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Urnengang wohl unter scharfen Pandemie-Regeln

Bislang kein Bewerber für Bürgermeisteramt in Hügelsheim

Bischweier und Steinmauern haben es vorgemacht: Eine Bürgermeisterwahl unter Pandemiebedingungen ist möglich. Doch gelten mittlerweile strengere Regeln als noch im Herbst. In Hügelsheim geht man davon aus, dass das auch am Wahltag am 14. März noch so ist – und plant alles mit besonders strengen Corona-Regeln.

Neues Wahllokal: Der Sitzungsraum in der Albertastraße, den die Gemeinde bereits als Ausweichquartier für Ratssitzungen genutzt hat, soll im März erstmals auch zum Wahllokal werden. Foto: Hans-Jürgen Collet

In etwas weniger als zwei Monaten beginnt der Anfang vom Ende eine Ära: Nach drei Amtszeiten stellt sich Bürgermeister Reiner Dehmelt nicht mehr zur Wahl. Am 14. März können die Hügelsheimer einen Nachfolger wählen – Bewerbungen sind bisher allerdings noch keine eingegangen.

„Es gab bereits mehrere unverbindliche Anfragen“, erklärt Hügelsheims Hauptamtsleiterin Nicole Walter im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten. Darunter seien auch Frauen gewesen. Bei den jüngsten Wahlen in Steinmauern und Bischweier im Herbst standen lediglich Männer auf den Wahlzetteln.

Während die Hauptämter nach und nach von immer mehr Frauen erobert werden, sind die Chefsessel in den Rathäusern der ländlichen Kommunen nach wie vor männlich dominiert. Lediglich in Au am Rhein und in Forbach gibt es Bürgermeisterinnen – wenn man von Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen einmal absieht. „Ich fänd’s toll, wenn sich eine Frau zur Wahl aufstellen ließe“, sagt auch Nicole Walter.

Noch ist völlig offen, wie viele Kandidaten sich zur Wahl stellen

In der Vergangenheit seien es meist zwei Kandidaten gewesen, die die Verantwortung für das Spargeldorf übernehmen wollten. Und 1997 stand tatsächlich außer Dehmelt auch eine Frau auf dem Wahlzettel: Cornelia Petzold-Schick unterlag damals nur knapp dem derzeitigen Amtsinhaber.

Nach acht Jahren als Bürgermeisterin von Ettlingen ist sie inzwischen Oberbürgermeisterin von Bruchsal. 2005 fand sich dann der damalige Dauerkandidat Werner Tereba auf dem Stimmzettel, 2013 war es der erst kürzlich aus dem Amt geschiedene Gemeinderat Hans Kiefer. „Wir gehen für die Planung auch jetzt von zwei Kandidaten aus“, sagt Hauptamtsleiterin Walter.

Ich fänd’s toll, wenn sich eine Frau zur Wahl aufstellen ließe.
Nicole Walter, Hauptamtsleiterin in Hügelsheim

Doch egal wie viele Kandidaten es werden – klar ist für Walter, dass sie bei der gesamten Wahlorganisation so plant, als wäre es „eine ganz schlimme Infektionslage“. Das hat etwa zur Folge, dass zwei der drei Wahllokale nicht an ihren angestammten Orten eingerichtet werden können: Statt in der Schule und im Kindergarten werden die Hügelsheimer dieses Mal im Vorraum der Schwarzwaldhalle und im Sitzungsraum in der Albertastraße wählen gehen.

Einerseits geht es dabei um die notwendigen Abstände, die sonst nicht überall eingehalten werden könnten. Andererseits sollten „in Schulen und Kindergärten ja so wenige fremde Menschen wie möglich unterwegs sein“, so Walter. Das dritte Wahllokal in der Neuen Straße neben der VR-Bank soll wie gewohnt genutzt werden.

Für die Briefwahlauszählung stehen doppelt so viele Helfer in den Startlöchern wie sonst

„Wir hoffen natürlich auf eine erhöhte Briefwahlbeteiligung“, sagt die Hauptamtsleiterin. Deshalb hat sie bereits zwei Wahlhelferteams zum Auszählen der Briefwahlstimmen zusammengestellt – normalerweise erledigt ein Team das.

Aber auch in den Wahllokalen werden mehr Helfer benötigt als sonst. Und das hat nichts mit der parallel verlaufenden Landtagswahl zu tun. „Damit haben wir nur einmal den Organisationsaufwand statt gleich zwei Mal innerhalb kurzer Zeit“, freut sich die Hauptamtsleiterin darüber, dass es geklappt hat, beide Wahltermine auf denselben Tag zu legen.

Mehr Helfer werden vor allem deshalb benötigt, weil es an den drei Wahllokalen Einlasskontrollen geben wird: „Wenn jemand mit einem schlimmen Husten kommt, werden wir ihm vor Ort noch die Briefwahlunterlagen in die Hand drücken“, so Walter. Maskenpflicht und Desinfektionsmittel sind sowieso obligatorisch.

Für eine Online-Kandidatenvorstellung fehlt noch ein Internetanschluss

Besonderes Kopfzerbrechen bereitet der Hauptamtsleiterin derzeit aber die Kandidatenvorstellung: Wird sie stattfinden? Und wenn ja, in welcher Form? Das sind nur zwei Fragen, die noch geklärt werden müssen.

Denn: „Eine Kandidatenvorstellung ist sinnvoll – außerhalb der Pandemie. Aber es ist auch eine freiwillige Leistung der Gemeinde.“ Bei der Vorbereitung besteht auch Kontakt nach Bischweier, wo im Herbst gewählt wurde. „Allerdings gab es da noch keinen scharfen Lockdown so wie jetzt bei uns.“ Dennoch habe es ein paar „hilfreiche Tipps“ gegeben: „Wir haben uns einiges abgeguckt.“

Wenn jemand mit einem schlimmen Husten kommt, werden wir ihm vor Ort noch die Briefwahlunterlagen in die Hand drücken.
Nicole Walter über die Einlasskontrollen an den Wahllokalen

So manche Hürde muss bis zur einer Kandidatenvorstellung allerdings noch bewältigt werden. „Wir haben noch nie einen Livestream gemacht“, sagt Walter. Daher seien bereits professionelle Firmen angefragt worden, die die Übertragung übernehmen könnten.

Wäre da noch die Technik: Bisher verfügt die Schwarzwaldhalle, in der die Vorstellung geplant würde, über keinen Internetanschluss – schlichtweg, weil das bisher nicht nötig gewesen ist. Die Hauptamtsleiterin geht allerdings aus, dass eine Leitung noch rechtzeitig gelegt werden könnte. „Ich bin da guter Dinge.“

Ob das überhaupt nötig wird, liegt übrigens in den Händen des Gemeinderats. Der soll laut Walter in seiner nächsten Sitzung darüber entscheiden, ob die Gemeinde eine Kandidatenvorstellung unter Pandemiebedingungen und mit Livestream organisieren soll oder nicht.

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