesichts dieser Zahlen schaffen es die Mitarbeiter derzeit nicht, Betroffene nach einem positiven Test umgehend anzurufen. Bis das Telefon klingelt, dauert es in der Regel ein bis zwei Tage.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich infiziert bin?

Liegt ein positives Testergebnis vor, sollen sich die Betroffenen selbst umgehend in häusliche Quarantäne begeben. Bis zum Anruf des Gesundheitsamts können sie selbst schon einmal enge Kontaktpersonen verständigen und auch eine Liste mit den Betroffenen zusammenstellen. Das erleichtert dem Gesundheitsamt die Arbeit.

Können Freiwillige bei der Kontaktverfolgung helfen?

Derzeit greift das Gesundheitsamt auf diese Option nicht zurück, obwohl sich schon Freiwillige gemeldet haben. Das liegt laut Biehl zum einen an den sensiblen Daten, mit denen die Mitarbeiter umgehen, zum anderen an der Einarbeitung, die derzeit neben dem laufenden Geschäft nur schwer zu organisieren wäre. „Freiwillige sind für uns erst Plan B oder C“, sagt Biehl.

Wie ist die Test-Situation?

Die Tests werden in den Arztpraxen gemacht. Nach Angaben des Gesundheitsamts können diese der Aufgabe bislang noch nachkommen. Die Städte Rastatt, Bühl und Baden-Baden stehen aber bereit, wieder zentrale Abstrichstellen einzurichten, wenn das notwendig ist. „Innerhalb von zwei bis drei Tagen können wir am Netz sein“, sagt Biehl. In Muggensturm geht eine zentrale Ambulanz der Ärzteschaft aus Muggensturm, Bischweier und Kuppenheim am 2. November in Betrieb. Seit Ausbruch der Pandemie im März haben die Labore rund 61.000 Tests aus Mittelbaden bearbeitet.

In Baden-Baden gilt in der Fußgängerzone eine generelle Maskenpflicht. In Rastatt, Bühl und Gaggenau müssen Menschen nur dort einen Mund-Nasen-Schutz tragen, wo sie den Abstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Warum dieser Flickenteppich?

Jessica Schuldt, Juristin des Landratsamts, verweist auf die komplexe rechtliche Lage, die sich ständig ändere. Eine generelle Maskenpflicht auch im Landkreis wäre aus ihrer Sicht nicht verhältnismäßig gewesen. Es könnten aber auch noch Regelungen für einzelne Städte kommen, etwa für Rastatt. Allerdings sei bereits eine Klage gegen die generelle Maskenpflicht der Stadt Heidelberg in erster Instanz erfolgreich gewesen. Schuldt und ihr Baden-Badener Kollege Maximilian Lipp gehen ohnehin davon aus, die Allgemeinverfügungen für Stadt- und Landkreis in den nächsten Tagen schon wieder neu schreiben zu müssen. Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen wirbt um Verständnis: „Wir tun gut daran, die Regeln für die verschiedenen Örtlichkeiten zu beschließen.“ Es sei stets eine filigrane Abwägung der Verhältnismäßigkeiten.

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