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Rastatter Vogelauffangstation

Fingermanns Enkel setzt Erbe seines Großvaters vorerst nicht fort

Erst vor drei Wochen hat der Vogelretter Pierre Fingermann aus Ärger über behördliche Auflagen die Arbeit eingestellt und die Vogelauffangstation im Rastatter Münchfeld an seinen Enkel Kevin übergeben. Doch der 29-Jährige hat jetzt ebenfalls den Bettel hingeschmissen. Er wird die Auffangstation vorerst nicht weiter betreiben, bleibt aber offen für das Gespräch mit dem Landkreis und der Stadt Rastatt.

Großes Herz für Tiere: Vogelschützer Kevin Fingermann würde die Station gerne weiterbetreiben. Doch ohne festes Einkommen ist das nicht zu stemmen. Foto: Holbein

Erst vor drei Wochen hat der Vogelretter Pierre Fingermann aus Ärger über behördliche Auflagen die Arbeit eingestellt und die Vogelauffangstation im Rastatter Münchfeld an seinen Enkel Kevin übergeben. Doch der 29-Jährige hat jetzt ebenfalls hingeschmissen.

Er wird die Auffangstation vorerst nicht weiter betreiben, bleibt aber offen für das Gespräch mit dem Landkreis und der Stadt Rastatt, so Fingermann. Erst vor drei Wochen hatte sein Großvater, der bekannte Rastatter Vogelschützer Pierre Fingermann, nach 27 Jahren als ehrenamtlicher Vogelschutzbeauftragter des Landkreises Rastatt aus Ärger über behördliche Auflagen das Handtuch geworfen und die Vogelschutzstation seinem 29-jährigen Enkel übergeben.

Dieser erklärte jetzt, dass er die Auffangstation im Rastatter Münchfeld vorerst nicht weiter betreiben wolle. Als Grund führt er an, dass die von ihm gewünschte Festanstellung weder beim Landratsamt Rastatt noch bei der Stadt Rastatt möglich sei.

Inzwischen wurde eine Petition für die Vogelschutzstation gestartet, an der sich seit der Nacht von Samstag zu Sonntag bereits 1.700 Menschen mit ihrer Unterschrift beteiligt haben, wie Kevin Fingermann im BNN-Gespräch berichtet. „Es freut mich natürlich, dass so viele Menschen hinter mir stehen und dass auch Stadträte mich jetzt unterstützen wollen. Auf der anderen Seite bin ich sehr traurig, weil ich die Station gerne weiterbetreiben würde. Diese Situation belastet mich schon sehr“, erzählt der Einzelhandelskaufmann und Naturschutzwart, der zu Anfang des Jahres seinen Job aufgegeben hat, um das Lebenswerk seines Opas fortzusetzen.

Unterstützer sammeln schon 1.700 Unterschriften für Erhalt der Anlage

„Das ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Ich muss irgendwo eingestellt werden. Denn ohne festes Einkommen kann ich diese Arbeit, die mir von Kindesbeinen an vertraut und eine Herzensangelegenheit ist, nicht fortsetzen. Ich muss auch an mich und meine Zukunft denken“, sagt Fingermann, der des ganzen Stresses wegen schon 15 Kilogramm abgenommen hat, wie er sagt.

„Mir geht es nur darum, den Tieren zu helfen. Ich möchte nicht reich werden, 1.400 Euro würden mir schon genügen. Aber bevor ich mich kaputtmache, höre ich lieber auf.“ Zu Beginn habe Bürgermeister Raphael Knoth noch gesagt, die Stadt Rastatt würde die Hälfte von dem bezahlen, was der Landkreis bezahlt. Später sei ihm dann mitgeteilt worden, dass die Stadt abgesprungen sei.

Mir geht es nur darum, den Tieren zu helfen. Ich möchte nicht reich werden.
Kevin Fingermann

Die städtische Sprecherin Heike Dießelberg berichtet derweil auf BNN-Anfrage: „Der Stadt liegt keine offizielle Bewerbung von Herrn Fingermann vor.“ Landkreissprecherin Gisela Merklinger bestätigt, dass Fingermann ein Vertrag auf 450 Euro-Basis und zusätzliche Futterkostenzuschüsse angeboten wurden. „Aber er sagte, er wolle lieber eine Festanstellung – und eine solche können wir ihm eben nicht bieten.“

Laut Fingermann wurde der Vertrag Ende Mai zurückgezogen. Stattdessen sei ihm besagter Futterkostenzuschuss in Höhe von zusätzlich 3.000 Euro in Aussicht gestellt worden. Trotz der bisherigen Absagen wolle er aber weiterhin für Gespräche offen bleiben. Sowohl die Stadt als auch das Landratsamt betonen unterdessen, wie sehr die Arbeit und das jahrzehntelange Engagement der Familie Fingermann geschätzt werde.

Stadt und Kreis schätzen die Arbeit der Vogelretter

„Wir bedauern, dass Kevin Fingermann aufgeben möchte. Wir werden ihm helfen, die Vögel ordentlich unterzubringen. Außerdem werden wir ihn dabei unterstützen, sich entweder fest oder in Teilzeit in die geplante Wildtierstation Mittelbaden einzubringen und entsprechend zu qualifizieren“, berichtet Gisela Merklinger.

Bis diese Station, für die sich der Nabu-Naturexperte Wolfgang Huber einsetzt, in trockenen Tüchern sei und die „große Lösung“ umgesetzt werden könne, soll der hauptberufliche Wildtierbeauftragte Martin Hauser Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Wildvögel sein und dabei helfen, sie an Orte zu bringen, „an denen sie ordentlich versorgt werden“, so Merklinger.

Geplante Wildtierstation ist für Fingermann nur bedingt eine Option

Für Kevin Fingermann ist die besagte Wildtierstation nur dann eine Option, wenn er fest angestellt wird. „Dann können wir darüber reden. Aber ich habe von Herrn Huber gehört, dass nur Fachleute eingestellt werden sollen. Außerdem hat er gemeint, ich solle mir erst mal einen Job suchen und könne die Arbeit dann nebenher machen“, berichtet der 29-Jährige, dem nicht nur diese Aussage bitter aufgestoßen ist.

„Ich habe auch gehört, dass nur besonderer Tiere aufgenommen werden sollen. Ich aber möchte jedem Tier beistehen, das meine Hilfe benötigt.“

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