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Klare Meinung zur Schwarzarbeit

Friseure aus Mittelbaden fühlen sich von Politik hängen gelassen: „Es ist eine Katastrophe“

Viele Friseure und Kosmetiker haben akute Existenzangst. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es Salonbesitzer oder Angestellte sind. Sie fühlen sich von der Politik nicht ernst genommen. Mitarbeitern in Salons drohen Kündigungen, wenn der Lockdown weiter geht.

Es gibt Kollegen, die aus Verzweiflung ihre Rentenversicherung auflösen. Foto: Jens Büttner picture alliance/dpa

„Das ist für uns eine Riesenkatastrophe“, sagt Petra Albrecht, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetikinnung Mittelbaden. Der Branche gehe es mies. Dass die Situation von der Politik schlecht gesteuert wird, kommt laut Albrecht noch erschwerend hinzu.

Ein Beispiel sei, dass die Soforthilfen aus dem vergangenen Jahr von der Landesbank mittlerweile zurückgefordert würden. „Die Kollegen regen sich zurecht auf, wovon sollen sie das denn bezahlen?“, fragt die Innungsmeisterin. Albrecht sagt, dass die Hilferufe der Branche von der Politik nicht ernst genommen werden.

Die Friseure und Kosmetiker könnten sich nichts davon kaufen, wenn die Politiker behaupten, die „Überbrückungshilfe drei“ wird auf sie zugeschnitten. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, meint sie.

Wenn Lockdown weiter geht, drohen Kündigungen

Friseurmeister Marius Müller setzt auf Social Media. Er versucht sich mit Produkten und Gutscheinen über Wasser zu halten. „Wenn wir ehrlich sind, ist das aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Müller, der seinen Salon Marius Paloma in Rastatt betreibt. Er versucht trotz allem positiv zu denken. Aber es sei schon eine Berg- und Talfahrt.

Wenn sich die Schließung bis über den 15. Februar in den März zieht, muss er Mitarbeitern kündigen. „Dann ist es soweit, dass ich andere Existenzen zerstören muss, um zu überleben“, erzählt der Friseurmeister. Müller hat davor „richtig Angst“.

Es arbeiten sehr viele Kollegen schwarz, weil sie anders nicht überleben können.
Petra Albrecht, Obermeisterin der Friseur- und Kosmetikinnung Mittelbaden

Innungsobermeisterin Albrecht befürchtet auch, dass es auf die Friseursalons keinen Run geben wird wie im Mai nach dem ersten Lockdown. „Es arbeiten sehr viele Kollegen schwarz, weil sie anders nicht überleben können.“

Der Anteil der Teilzeitkräfte sei vor allem in der Friseurbranche enorm. Sie kennt eine Kollegin, die ihre Rentenversicherung auflösen musste, um sich über Wasser zu halten. Das seien auch lebenslange Folgen der Corona-Pandemie.

Zu den schwarzarbeitenden Friseuren und Kosmetikern hat die Obermeisterin eine klare Meinung: „Ich bin empört und verurteile das.“ Sie appelliert an die Kollegen, es sein zu lassen. „Damit macht ihr euch eure Arbeitsplätze selbst kaputt.“ Denn: Die Kunden wollen auch nach einer Öffnung weiter unter der Hand bedient werden, befürchtet Albrecht.

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