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Tierhalter machen keinen Urlaub

Durmersheimer Tierpension kämpft mit ausbleibenden Gästen und fehlenden Corona-Hilfen

Melanie Schmidt betreibt in Durmersheim eine Tierpension. Durch Corona sind viele der vierbeinigen Stammgäste ausgeblieben, da die Besitzer von Hunden und Katzen meist ihren Urlaub zuhause verbringen.

Warten auf Pensionsgäste: Melanie Schmidt und ihre Katze Shila vermissen die Vierbeiner, die normalerweise zu Besuch kommen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Futternapf ist leer, die Kratzbäume sind verwaist, die diversen kleinen Spielzeuge bleiben unangetastet. Draußen vor der Tür steht Kassie, ein Collie mit großer Ähnlichkeit zu Fernsehhund Lassie, und dokumentiert seinen Spieltrieb eindringlich mit einem roten Ball.

Das für Katzen reservierte Zimmer ist derzeit unbewohnt. Corona hat dazu geführt, dass Melanie Schmidt in den vergangenen Monaten fast keine Gäste mehr in ihrer Tierpension namens „Tierglück“ betreuen konnte.

2017 erwarb sie in Durmersheim ein Haus mit einem Grundstück, das Platz bietet für fünf größere und zwei kleinere Zimmer, in denen die Vierbeiner untergebracht werden. Meist sind es Katzen, die zu Besuch kommen, aber auch Hasen, Meerschweinchen, Mäuse oder Ratten.

Schmidts Hunde und Katzen sind in Durmersheim aktuell unter sich

Derzeit aber bleiben Melanie Schmidt, die einst eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn absolvierte, und ihre Familie unter sich. Neben Ehemann und Tochter sind das Hund Kassie, Chihuahua Kimba sowie die beiden Katzen Shila und Sarah, die offenkundig in größter Eintracht miteinander leben. Ein großes Aquarium zählt ebenfalls zum Inventar.

Wenn die Leute in Urlaub fahren, ist bei uns am meisten los.
Melanie Schmidt, Inhaberin der Tierpension

Seit 2018 betreibt Schmidt die Tierpension. Meist herrscht im Frühjahr und Sommer, generell in der Ferienzeit, Hochsaison bei ihr. „Wenn die Leute in Urlaub fahren, ist bei uns am meisten los“, sagt Schmidt. Im Laufe der Zeit hat sich sich eine große Zahl von Stammkunden entwickelt, die ihre tierischen Gefährten bei ihr vorbeibringen, wenn sie verreisen.

Der persönliche Kontakt ist Schmidt besonders wichtig. „Vor Weihnachten habe ich 90 selbst gestaltete Weihnachtskarten an meine Kunden verschickt“, sagt sie.

Und: „Ich besitze schon eine ganze Schlüsselsammlung“, erklärt Schmidt, denn sie nimmt die Tiere nicht nur bei sich auf, sondern versorgt sie obendrein in ihrem gewohnten Umfeld zu Hause, wenn Herrchen oder Frauchen länger unterwegs sind. Auch einen Gassi-Geh-Service für Hunde bietet sie in diesem Zusammenhang an.

Tierhalter schätzen Betreuung in der Pension „Tierglück“

Michael Bernhard aus Karlsruhe bringt seinen diabeteskranken Kater schon länger zur Pension „Tierglück“, wenn er verreist ist: „Er erhält dort auch seine Spritzen und wird total liebevoll behandelt. Ich hoffe, dass die Pension in der schwierigen Zeit genügend Unterstützung findet“, sagt Bernhard.

Dagmar Groß aus Durmersheim hat zwei Aufenthalte in diesem Jahr schon gebucht. Was ihr besonders imponiert: „Wenn ich unterwegs bin, erhalte ich Fotos aus der Pension und ein kleines Statement, wie es meiner Katze gerade geht.“

Katzen lieben leise Musik.
Melanie Schmidt, Inhaberin der Tierpension

Im eigenen Garten baut Schmidt vieles an, was als Tierfutter Verwendung findet. Auch Katzengras gibt es. Kleine Leckerlis backt sie mit ihrer Tochter schon mal selbst. Die Inhaberin der Pension spricht von einer „Wohlfühloase“, zu der auch Radiogeräte in jedem Zimmer gehören: „Katzen lieben leise Musik“, weiß Schmidt, die höchsten Wert auf die Sauberkeit der Räumlichkeiten legt, die allesamt regelmäßig desinfiziert werden.

Keine staatlichen Hilfen für Tierpension in Durmersheim

Meist liege die Aufenthaltsdauer der Tiere, für die gegebenenfalls ein Hol- und Bringservice eingerichtet wird, zwischen zehn und 20 Tagen. „Manche Katzen wollen danach gar nicht mehr nach Hause“, sagt sie. Seit November nun ist das anders. Die Zahl der Pensionsgäste schwand rapide und „im Februar war noch überhaupt niemand da“.

Mithin seien Einnahmen weitgehend ausgeblieben: „Wir haben keine staatlichen Hilfen bekommen, weil wir die Pension ja nicht schließen mussten“, schildert Schmidt die Situation. Sie setzt noch auf die Neustarthilfe des Bundes, die aber erst im März beantragt werden könne. Dabei räumt sie ein, dass nicht allein Geld fehle, sondern auch die Psyche belastet werde: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und deshalb vermisse ich die Beschäftigung mit den Tieren sehr.“

Studium der Hunde- und Katzenpsychologie abgeschlossen

Als weiteres Standbein hat Schmidt sich inzwischen per Fernstudium mit Katzen- und Hundepsychologie beschäftigt – und mit der Note eins abgeschlossen, wie sie verrät. Die Integration von Samtpfoten in eine bestehende Katzengruppe zählt sie unter anderem zu den Aufgaben in diesem Metier und betont etwa, dass „Reibereien zwischen Katzen durch meine Arbeit 90 Prozent weniger werden.“

Auch Erste Hilfe-Kurse für die Besitzer von Stubentigern bietet Melanie Schmidt an. Gleichwohl setzt sie ihre große Hoffnung aber vor allem darauf, dass möglichst bald wieder Urlaubsreisen erlaubt werden – dann darf sie zuhause bleiben und endlich wieder viele ihrer tierischen Stammgäste empfangen.

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