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Elektrofahrzeuge

Einige Autohäuser in Rastatt profitieren von E-Kaufprämien

Was auffällt: Kunden bevorzugen Plug-in-Hybridantriebe vor rein elektrischen Automodellen. Manche Interessenten haben allerdings auch Angst vor einer zu geringen Reichweite.

Plug-in-Hybride auf dem Vormarsch: Verkaufsleiter Matthias Deck vom Autohaus Hartmann in Rastatt mit seinem derzeitigen E-Mobil-Verkaufsschlager, dem Plug-in-Hybrid Ford Kuga. Foto: Chris Heinemann

Von unserem Mitarbeiter Chris Heinemann

Die staatliche Verkaufsförderung von Elektrofahrzeugen galt als ein Mittel, um der Autobranche über die Umsatzeinbußen infolge der Corona-Krise hinwegzuhelfen und zugleich den Klimaschutz bei der Mobilität voranzubringen. Zumindest die Nachfrage nach E-Mobilen scheint durch die Kaufprämien bei einigen, wenn auch nicht allen Autohäusern der Region angekurbelt worden zu sein — trotz nachträglicher Ausdünnung der ursprünglich üppigen, sich aus mehreren Programmen speisenden Förderung und zuletzt aufgekommenen Zweifeln am Nutzen für den Klimaschutz.

„Ganz klar“ habe sich das Nachfrageverhalten der Kunden verändert, heißt es vom Nagolder Mercedes-Händler Wackenhut, der in Rastatt eine Filiale betreibt. Etwas vorsichtiger ist man mit der Bewertung der Ursachen: Das staatliche Konjunkturprogramm spiele bei der insgesamt sehr positiven und deutlich über Vorjahresniveau liegenden Nachfrage sicher „eine wichtige Rolle“, heißt es. Bei Mercedes-Modellen verzeichnet Wackenhut einen Auftragseingang von 60 Prozent E-Fahrzeugen zu jeweils 20 Prozent Benziner- und Dieselmodellen.

Dabei profitiert das Autohaus anscheinend auch von der im Vergleich zu anderen Herstellern breiten Palette an E-Mobilen, die Mercedes zur Verfügung stellt: immerhin 27 Plug-in-Hybride, „verteilt über alle Baureihen“, wie Pkw-Verkaufsleiter Helmut Oberbörsch erläutert, dazu einen vollelektrischen Pkw und drei elektrische Smart-Varianten.

Gestiegene Nachfrage

Auch beim Autohaus Hartmann in Rastatt und beim Autohaus Völlinger in Durmersheim macht sich die staatliche Förderung in gestiegener Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bemerkbar. Nach Auskunft von Verkaufsleiter Matthias Deck geht beim Autohaus Hartmann vor allem die Plug-in-Hybrid-Variante des Crossover-SUV Ford Kuga „sehr gut“.

Daneben sind derzeit der Van Tourneo Courier und der SUV Explorer als Plug-in-Hybridversionen, der Mondeo als Vollhybrid und drei weitere Modelle als sogenannte Mild-Hybride, die nicht staatlich gefördert werden, erhältlich. Weitere E-Modelle sollen folgen.

Ähnlich wie bei Wackenhut haben beim Hyundai-Händler Völlinger in Durmersheim Modelle mit alternativen Antrieben inzwischen laut Geschäftsführer Florian Bertsch die Nachfrage insgesamt derart beflügelt, dass das Vor-Corona-Niveau überschritten wurde. Mit den Hyundai-Modellen Ioniq, dem Kona und dem Nexo hat das Autohaus Völlinger zwei reine Elektro-Fahrzeuge, einen Hybrid und einen SUV mit Wasserstoffantrieb im Programm.

Von solchen Höhenflügen kann Hermann Brenk momentan nur träumen. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Rastatter Autohauses mit Hauptsitz in Karlsruhe erlebt die Nachfrage insgesamt als „nach wie vor verhalten“. 80 Prozent des Geschäfts macht seine Firma mit reimportierten EU-Fahrzeugen. Zwar hat Brenk mit dem Mitsubishi Outlander auch einen Plug-in-Hybrid-SUV im Verkauf. Aber die Elektroprämie wirke nur „ein wenig“, sagt er und fügt hinzu: „Nicht so, wie ich mir das gewünscht hätte.“

Bei Autohaus Brenk bleiben Höhenflüge aus

Die Gründe für die Kaufzurückhaltung sieht Brenk in der noch immer verbreiteten Kurzarbeit, die viele Bürger veranlasse, private Investitionen aufzuschieben. Gewünscht hätte er sich deshalb, dass auch Autos mit schadstoffarmen Verbrennungsmotoren gefördert werden. Ein Wunsch, der von seinen Kollegen geteilt wird. Wackenhut-Verkaufsleiter Helmut Oberbörsch ergänzt die Wunschliste um eine Förderung für gebrauchte E-Fahrzeuge — im Bewusstsein, dass die heute verkauften und geleasten Autos in ein paar Jahren zurückgegeben werden.

Warnungen vor einer „Überförderung“ der Elektrofahrzeuge, wie sie Regierungsvertreter jüngst geäußert hatten, sind nach Ansicht von Völlinger-Geschäftsführer Florian Bertsch nicht der Rede wert: Wer eine neue Technik an den Mann bringen wolle, müsse Anreize schaffen. In einem stimmen alle vier Befragten überein: Die befristete Mehrwertsteuersenkung wird voll an die Kunden weitergegeben, als Kaufanreiz spiele sie jedoch eine untergeordnete Rolle. Den einen oder anderen habe sie wohl veranlasst, seinen geplanten Kauf vorzuziehen, räumt Ford-Verkaufsleiter Deck ein. „Aber den großen Boom bewirkt sie nicht.“

Dass sich langfristig dennoch die Plug-in-Hybride mit ihrer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor wegen der je nach Einsatz auf Langstrecken oder in Innerstadtbereichen möglichen Flexibilität durchsetzen werden, gilt für Helmut Oberbörsch als ausgemacht. Schon jetzt übersteige beim Autohaus Wackenhut die Nachfrage nach Hybriden die nach rein elektrischen Antrieben deutlich. Allerdings müsse die Ladeinfrastruktur „weiter nachhaltig gefördert und ausgebaut werden“.

Nach Beobachtung von Hermann Brenk treibt die Kunden noch „die Angst vor zu geringer Reichweite“ der E-Mobile um. Beim Outlander reicht der Akku nach Angaben Brenks für 60 Kilometer, danach muss er an die Ladesäule oder den Verbrennermotor einschalten.

Einer von mehreren Gründen, weshalb Umweltverbände Plug-in-Hybride als „grüne Mogelpackung“ bezeichnen. Vor allem als Dienstwagen würden Plug-in-Hybride meist doch im Verbrennermodus gefahren, was wegen des größeren Fahrzeuggewichts zu deutlich höherem CO²-Ausstoß führe als beim gleichen Modell ohne zusätzlichen Elektromotor.

Eine Kritik, die Geschäftsführer Florian Bertsch als „einseitig“ zurückweist. Bei den gegenwärtigen Elektromotoren handle es sich um eine „Brückentechnologie“. Er ist überzeugt: „In drei, vier Jahren werden wir viel effizientere Akkus und Elektroaggregate haben.“

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