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Stillstand durch Corona

Durmersheimer Messebauer rechnen mit einer langen Durststrecke

Durch den Wegfall zahlreicher Veranstaltungen in der Corona-Krise kämpfen viele Betriebe der Messebranche um ihre Existenz. Auch zwei Unternehmer aus Durmersheim sind betroffen. Sie sehen die von der Regierung geplanten Soforthilfen kritisch.

Einbruch: Die Durmersheimer Unternehmer Tino Bülow (hinten links) und Thorsten Albrecht (hinten rechts) sowie ihre Mitarbeiter erhalten immer mehr Absagen. Foto: pr

Wegen der Corona-Krise  kämpfen viele Betriebe der Messebranche um ihre Existenz. Zahlreiche Veranstaltungen entfallen aktuell. Auch zwei Unternehmer aus Durmersheim sind betroffen. Sie sehen die von der Regierung geplanten Soforthilfen kritisch.

Die Messebranche war eines der ersten „Wirtschaftsopfer“ der Coronawelle: „Anfang März wurde die erste große Messe in Hamburg abgesagt“, erinnern sich die beiden Geschäftsführer Thorsten Albrecht ( 3P-Productions.de ) und Tino Bülow ( Eventservice-Bülow.de ) in Durmersheim. „Dann kam Absage auf Absage“.

Corona betrifft alle Geschäftszweige

Aber nicht nur das Messegeschäft ist vollständig eingebrochen, mit dem Verbot von Veranstaltungen ging auch der zweite Geschäftsbereich, die Veranstaltungstechnik, die Organisation von Veranstaltungen und der Verleih von Bühnen, Licht- und Tontechnik, zurück auf null. „Für uns bedeutet das Stillstand bis Mitte Juni“, sagen die beiden Selbstständigen.

Eigentlich sind die 1996 und 2006 gegründeten Unternehmen breit aufgestellt: Neben dem bundesweiten Messebau und der Veranstaltungstechnik kommt noch das dritte wichtige Standbein die Werbetechnik dazu.

Wir hatten das Glück, dass wir durch Empfehlungen zufriedener Kunden wachsen konnten.
Thorsten Albrecht und Tino Bülow

Der Karlsruher Thorsten Albrecht begann wie viele in der Branche: Bei Schuldiscos legte er als DJ Musik auf. Mit der Zeit wurden die Boxen größer, im Jahr 1996 meldete er ein Nebengewerbe an, stieg ins Verleihgeschäft ein. 2001 wurde aus dem Nebenjob der Hauptbroterwerb.

Nach Anfragen von ihnen bekannten Autohäusern für einen Messestand auf der Offerta stiegen die gelernten Schreiner in den Messebau ein. „Wir hatten das Glück, dass wir durch Empfehlungen zufriedener Kunden wachsen konnten.“

Firmen haben zuletzt fünfstelligen Betrag investiert

Im Januar investierte man noch einen fünfstelligen Betrag in Boxensysteme und Bühnentechnik. Anstatt Geld einzubringen, sammelt sich der Staub auf den Anlagen: „Im Moment steht alles nur im Lager“.

Im Jahr 2016 bezogen die beiden Unternehmen eine Fabrikhalle in der Zeppelinstraße in Durmersheim. Offiziell sind hier zwei Firmen unter einem Dach angesiedelt, 3P-Productions.de und Eventsercive-Bülow.de von Tino Bülow, zusammen haben sie sechs Mitarbeiter. Auch ein Auszubildender zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik gehört dazu.

Das Stadtfest Rheinstetten steht ebenso auf der Referenzliste von Bülow, der mit dem Slogan „Alles aus einer Hand“ wirbt und Komplettpakete anbietet. Seit 1986 ist Bülow in der Branche unterwegs, eine Situation wie diese hat er noch nicht erlebt.

Corona-Sofortmaßnahmen bringen "nur wenig Luft zum Atmen"

„Eigentlich sind wir ein rundsolider Betrieb“, sagen die beiden Durmersheimer Unternehmer. Den März konnten sie noch mit dem Abbau von Überstunden und Urlaub überbrücken, kamen dadurch um Kurzarbeit herum. In dem Betrieb herrscht ein freundschaftlich-familiäres Arbeitsklima. Dennoch werden Thorsten Albrecht und Tino Bülow im April Kurzarbeit anmelden müssen, wie noch viele tausend andere Mittelständler im Land.

Die angekündigten unbürokratischen Soforthilfemaßnahmen sehen sie kritisch: Sie bringen einem Unternehmen nur „wenig Luft zum Atmen“, verweisen sie auf fixe Kosten wie Miete, Fahrzeuge und Löhne. Zumindest der Vermieter der Gewerbeimmobilie habe Gesprächsbereitschaft signalisiert.

So einen Einbruch steht niemand vier oder fünf Monate durch.
Tino Bülow, Geschäftsführer Eventservice-Bülow.de

Aufträge für das nächste Jahr liegen bereits vor. Dennoch rechnen die Durmersheimer mit einer langen Durststrecke: Firmen, die derzeit Kurzarbeit fahren, werden danach keine Mitarbeiterfeste feiern, sagt Bülow. Und selbst wenn der Betrieb wieder normal läuft: „Uns fehlen schon zehn Wochenenden im Frühjahr, die können wir nicht mehr aufholen“.

Die derzeitige Krise lässt sich nicht durch Rücklagen auffangen: „So einen Einbruch steht niemand vier oder fünf Monate durch.“ Selbst das kleinste Geschäftsfeld, die Werbetechnik, ist völlig eingebrochen. In der aktuellen Krise bucht kein Selbstständiger Fahrzeugbeschriftungen oder kein Gastronom Werbebanner für seinen Biergarten.

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Durmersheimer Firmen fürchten wegen Absagen um ihre Existenz

Auch während des Gesprächs geht eine weitere Absage ein: Ein französischer Konzern sagt den Termin für geplante Türbeklebungen ab. Fremdfirmen dürfen derzeit aus Sicherheitsgründen nicht auf das Betriebsgelände. Obwohl die Firma eigens einen Mitarbeiter zum Arzt geschickt hatte und eine eidesstattliche Versicherung vorlegte, dass dieser innerhalb der zurückliegenden Wochen nicht in einem Risikogebiet war.

Einen „Plan B“ sehen die beiden Unternehmer nicht: Zwar montieren derzeit einige Kollegen aus dem Messebau in Apotheken oder Supermärkten Schutzeinrichtungen. Dies sei jedoch kein dauerhaftes Geschäftsmodell. „Im Moment geht es für alle nur darum, mit welchen Lösungen kommen wir die nächsten acht, zehn, zwölf Wochen durch.“

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