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Mediziner lenkt ein

Der Poller bleibt: Streit zwischen Durmersheimer Arzt und Nachbar beigelegt

Monatelang stritten ein Durmersheimer Arzt und sein Nachbar über einen Poller. Nun lenkt der Mediziner ein: Der Pfosten, der ihm die direkte Zufahrt von der Praxis auf die Hauptstraße versperrt, bleibt stehen. Der Zwist hatte in Durmersheim hohe Wellen geschlagen. Ein Schlichtungsgespräch war geplatzt.

Richard Pawlak und Assistentin Sabrina Mahler am Einsatzfahrzeug in der Durmersheimer Hauptsraße. Foto: Hans-Jürgen Collet

Versöhnliches Ende: Der Durmersheimer Pollerstreit ist beigelegt. Der Allgemeinmediziner Richard Pawlak will nun doch nicht gegen seinen Nachbarn vor Gericht ziehen. Der Anwohner hatte auf seinem Grundstück einen Pfosten installieren lassen, der die Zufahrt von Pawlaks Praxis auf die Hauptstraße versperrt. Im Notfall geht daher wichtige Zeit verloren. Der Fall hatte im vergangenen Jahr hohe Wellen geschlagen. Pawlak hatte sich damals rechtliche Schritte vorbehalten.

Der Poller in der Hirschgasse ist Pawlak noch immer ein Dorn im Auge. Er versperrt ihm bei Notfalleinsätzen mit dem Auto den direkten Weg vom Praxis-Hof auf die Hauptstraße. Stattdessen wich Pawlak zunächst über die Straße Am Stiegelberg und die Würmersheimer Straße aus.

Poller steht auf Privatgrundstück

Laut Pawlak hatte der Nachbar den Pfosten installieren lassen, da ihn der Praxisverkehr gestört hatte. Allerdings steht der Zankapfel auf dessen Privatgrunstück.

Der Mann selbst wollte sich gegenüber den BNN nicht näher zur Sache äußern. Auf Anfrage ließ er lediglich wissen, dass es sich bei Pawlaks Vorwürfen um „nichts als Lügen“ handele.

Der Mediziner hatte zunächst auf sein Gewohnheitsrecht gepocht. Seine Argumentation: Die Zufahrt, die hälftig seinem Nachbarn gehört, werde bereits seit 1970 von der Praxis genutzt. Ein klärendes Gespräch zwischen beiden Parteien war nicht zustande gekommen.

Das Privatrecht ist ein hohes Gut.
Andreas Augustin, Bürgermeister der Gemeinde Durmersheim

In der Arztpraxis, die Pawlak gemeinsam mit Barbara Schäfer-Wegert betreibt, hatte der Nachbarschaftsstreit für viel Diskussionsstoff gesorgt.

Einige Patienten wollten laut Pawlak eine Unterschriftenaktion gegen den Poller starten. Andere hätten ihm angeboten, den Metallpfosten mit ihrem Geländewagen niederzureißen.

Geplatzte Schlichtung

Die Gemeinde Durmersheim hatte zunächst auf einen Kompromiss gesetzt. „Das Privatrecht ist ein hohes Gut“, so Bürgermeister Andreas Augustin damals.

Nach dessen Auskunft hatte der Nachbar seine Bereitschaft zu einem Schlichtungsgespräch zurückgezogen, nachdem Pawlak ihm in den BNN Egoismus vorgeworfen hatte.



Nun lenkt der Mediziner ein. „Nach den ersten Emotionen verstehe ich auch meinen Nachbar“, sagt Pawlak. „Es ist nachvollziehbar, dass er vor seinem Fenster keinen Verkehr haben will.“ Laut Pawlak handelt es sich im Schnitt um fünf Fahrten am Tag.

Pawlak hat sich mit der Situation arrangiert: Er parkt sein Einsatzfahrzeug nunmehr in der Hauptstraße, um schnell in alle Richtungen zu gelangen. Seine Ausrüstung muss er jetzt bis zum Auto tragen.

Arzt lenkt ein

„Für mich ist das unbequem, aber ich kann seine Haltung auch verstehen.“ Pawlak hätte es sich allerdings „gewünscht, dass mein Nachbar mit mir spricht, bevor er den Poller installieren lässt.“ Das sei nicht geschehen.

Ich will keine weitere Eskalation.
Richard Pawlak, Hausarzt aus Durmersheim

Dennoch will der Arzt die Sache nun ruhen lassen. Dazu habe ihm auch sein Anwalt mit Blick auf ein ungünstiges Urteil in einem ähnlichen Fall in Nordrhein-Westfalen geraten.

„Ich will keine weitere Eskalation“, betont er. Vielmehr bemühe er sich um ein korrektes Verhältnis zu seinem Nachbarn. „Ich muss anerkennen, dass er im Recht ist“, sagt Pawlak.

Er wolle aber die Öffentlichkeit informieren, dass es sich bei seinem Kontrahenten nicht um den Besitzer des Gasthauses Hirsch handele. „Der hat nämlich schon böse Anfragen bekommen“, erzählt Pawlak.

Für ihn hat der Zwist, obschon er sich nicht durchsetzen konnte, auch etwas Gutes: Seine Praxis ist dadurch bekannter geworden. Bei Terminen werde er häufig angesprochen, berichtet Pawlak schmunzelnd. Oft heißt es dann: „Sind Sie nicht der mit dem Pfosten?“

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