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Ortsumfahrung fest im Blick

Verkehrsproblem in Hügelsheim: „Bürger Interessengemeinschaft“ fordert Land zum Handeln auf

Nach der Ostanbindung ist vor der Ostanbindung: Ehemalige Gemeinderäte, der frühere Hauptamtsleiter und seit Jahren im Thema aktive Bürger haben eine neue Interessengemeinschaft zur Entwicklung Hügelsheims gegründet. Sie wollen endlich Ruhe im Ort – langfristig. Dafür nehmen sie auch Zwischenlösungen in Kauf.

Grell und groß: Mit Transparenten machen die Hügelsheimer auf ihr Anliegen aufmerksam. Sie wollen, dass endlich weniger Verkehr durch den Ort fließt. Foto: Swantje Huse

Eigentlich wähnten sie sich auf der Zielgeraden – doch dann kam das Aus für die Ostanbindung des Baden-Airparks. Und für Volker Lorenz und Michael Weber, die sich über Jahre für diese Variante stark gemacht hatten, stand plötzlich die Frage im Raum: „Machen wir weiter oder nicht?“

Hügelsheimer fühlen sich von der Politik im Stich gelassen

Die Antwort sei klar gewesen, so Volker Lorenz: „Ja, aber wir müssen uns größer aufstellen.“ Inzwischen ist die Gruppe um ihn und Weber auf insgesamt sechs Personen angewachsen. Nach den ersten Wochen der Findung und Vorarbeit hat sich die neue „Bürger Interessengemeinschaft Entwicklung Hügelsheim“ (BIGH) coronakonform in einer Videokonferenz der Presse vorgestellt. Mit Gerold Klein, ehemaliger Hauptamtsleiter der Gemeinde und den ehemaligen Gemeinderäten Armin Diebold, Edmund Trapp und Roland Schell haben sie tatkräftige Unterstützung gefunden.

Die Politik hat ihr Versprechen nicht eingehalten.
Armin Diebold, BIGH-Mitglied

Doch was will die neue BIGH nun eigentlich erreichen? „Die Verkehrsentlastung ist ein wichtiger Punkt“, sagt Michael Weber. „Aber sie ist eben nicht der einzige Punkt, der wichtig ist.“ Es soll nicht nur darum gehen, den Verkehr von einem Teil Hügelsheims in einen anderen zu verlagern. Außerdem soll es weiter möglich bleiben, dass Hügelsheim zusammenwachsen kann. Als Grundlage für all ihre Überlegungen dient das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das gemeinsam mit den Einwohnern entwickelt worden ist. „Wir wollen keine Lagerbildung“, betont Edmund Trapp.

Eine zentrale Forderung bleibt aber, nun sämtliche Varianten – auch jene, die in der Vergangenheit sehr früh verworfen wurden, wie etwa die West-Umfahrung aus den späten 90er Jahren – auf den Tisch zu bringen. „Dann können die diskutiert werden und dann kann es ein neues Verkehrsgutachten geben“, so Armin Diebold. Dabei ist ihnen wichtig, keine eigene Veranstaltung aufzuziehen, sondern gemeinsam mit den Bürgern eine Unterstützung für die Gemeinde zu sein.

Wir haben das einfach so als gottgegeben hingenommen.
Edmund Trapp, ehemaliger Gemeinderat

Auch in ihrer Kritik sind die Männer glasklar. „Die Politik hat ihr Versprechen nicht eingehalten. Vor allem das Verkehrsministerium“, sagt Diebold und blickt dabei nicht nur auf die jüngere Vergangenheit zurück, sondern bis auf den Anfang der 90er Jahre. Und an die Adresse des derzeitigen Ministerialdirektors Uwe Lahl gerichtet: „Es geht nicht darum, guten Willen zu zeigen, sondern Dinge zu einem Ende zu bringen.“

Dabei spart die Gruppe auch nicht mit Selbstkritik – immerhin hatten viele von ihnen als Gemeinderat oder Verwaltungsmitglied mit dem Thema schon viel zu tun. „Uns wurde immer wieder gesagt, wie unproblematisch bestimmte Dinge sind, die sich im Nachhinein als totale Fehleinschätzung herausgestellt haben“, erinnert sich Trapp. „Wir haben das einfach so als gottgegeben hingenommen. Wir hätten nachfragen müssen.“

Fluglärm, Verkehrslärm, PFC – es kann doch nicht sein, dass Hügelsheim darin untergeht?
Edmund Trapp über das Lebensgefühl der Hügelsheimer

25 Jahre hat sich das Thema Airpark-Anbindung hingezogen, bevor es im Frühjahr vorerst ad acta gelegt worden ist. „Es ist zu lange verschleppt worden“, so Weber. Dadurch haben sich die Grundlagen der Planungen verändert. Auch jetzt ist klar: Ein neues Planfeststellungsverfahren wird sich über Jahre hinziehen, möglicherweise sogar über Jahrzehnte. Und nicht nur wegen der Frage, wer am Ende die Kosten für die Anbindung trägt, die aus Sicht der BIGH vor allem eine Ortsumfahrung sein sollte.

Ihre Sorge: Das Land sieht sich nur für jenen Teil der Verkehrs zuständig, der den Flughafen betrifft. Nicht aber für den Verkehr, der zum Gewerbepark will. Was also, wenn der Airport nicht überlebt und sich das Land völlig aus der Finanzierung herauszieht? „So einfach kann das nicht sein“, sagt Trapp. „Fluglärm, Verkehrslärm, PFC – es kann doch nicht sein, dass Hügelsheim darin untergeht?“

An Ideen mangelt es den Männern nicht

Um nicht die nächsten Jahre mit dem Lärm leben zu müssen, wollen die Männer nicht nur an den Varianten arbeiten, sondern auch Zwischenlösungen finden. „Es gibt schon Ideen“, sagen sie. Verraten wollen sie aber noch nichts: Es stehen noch Gespräche mit dem Gemeinderat an, der eine Zusammenarbeit „sehr wünsche“.

Auch mit Bürgermeister Reiner Dehmelt habe es schon Termine gegeben. Dem Wechsel an der Rathausspitze – Dehmelt stellt sich im März nicht mehr zur Wahl – sehen die sechs von der BIGH gelassen entgegen. Vielleicht gewinnen sie ja mit dem ehemaligen Rathauschef sogar ein neues Gruppenmitglied. Genug Erfahrung mit dem Thema hätte Dehmelt nach 24 Jahren als Bürgermeister jedenfalls.

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