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Historische Anlagen nicht geeignet

Gibt es auch in Rastatt bald öffentliche Trinkbrunnen? Eine schwierige Frage

Öffentlich zugängliches Trinkwasser soll die Menschen vor den Folgen der Hitze schützen. In Rastatt kann man dabei nicht auf die historischen Brunnen zurückgreifen. Was stattdessen geplant ist.

Der Rastatter Alexiusbrunnen: Theoretisch fließt hier Trinkwasser. Von einer solchen Nutzung wird aber wegen möglicher Verunreinigungen abgeraten.
Der Rastatter Alexiusbrunnen: Theoretisch fließt hier Trinkwasser. Von einer solchen Nutzung wird aber wegen möglicher Verunreinigungen abgeraten. Foto: Frank Vetter

Es ist heiß, die Kehle trocken, aus den Brunnen auf dem Rastatter Marktplatz plätschert Erfrischung verheißendes Nass. Aber daraus trinken? Die Idee ist mindestens mit Vorsicht zu genießen. Unter den Brunnenmonumenten in der Barockstadt gibt es keinen, der als Trinkbrunnen ausgewiesen ist. Die Stadt hat andere Pläne.

Angesichts der steigenden Zahl an Sommer-Hitzetagen wird das Thema neu diskutiert: Warum soll in Rastatt nicht funktionieren, was andernorts gang und gäbe ist? In Paris, so wird berichtet, gibt es mittlerweile mehr als 100 Trinkwasserbrunnen, in Freiburg betreibt die Badenova-Tochter „bn Netze“ in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt fünf öffentliche Brunnen als Trinkbrunnen.

Gernsbach hat zwei sogenannte Kaffeewasserbrunnen, aus dem sich Menschen aus der ganzen Region Wasser abzapfen. Und in Baden-Baden, wo sich zuletzt auch der Gemeinderat mit der Frage beschäftigt hat, soll das Lebensmittel Nummer eins künftig an sechs Stellen für Passanten nutzbar gemacht werden.

Aus Haftungsgründen müssen Proben genommen werden

Ohne Weiteres geht das nicht: Da müssen Leitlinien befolgt und aus Haftungsgründen regelmäßig Proben genommen und analysiert werden. Tatsächlich gibt es in Rastatt laut einer städtischen Auflistung unter den knapp 20 öffentlichen Brunnen in der Stadt vier, an deren Zapfstelle im Prinzip Trinkwasser tröpfelt. Allerdings, so betont die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg auf Nachfrage unserer Redaktion, seien diese „nicht aufbereitet als Trinkbrunnen und sollten auch nicht als solche genutzt werden“.

In Rastatt gilt: Gesicht benetzen ja, trinken nein

Die Monumente, die zum Teil eine stattliche Anzahl an Jahren auf dem Buckel haben, sehe man als nicht geeignet an. So stammen beispielsweise der Alexis-, der Nepomuk- und der Bernhardusbrunnen auf der Innenstadtachse allesamt aus dem 18. Jahrhundert. Das Gesicht benetzen ja, aber nicht daraus trinken, heißt die Devise. Denn: Es könnten Verunreinigungen ins Wasser gelangen. Einen ausdrücklichen Hinweis zum Thema Trink- oder kein Trinkwasser findet sich auf diesen drei Brunnen indes nicht.

Unterdessen habe OB Hans Jürgen Pütsch (CDU) aber mit Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk besprochen, dass in Rastatt neue Trinkbrunnen errichtet werden sollen, „die dann auch den entsprechenden hygienischen Standard aufweisen“, so Dießelberg. Die ähneln dann eher Zapfhähnen als Monumenten. Die Stadtwerke sollen nun eruieren, was möglich ist. Wie viele wann und wo errichtet werden, stehe folglich noch nicht fest. Dieses Jahr werde das daher nichts mehr.

Kommunen sollen Trinkwasserbrunnen aufstellen

Die Stadt folgt damit im Übrigen einem neuen Gesetzesentwurf der Bundesregierung, der vorsieht, dass Trinkwasser aus dem Leitungsnetz bald an möglichst vielen öffentlichen Orten frei verfügbar sein soll. „Kommunen sollen künftig Trinkwasserbrunnen beispielsweise in Parks, Fußgängerzonen und in Einkaufspassagen aufstellen, sofern dies technisch machbar ist und dem lokalen Bedarf entspricht“, heißt es.

Nicht nur, um einen öffentlichen Zugang zum qualitativ hochwertigen Trinkwasser zu gewähren. Leicht verfügbares Trinkwasser sei auch ein wichtiger Baustein kommunaler Hitzeaktionspläne, betont das Umweltministerium: „So können sich die Menschen besser vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze schützen.“

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