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Hallenbad wird nicht saniert

Rastatter Gemeinderat versetzt Alohra den Todesstoß

Das Hallenbad in Rastatt ist seit Monaten geschlossen. Jetzt steht fest: Es wird nie wieder aufmachen. Das hat der Gemeinderat am Donnerstag entschieden. Die Zukunft der Bäderlandschaft bleibt allerdings umstritten.

Schon jetzt wuchert das Unkraut: Das Hallenbad Alohra ist seit Monaten geschlossen. Jetzt steht fest, dass es nie wieder öffnen wird. Foto: Hans Jürgen Collet

Das Aus für das Hallenbad ist besiegelt: Der Gemeinderat Rastatt hat am Donnerstagabend beschlossen, kein Geld mehr ins Alohra zu stecken. Eine Wiedereröffnung des sanierungsbedürftigen Bads ist damit ausgeschlossen.

Im Anschluss rammten die Stadträte einen weiteren Pfeiler für den Bau des Kombibads im Schwalbenrain ein. Die Zustimmung zum Großprojekt bröckelt allerdings.

Es wäre eigentlich ein Grund zum Feiern: Das Alohra ist in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden. Die Stadt hatte das Hallenbad 1969 planen lassen. Die Eröffnung fand 1971 statt. Doch von dem runden Geburtstag nimmt niemand Notiz. Das Bad ist seit dem Corona-Lockdown im Herbst 2020 geschlossen.

Wir haben jetzt den Supergau.
Mathias Köppel, CDU-Fraktion

Eine Wiederöffnung nach Rückgang der Infektionszahlen scheiterte am Fund massiver Schäden an der tragenden Konstruktion der Halle. Ein Gutachter entschied im April dieses Jahres: Die Nutzung des Gebäudes ist nicht mehr erlaubt.

Jetzt hat der Gemeinderat dem Bad nach knapp fünf Jahrzehnten den endgültigen Todesstoß versetzt. Das Gremium stimmte dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig zu, auf die geschätzt 2,5 Millionen Euro teure Sanierung zu verzichten.

Freibadbetrieb im Natura endet am 1. Oktober

Mathias Köppel (CDU) sagte: „Wir haben jetzt den Supergau.“ Der Gemeinderat trage Schuld, dass Rastatt vorerst ohne Bad dastehe.

Das Alohra sei mausetot. Eine Sanierung mache keinen Sinn. Joachim Fischer (SPD) sagte: „Die SPD-Fraktion gibt sich geschlagen.“ Das Hallenbad sei nicht mehr zu retten. Simone Walker (FuR) ergänzte, dass dieser Umstand „seit Jahren bekannt“ sei.

Die Rastatter sitzen damit auf dem Trockenen. Die Freibadsaison im Natura endet an diesem Freitag. Die Stadtwerke hatten gehofft, die Außenbecken noch bis Mitte Oktober in Betrieb zu halten, doch eine defekte Umwälzpumpe machte die Hoffnung zunichte. Eine Schwimmmöglichkeit wird es erst wieder im Sommer 2022 geben.

Mehrheit stimmt für Traglufthalle im Freibad

Zum Herbst kommenden Jahres soll eine Alternative zum Alohra bereitstehen. Auch dafür machte der Gemeinderat am Donnerstag den Weg frei.

Über dem 50-Meter-Becken im Freibad wird eine Traglufthalle installiert, die mindestens drei Jahre lang in Betrieb sein soll. Die Verwaltung rechnet mit Gesamtkosten in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro. Einzig die CDU sprach sich gegen diesen Vorschlag aus.

Parallel dazu will die Stadtverwaltung die Planung für das Kombibad am Natura-Standort im Schwalbenrain vorantreiben.

Auch dahinter steht nach wie vor eine Mehrheit des Gemeinderats aus CDU, Grüne, FuR und AfD. Nach der SPD haben sich von den großen Fraktionen nun aber auch die Freien Wähler gegen das Vorhaben positioniert.

Wir werden keine Zeit sparen.
Hans Jürgen Pütsch, Oberbürgermeister

Ihr Sprecher Herbert Köllner wiederholte einen Antrag, den er bereits Mitte September im Technischen Ausschuss gestellt hatte. Die Verwaltung solle für einen zeitnahen Abbruch des Alohra sorgen und an dessen Stelle am Leopoldring ein neues Hallenbad bauen lassen.

Köllner begründete den Antrag damit, dass für die Freien Wähler immer gesetzt gewesen sei, dass das Alohra bis zur Fertigstellung des Kombibads in Betrieb bleibe: „Damit hätte es für Badegäste zumindest bis zur Eröffnung ein reduziertes Angebot gegeben.“

Der vorzeitige Abriss des Hallenbads, den die Stadtverwaltung mit Blick auf einen möglichen Verkauf des Geländes zur Wohnbebauung ins Spiel gebracht hatte, sei „etwas entscheidend Neues“. Damit stünde der bewährte und beliebte Standort auch zeitnah für ein neues Hallenbad zur Verfügung.

Bürgerinitiative unterstützt Antrag der Freien Wähler

Das Natura könne sukzessive auf Vordermann gebracht werden. Der Vorschlag spare Zeit und Geld. Er fürchte, der „Kraftakt einer soliden Finanzierung“ des Kombibads werde dazu führen, dass Pflichtaufgaben wie Neubauten für die Feuerwehr oder die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Kindergarten-Plätze geschoben werden müssten.

Unterstützung hatten die Freien Wähler im Vorfeld von der Bürgerinitiative „Pro Natura Rastatt“ erhalten. Ihr Sprecher Klaus Lützenkirchen forderte in einer Mitteilung die Mitglieder des Gemeinderats auf, dem Antrag zu folgen.

Doch dazu kam es nicht. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (CDU) widersprach den Thesen Köllners: „Wir werden keine Zeit sparen.“ Einen Standort zu betreiben, sei stets günstiger als zwei.

Barbara Dürr (Grüne) sah im FW-Antrag einen „Kurs des Bremsens“. Ihre Fraktion wolle keine Zeit mehr auf dem Weg zum Kombibad verlieren. Das sah die Mehrheit des Gemeinderats mit 23 zu 15 Stimmen ebenso.

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