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Für bessere Arbeitsbedingungen

Streikaktion in Durmersheim: Personal protestiert lautstark gegen Pflegenotstand

Mit Trillerpfeifen, Transparenten und Ansprachen beteiligen sich seit Montag auch Mitarbeitende des Ambulanten Pflegedienstes Pinkinelli in Durmersheim an einer zehnminütigen symbolischen Streikaktion unter dem Motto „Montags 5 nach 12. Was ist uns die Pflege wert? – Das Maß ist voll!“

Mit Trillerpfeifen, Transparenten und Rätschen gegen den Pflegenotstand: 16 Mitarbeitende des Ambulanten Pflegedienstes Pinkinelli beteiligen sich am Montag in Durmersheim an einer zehnminütigen symbolischen Streikaktion unter dem Motto „Montags 5 nach 12. Was ist uns die Pflege wert? – Das Maß ist voll!“
Machen ihrem Unmut Luft: 16 Mitarbeitende des Ambulanten Pflegedienstes beteiligen sich am Montag an einer zehnminütigen symbolischen Streikaktion unter dem Motto „Montags 5 nach 12. Was ist uns die Pflege wert? – Das Maß ist voll!“ Foto: Ralf Joachim Kraft

Im Rahmen einer „gemeinsamen Kampagne“ kämpfen sie für mehr Personal, faire Löhne, eine Begrenzung der Eigenanteile und keine Rendite aus Pflege, kurzum – für bessere Arbeitsbedingungen des Personals und gegen das Ausbluten der Pflegebranche.

Dies auch zum Wohl all derer, die auf Pflege angewiesen sind, nämlich der alten, kranken und hilfebedürftigen Menschen.

Mit Trillerpfeifen, Ratschen, selbst gemalten Transparenten und einer kurzen Ansprache via Megafon haben sich an diesem Montag Mitarbeitende des Ambulanten Pflegedienstes Pinkinelli in Durmersheim an einer zehnminütigen symbolischen Streikaktion beteiligt. Das Motto lautet: „Montags 5 nach 12. Was ist uns die Pflege wert? – Das Maß ist voll!“.

Pflegedienst folgt Aufruf der Gaggenauer Altenhilfe

Der Pflegedienst folgt damit einem Aufruf der Gaggenauer Altenhilfe, die mit ihrer jüngst gestarteten Initiative möglichst viele Pflege-Einrichtungen zur Nachahmung animieren möchte. Die Streikaktion soll von jetzt an auf unbestimmte Zeit jeden Montag um diese Uhrzeit stattfinden.

„Wir möchten damit auf die aktuelle Situation in der Pflege und auf den schon seit Jahrzehnten andauernden Pflegenotstand hinweisen“, berichtet Ralf Pinkinelli im Vorfeld der Protestaktion auf dem privaten Hofgelände.

In erster Linie eigene Mitarbeiter nehmen daran teil. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich im weiteren Verlauf interessierte Bürger anschließen.

Denn wir hoffen auf Solidarität aus der Bevölkerung“, sagt der Geschäftsführer der Durmersheimer Sozialstation, der auch Mitglied im Vorstand des Pflegebündnis Mittelbaden ist.

Pflegenotstand ist schon seit Jahrzehnten ein Thema

„Nicht erst seit gestern, sondern seit Jahrzehnten schlagen wir uns mit diesem Thema herum. Jetzt ist das Maß endgültig voll. Langsam aber sicher wird man der Worte müde. Wir möchten Taten sehen – aber nicht irgendwann, sondern jetzt“, sagt der Pflegefachwirt, der 1988 Mitbegründer des nicht mehr existierenden Arbeitskreises Pflegenotstand war.

„Schon in den 80er Jahren hatten wir massive Probleme. Und was hat sich getan? Nichts. Jetzt ist es endgültig so gekommen, wie es kommen musste.. Nur bewegen wir uns inzwischen auf einen finalen Kollaps zu.“

Wir bewegen uns inzwischen auf einen finalen Kollaps zu.
Ralf Pinkinelli, Geschäftsführer des Ambulanten Pflegedienstes in Durmersheim

An der Auftakt-Veranstaltung, die gemäß den aktuellen Corona-Auflagen über die Bühne ging, beteiligen sich 16 Beschäftigte.

Auf ihren Transparenten prangten Schriftzüge wie „Die Pflegewaage ist gekippt“, „Ohne unsere Hand gibt es kein würdiges Alter“ oder „Wir pflegen und retten Leben. Wer rettet uns?“

Lautstark machten sie ihrem Unmut über die derzeitigen Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich Luft. Sie wiesen dabei auch darauf hin, dass immer mehr Beschäftigte ausgebrannt oder aus ihrem Beruf bereits ausgeschieden seien. Dadurch könne es zu gravierenden Notlagen für all jene kommen, die dringend auf Pflege angewiesen sind.

Personalproblematik wurde in Corona-Pandemie deutlich sichtbar

Pinkinelli verdeutlichte in seiner Ansprache die aktuelle Personalproblematik, die gerade in der Corona-Pandemie deutlich sichtbar geworden sei.

Gerade in dieser Krisensituation habe sich gezeigt, wie wichtig ein gutes und funktionierendes Gesundheitswesen sei. „Hier wurden die Fehlentwicklungen und Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte schmerzlich sichtbar.“

Sein eindringlicher Appell richtete sich an die Politiker aller Parteien, „von denen sich keine in den vergangenen 40 Jahren mit Ruhm bekleckert hat“, wie er sagt.

Von der neuen Ampelregierung sei er enttäuscht, „den Koalitionsvertrag habe ich daher abgelehnt“.

Pinkinelli zeigt sich enttäuscht von der neuen Ampelregierung

Die Lage sei dramatisch, bald gehe gar nichts mehr. Die Pflege sei längst selbst zu einem Pflegefall geworden. Nötig sei ein gesamtgesellschaftlicher Diskurs. „Wir übernehmen hier tagtäglich eine herausfordernde Aufgabe.

Aber uns fehlen die Fachkräfte hinten und vorne. Es geht nicht mehr, wir sind am Limit und müssen immer mehr Patienten ablehnen – vor allem die schwierigen Fälle“, sagt Pinkinelli.

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