Skip to main content

Rekordzahl an Anrufen

Geburtshaus in Rastatt ist derzeit gefragt wie nie

Seit 25 Jahren gibt es das Geburtshaus in Rastatt, doch so viele Anrufe wie in diesem Jahr sind noch nie eingegangen. Das liegt an Corona und damit einhergehend, dass die Geburtshilfestation der Klinik bereits seit März geschlossen ist.

So viel los wie noch nie: Die Nachfrage im Geburtenhaus in Rastatt ist nach der Schließung des Kreißssaals hoch. Foto: Hans-Jürgen Collett

Möchte eine werdende Mütter in Rastatt entbinden, bleibt also nur das Geburtshaus von Sabine Klarck und ihren Kolleginnen. Ansonsten müssen die Frauen nach Baden-Baden ausweichen. Besonders zu Beginn der Corona-Pandemie, als der Kreißsaal des Klinikums erst kurz geschlossen war, riefen viele besorgte Frauen an. „Die Entrüstung war groß“, erzählt Hebamme Klarck. Viele wollten in Rastatt gebären und suchten eine Alternative. Doch im Geburtshaus wird eine ganzheitliche Betreuung angestrebt: Geburtsvorbereitung, Geburtsbegleitung und Nachbetreuung aus einer Hand. Deswegen wurden viele Anruferinnen abgewiesen, die bereits eine Hebamme für die Nachsorge hatten.

Denn Klarck verdient nicht an der Geburtsbegleitung. „Die Betreuung danach finanziert mich und das Geburtshaus“, sagt die Hebamme. Und die laufenden Kosten sind hoch – vor allem, seit die Haftpflichtprämien gestiegen sind. Deswegen muss Klarck zwischen den Kosten und dem Nutzen abwägen. Das bedeutet, dass sie Frauen aus Karlsruhe, die von ihr betreut werden möchten, meistens nicht nimmt. „Der Weg ist einfach zu weit.“

Viele Fragen treiben Eltern um

Doch nicht nur wegen des geschlossenen Kreißsaals erhält Klarck viele Anrufe. Auch die Frage: Darf der Mann mit zur Geburt?, treibt viele werdende Mütter derzeit um. „An dieser Panikschürerei sind auch die Medien schuld“, sagt Klarck und bestätigt: „Ja, Väter dürfen bei der Geburt dabei sein.“ Sie müssen sich aber an die geltenden Hygienevorschriften halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Die Gebärende darf unter der Geburt ihre Maske absetzen. „Bis Juni hatten wir solche Panikanrufe, danach ist es etwas abgeflacht“, schildert sie die Situation.

Generell gelten im Geburtshaus die gleichen Corona-Vorschriften wie auch in den Kliniken. „Es geht ja auch um meinen Schutz“, sagt Klarck, die wegen ihres Alters zur Risikogruppe gehört. Trotzdem hat sie schon einige Frauen betreut, die Corona positiv waren. Vor- und Nachsorge fanden zu Hause statt und Klarck hat „unter absoluten Schutzmaßnahmen“ gearbeitet. Dazu gehören neben einer FFP2-Maske ein Visier und natürlich Handschuhe. Gründliches Lüften und ausreichend Abstand sind zudem enorm wichtig. Trotzdem ist es nicht immer einfach. Denn die Familienhebamme betreut auch viele Asylbewerberinnen und die seien teilweise zu sechst in einem Zimmer in ihrer Unterkunft und müssten dann in eine andere Ecke ausweichen.

Geburtsvorbereitung online - ein No-go?

Vor allem während des ersten Lockdowns haben einige andere Hebammen vermehrt auf Online-Angebote zur Geburtsvorbereitung gesetzt. Diese sind für Klarck ein „No-go“. Die werdenden Mütter seien aus ihrer Sicht schlechter auf die Geburt vorbereitet. Deshalb bieten sie und ihre Kolleginnen weiterhin Präsenzkurse in ihren Räumlichkeiten an – allerdings ohne den Partner. Und auf die Gymnastik muss verzichtet werden.

Um die Angebote ihn ihrer Praxis weiter auszubauen, sucht Klarck derzeit Verstärkung. Doch wegen des hohen Verwaltungsaufwands heutzutage bevorzugen viele Hebammen die Arbeit in Kliniken. „Vor 30 Jahren war es leichter“, bestätigt die versierte Geburtshelferin und gesteht: „Ich stehe auch kurz davor zuzumachen.“ So enorm ist der Verwaltungsakt. Eigentlich bräuchten sie und ihre Kolleginnen eine Sekretärin. „Aber das kann sich ein so kleines Geburtshaus gar nicht leisten.“ Vor allem jetzt in der Pandemie, da für weniger Frauen mehr Sprechstundenzeit veranschlagt werden muss und die Ausgaben für die Schutzausrüstung gestiegen sind.

Die Hebammenpraxis von Sabine Klarck wurde 1986 in Rastatt eröffnet. Die Idee zum Geburtshaus stammte von Müttern, Klarck hat sie 1995 schließlich umgesetzt. Seit 2018 ist das Geburtshaus in seinen jetzigen Räumen in der Herrenstraße 4 in Rastatt.

nach oben Zurück zum Seitenanfang