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Noch kein Entscheidungsdruck

Gaggenauer Fastnachtsvereine haken die nächste Kampagne noch nicht ab

In Rastatt haben mit der GroKaGe und der RaKaGe zwei Größen der Fastnacht wegen der Corona-Pandemie ihre Fastnachtskampagne 2020/21 bereits abgesagt. In Gaggenau ticken in dieser Hinsicht die Uhren anders. Hier sähe man eine Entscheidung verfrüht.

So schnell nicht mehr denkbar: Besuchermassen zur Fastnacht wie hier in der Flößerhalle in Gaggenau-Hörden in der vergangenen Kampagnen. Foto: Kraft

In Rastatt haben mit der GroKaGe und der RaKaGe zwei Größen der Fastnacht wegen der Corona-Pandemie ihre Fastnachtskampagne 2020/21 bereits abgesagt. In Gaggenau ticken in dieser Hinsicht die Uhren anders.

Die „Großen Vier“ unter den närrischen Vereinen sagen unisono auf BNN-Nachfrage, dass es derzeit zu früh für eine so weit reichende Entscheidung wie eine generelle Absage sei.

Vielmehr würden die Planungen für die nächste Kampagne jetzt wie gewohnt anlaufen, man bleibe aber flexibel, so der Tenor.

Die finalen Entscheidungen für die närrische Session, vor allem für die Großveranstaltungen wie die närrischen Sitzungen oder Umzüge, sollen im September, spätestens Anfang Oktober fallen, heißt es übereinstimmend bei der Narrenzunft Hörden, der GroKaGe Gaggenau, dem Ottenauer Carneval Club (OCC) und bei den Michelbacher Schägern.

Alternativen im Hinterkopf

Sollten gravierende Einschränkungen unvermeidlich sein, wird zumindest bei einigen Vereinen im Hintergrund an Alternativen gebastelt. Manche Verantwortliche können sich Hallenveranstaltungen mit deutlich reduzierter Bestuhlung vorstellen, andere denken über elektronische Botschaften nach.

Die Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine empfiehlt ihren Mitgliedsvereinen die Absage ihrer für die Kampagne 2020/21 geplanten Veranstaltungen. Abstandsgebote vertragen sich nun einmal nicht mit närrischem Treiben auf engem Raum.

Allerdings: Es ist eine Empfehlung – entscheiden müssen oder besser dürfen die Vereine vor Ort, die Vereinigung selbst hat wegen Corona die Mehrzahl ihrer eigenen Termine gestrichen.

Kaum Risiken aus Verträgen

Letzteres wohl nicht zuletzt aus finanziellen Gründen, wie unter der Hand zu hören ist: Müsste man bereits unterzeichnete Verträge mit Dritten später kurzfristig kündigen, würde dies nicht nur Ärger, sondern auch Schadenersatz bedeuten.

Anders sieht es in Gaggenau aus: Hier setzen die Traditionsvereine fast ausschließlich auf Kräfte in den eigenen Reihen und haben somit nur geringe finanzielle Risiken mit Verträgen. Diese Konstellation erlaubt es, kurzfristiger planen zu können.

Narrenzunft bereitet sich so wie immer vor

„Wir sagen noch nicht ab“, hält Zunftmeister Ruben Schnepf von der Narrenzunft Hörden fest. Es sei noch zu früh, um so eine wichtige Entscheidung wie eine Absage großer Veranstaltungen zu treffen. Das Training der einzelnen Gruppen habe begonnen und erfolge in der jeweils möglichen Form.

Generell bereite man sich derzeit so wie immer zu dieser Jahreszeit auf die kommende Kampagne vor. „Bis Ende September, spätestens Anfang Oktober fällt die finale Entscheidung“, so Schnepf. Einen Komplettausfall werde es nicht geben, auch dann nicht, wenn bestimmte Veranstaltungen nicht möglich sein sollten.

„Wir denken über Alternativen nach“, die Fastnacht werde auf keinen Fall ganz gestrichen. Es sei aber noch zu früh, jetzt über alternative Formen zu sprechen. Man verfolge auch, was im Raum Köln passiert. Der Zunftmeister: „Keiner kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, was im Januar unter welchen Bedingungen möglich ist.“

GroKaGe: Motto kann weitergetragen werden

Hans-Wolfgang Paulusch, Erster Vorsitzender der GroKaGe Gaggenau, betont, dass die Entscheidung spätestens in der Jahreshauptversammlung im September fallen soll. Bis dahin seien noch einige Gespräche zu führen, vor allem mit den einzelnen Gruppen.

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Jetzt schon abzusagen, wo es nicht zwingend notwendig sei, mache wenig Sinn. „Schließlich hängt sehr viel Herzblut dran“, verweist Paulusch auf den großen Eifer der Gruppen und Akteure. Die Planungen würden weiterlaufen, und das nächste Motto stehe auch schon fest: „Rund um den Marktplatz“.

Der große Vorteil: Das Motto ist nicht an die nächste Kampagne gebunden und könnte somit, sofern Absagen unumgänglich seien, auch noch ins Folgejahr übertragen werden. Was grundsätzlich auch für den jährlichen Orden gilt, wenn man bei dessen Gestaltung einfach die Jahreszahl weglässt …

OCC zeigt sich über Verband erstaunt

OCC-Präsident Jens Siebert zeigt sich „erstaunt, dass der Verband schon im Mai mit der Empfehlung zur Absage vorgeprescht ist“, mithin zu einem sehr frühen Zeitpunkt. Beim OCC beginne man jetzt ganz normal mit den Proben, auch wenn allen bewusst sei, dass Veranstaltungen eventuell nicht stattfinden könnten.

Aber das Motto wie auch die Tänze seien nicht an die nächste Kampagne gebunden. Und die Büttenredner würden ohnehin erst recht kurzfristig ihre Gedanken niederschreiben. Grundsätzlich setzt man auch beim OCC überwiegend auf die eigenen Kräfte. Heißt unter dem Strich: Im September zu entscheiden, reicht vollkommen aus, weil Teilaspekte wie Catering oder Kartenvorverkauf für die Sitzungen ohnehin nicht früher vorbereitet werden müssten.

Ein „Corona-Opfer“ gibt es allerdings schon: Die Beach-Party im August findet nicht statt, sagt Sitzungspräsident Helmut Willmann, der für den traditionellen Ordensempfang am 11.11. aber nur wenig Probleme sieht: „Diese Veranstaltung findet bei uns ohnehin im kleinen Rahmen statt.“

Die "Großen Vier" treffen sich

Auch die Michelbacher Schäger warten noch mit ihrer Entscheidung. „Die Gespräche des Vorstands folgen erst noch“, sagt die erste Schriftführerin Sandra Lucchese. Das Amt des ersten Vorsitzenden ist bei den Schägern derzeit nicht besetzt.

Die „Großen Vier“ in Gaggenau treffen sich jedes Jahr rechtzeitig vor Beginn der Kampagne, um wichtige Dinge abzusprechen. Das Treffen findet im September statt; bis dahin, so die Hoffnung, sieht man schon klarer.

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