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Regeln für Hallenbäder noch unklar

Freibäder im Raum Rastatt verzeichnen deutlich weniger Besucher als in vergangenen Jahren

Die wahrscheinlich ungewöhnlichste Freibadsaison aller Zeiten neigt sich dem Ende entgegen. Die Besucherzahlen lagen deutlich hinter denen der Vorjahren. Viele Schwimmer freuten sich, dass die Kommunen trotz aller Hürden die Becken öffneten. Mancher Stammgast blieb aber komplett zuhause - nicht nur wegen Corona.

Regeln wie im Straßenverkehr: Schilder weisen im Cuppamare auf Engstellen hin. Foto: Hans-Jürgen Collet

Einmal das riesige Wellenbad des Cuppamare ganz für sich allein haben: Dieser Traum geht für eine Schwimmerin an diesem Nachmittag in Erfüllung. Unter der spätsommerlichen Sonne zieht sie einsam ihre Bahnen im Becken.

„Das ist herrlich”, sagt sie. Aufkleber mahnen die Besucher: „Bitte Abstand halten.” Heute ist das kein Thema. Aber es gab in dieser Corona-Saison, die sich langsam dem Ende neigt, auch andere Tage.

1.000 Besucher lässt die Stadt Kuppenheim in diesem Sommer ins Freibad. An den meisten Tagen reichte dieses Kontingent aus. Als die Temperaturen im August so richtig aufdrehten, wurde das Maximum allerdings auch ein paarmal erreicht. Teilweise bildeten sich Schlangen am Eingang.

Eine Besucherin, die an einem dieser Tage im Bad war, berichtet trotzdem von relativ entspannten Verhältnissen: „Man stand auch in der Schlange auf Abstand.” Drinnen hätten sich die Besucher auf der riesigen Liegewiese gut verteilt. Nur im Wellenbad sei es nicht zu vermeiden gewesen, dass die Schwimmer auch mal enger aneinander vorbeiziehen.

Wir sind gut durch den Sommer gekommen.
Anette Putschler, Stadtverwaltung Kuppenheim

Ausgelegt ist das Cuppamare für deutlich größere Menschenmassen. Zu normalen Zeiten kommen an Spitzentagen bis zu 3.000 Gäste. In dieser Saison waren es gerade einmal rund 21.000 Besucher insgesamt seit dem verspäteten Saisonstart am 25. Juni.

Die Stadt hat sich zwar entschieden, die Saison bis zum 28. September zu verlängern, im Vergleich zu den vergangenen Sommern wird aber trotzdem kaum mehr als ein Drittel der Besucher zusammenkommen.

Anette Putschler, die zuständige Sachbearbeiterin im Rathaus, ist angesichts der Umstände trotzdem zufrieden: „Wir sind gut durch den Sommer gekommen.” Froh ist sie vor allem, dass es keinen Corona-Alarm gab, weil ein Besucher nachweislich mit dem Virus infiziert war.

Aber es gab auch Schwimmer, die in diesem Jahr gar keine Lust auf Freibad hatten. Beispiel Rastatt: Klaus Lützenkirchen krault nach eigenen Angaben 423 Kilometer pro Jahr, einen guten Teil davon im Sommer im Natura. Diesmal waren es null Kilometer. Grund fürs Bahnen-Fasten waren aber nicht die Corona-Spielregeln, sondern das liebe Geld.

Im Gegensatz zum Cuppamare, wo die Gäste Tickets normal an der Tageskasse kaufen können, gibt es im Natura nur Online-Eintrittskarten. Damit stellen die Stadtwerke als Betreiber sicher, dass nicht mehr als die zulässigen 1.300 Besucher täglich kommen.

Dauerkarten in Rastatt in dieser Saison nicht gültig

Als Folge des Systems sind Dauerkarten in dieser Sommersaison allerdings nicht gültig. Lützenkirchen hätte sich also für jeden seiner vielen Besuche ein Einzelticket für 3,50 Euro buchen müssen. „Das wären in meinem Fall mehr als 100 Euro pro Monat gewesen”, sagt der Vielschwimmer. Da er als Kleinunternehmer selbst hart von Corona getroffen ist, war ihm das schlicht zu teuer.

Andere Schwimmer aus seinem Bekanntenkreis seien aber regelmäßig vor Ort gewesen. Und die zeigten sich ziemlich zufrieden mit den Verhältnissen. Es habe beinahe keine Nachteile für sie gegeben. Im Gegenteil: Durch die Beschränkungen hätten die Bahnenzieher mehr Platz für sich im 50-Meter-Becken gehabt.

Die Menschen waren zurückhaltender, gerade zu Beginn.
Ute Brendelberger, Personalleiterin Stadtwerke Rastatt

1.300 Besucher lassen die Stadtwerke seit dem 13. August ins Bad, davor waren es seit der Eröffnung Mitte Juni zunächst je 600, verteilt auf zwei Schichten am Vor- und Nachmittag, später 1.000 am kompletten Tag. Geöffnet ist noch bis zum 13. September. Bislang kamen rund 30.000 Gäste - und damit etwa halb so viele wie in normalen Zeiten.

Vor allem der Auftakt fiel verhalten aus. Stadtwerke-Personalleiterin Ute Brendelberger sagt: „Die Menschen waren zurückhaltender, gerade zu Beginn.”

Für die Kommunen schlägt sich das im Geldbeutel nieder. Schwimmbäder schreiben ohnehin immer Miese. Wegen Corona fallen die Zahlen aber besonders dunkelrot aus. In Durmersheim kalkulierte die Gemeinde zu Beginn des Jahres fürs Freibad mit einem Minus von 295.000 Euro.

Dabei ging Kämmerin Cosima Dettling-Schenkel von Einnahmen durch Eintritte in Höhe von 90.000 Euro aus. Doch statt 80.000 Besuchern wie in guten Jahren, werden es diesmal bis zum Saisonende am 13. September nur rund 12.500 sein - und genauso wenig Euro an Eintrittsgeldern.

Kassenpersonal muss sich als „Dreckspack“ beschimpfen lassen

Dettling-Schenkel sieht aber die positiven Aspekte: „Für die Bürger war es sicher schön, dass wir aufgemacht haben.” Die Besucher hätten es damit gedankt, dass sie sich fast alle an die Regeln gehalten hätten. Nur einmal habe sich das Personal an der Kasse als „Dreckspack” beschimpfen lassen müssen, weil sich ein Besucher nicht registrieren lassen wollte.

Andere Gäste arrangierten sich mit der Situation. Ulrike Forster aus Durmersheim sagt: „Die Absperrmaßnahmen waren sinnvoll. Die Wartezeiten am Eingang hielten sich in Grenzen.“

Das System mit verschiedenen Zeit-Abschnitten für unterschiedliche Zielgruppen habe sogar Vorteile gehabt, vor allem für Berufstätige. Für sie gab es ab 18 Uhr gesonderte Öffnungszeiten. „Vor Corona konnte man abends bei sommerlicher Hitze kaum noch schwimmen, weil das Bad oft überfüllt war“, sagt Forster.

Auch ihr Sohn Oliver Forster ist Stammgast. Er radelt mehrmals die Woche nach der Arbeit in Karlsruhe zum Durmersheimer Bad und lobt ebenfalls die Corona-Abläufe: „Für die Feierabendschwimmer gab es fast keine Einschränkungen.“

Die Einteilung der Badezeit in verschiedene Abschnitte sei kein Problem gewesen. Er sagt: „Ich halte so ein Konzept für sehr sinnvoll und bin froh, dass es so umgesetzt wurde.“

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