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Skelette im Vorgarten

Halloween-Horror-Haus soll Durmersheimer trotz Corona zum Gruseln bringen

Marcel Lang ist ein riesiger Halloween-Fan. Jedes Jahr verwandelt er sein Eigenheim in Durmersheim in ein Horror-Haus und öffnet seine Türen. Das Spektakel ist familienfreundlich und kostenlos. Doch dieses Jahr steht der Grusel-Spaß auf der Kippe – wegen Corona.

Riesiger Halloween-Fan: Marcel Lang vor seiner selbst gebauten Geisterburg in Durmersheim. Foto: Gundi Woll/BNN

Sie stehen oder hängen hinter einer Zimmertür: der Sensenmann, ein Mensch ohne Gesicht, der langsam seinen Kopf hebt, eine leichenblasse Braut mit blutroten Lippen. Andere warten noch in Kisten verpackt auf ihren Einsatz: eine fette, schwarze Ratte und eine Voodoo-Puppe, Einzelteile eines menschlichen Skeletts, ein Totenkopf mit Vampirzähnen, gespaltener Zunge und Widderhörnern. Seit drei Jahren verwandelt Marcel Lang sein Eigenheim in Durmersheim in ein Horror-Haus. Halloween-Fans sind bei ihm willkommen.

Diese Schreckensgestalten hat ein Bekannter Marcel Lang exklusiv für die Horror Night ausgeliehen. Foto: Gundi Woll/BNN

Ein großes Kuscheltier bewacht den Eingang, denn Langs Töchter, drei und sechs Jahre alt, fürchten sich vor dem Gruselkabinett. Für Halloween schnitzen sie lieber freundlich dreinschauende Kürbisgesichter mit ihrer Mutter.

In diesem Jahr muss Lang zittern um seine „Halloween Horror Night“ – wegen der Corona-Pandemie. „Im August haben die Teenager, die mir immer helfen, geklingelt und gefragt, wann es los geht“, erzählt er. Bei der Erinnerung der Halloween-begeisterten Jungs bilden sich Lachfältchen um seine Augen oberhalb des schwarzen Mund-Nasenschutzes. „Ich habe ihnen dann gesagt, dass Halloween wahrscheinlich nicht stattfinden wird“, erzählt der 35-Jährige.

Bissel Freude für die Leute muss drin sein.
Marcel Lang / Halloween-Fan

Mitte September kribbelte es dann aber so stark, dass er doch loslegen musste. „Bissel Freude für die Leute muss drin sein“, findet Lang. Seit Anfang dieser Woche steht eine hölzerne Geisterburg neben dem Hauseingang – vier Tage sägen, bohren, hämmern. Am Montag kam dann der Rückschlag mit den verschärften Corona-Regeln. Zwei Wochen Urlaub nimmt sich Lang pro Jahr für die Horror-Show, einen mindestens vierstelligen Betrag kostet ihn sein Hobby jährlich. Sollte nun alles umsonst gewesen sein? Eine Absage wäre eine riesige Enttäuschung. Die Entscheidung über die Horror Night fällt im Ordnungsamt Durmersheim.

Am Mittwochvormittag kommt der mit (An-)Spannung erwartete Anruf: Es kann alles so laufen, wie geplant. The show must go on – nur eben vor dem Haus.

In der Nacht folgt die ernüchternde Nachricht: Die Gemeinde behält sich vor, die Veranstaltung auch kurzfristig noch abzusagen. Mit der vorläufigen Genehmigung kommen neue Vorgaben: Lang und seine Helfer müssen die Kontaktdaten der Zuschauer aufnehmen.

Lieblingstotenkopf: Dieses Stück hat Marcel Lang besonders gern. Foto: Gundi Woll/BNN

Hang zum Gruseligen entwickelte sich schon in der Kindheit

Selbst diesen großen Aufwand würde der riesige Halloween-Fan auf sich nehmen. Die ersten Skelettzeichnungen hat Lang in seinem Kinderzimmer aufgehängt, da war er sechs Jahre alt. Seitdem hat der 35-Jährige viele Horrorfilme gesehen und einiges ausprobiert: vom Grusel-Treppenhaus seiner ersten Wohnung, über die Garage des Grauens bis hin zum Horror-Haus. Erst kamen nur die Jugendlichen aus der Umgebung. Langs Horror-Night-Show aber sprach sich schnell rum. Ein Jahr später standen auch die Erwachsenen vor der Tür.

Wie die alle aufgehen in ihren Rollen. Der Knaller! Die haben sich alle von der Halloween-Begeisterung infizieren lassen.
Marcel Lang / Veranstalter der „Horror Night Durmersheim“

An die 40 Darsteller – Familienmitglieder, Freunde und Bekannte von Lang – erschreckten im vergangenen Jahr die neugierigen Halloween-Fans im Haus an der Ecke Römerstraße/Wilhelmstraße. Kleine Gruppen durchliefen fünf Räume, in denen sich ihnen Szenen des Schreckens darboten.

Das Drehbuch schreibt Lang selbst, Kostüme und Masken haben sich mit der Zeit angesammelt, auf dem Speicher und im Keller, einige kauft er dazu oder die Darsteller bringen welche mit. „Wie die alle aufgehen in ihren Rollen. Der Knaller! Die haben sich alle von der Halloween-Begeisterung infizieren lassen.“ Marcel Lang strahlt, seine Euphorie ist einfach ansteckend.

Noch sieht alles ganz normal aus: Das Haus an der Ecke Römerstraße/Wilhelmstraße in Durmersheim. Foto: Gundi Woll/BNN

Horror-Show unter freiem Himmel: Projektionen, Licht- und Soundeffekte

Doch diesmal ist die Zeit knapp. In der zum Kino umfunktionierten Garage will er die Geister tanzen lassen. Links der Leinwand ist jetzt noch ein von Steinen eingegrenztes Beet zu sehen. Hier entstehen Gräber, aus denen Skelette den Weg zurück ins Leben suchen. Hexen und schwebende Geister werden von Projektionen, Licht- und Soundeffekten in Szene gesetzt.

Das Erdmonster muss auch noch gebastelt werden, aus alten, erdigen Säcken und Wurzeln. Besonders stolz ist Marcel Lang auf seinen „Überraschungsgast“, ein Darsteller der Horror-Night im Europapark. Nicht umsonst trägt Lang seit seiner Schulzeit den Spitznamen „Crazy“. Denn verrückt ist es schon, was der vor Halloween-Vorfreude übersprudelnde junge Familienvater da auf die Beine stellt.

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