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Pferderennen vor ungewisser Zukunft

Baden Racing kündigt Pachtvertrag für Galopprennbahn in Iffezheim

Die Pferderennen in Iffezheim stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Betreiber Baden Racing hat den Pachtvertrag mit der Gemeinde Iffezheim zum Jahresende gekündigt. Grund sind Verluste durch die Corona-Pandemie.

Ganz nah dran am Geschehen: Wo man sich sonst mit 15.000 Menschen den Platz teilen muss, waren bei der Großen Woche auf der Galopprennbahn in Iffezheim nur 500 Besucher zugelassen. Foto: Frank Löhnig

Baden Racing hat den Pachtvertrag mit der Gemeinde Iffezheim für die Galopprennbahn zum Jahresende gekündigt. Das hat der Veranstalter am Mittwoch mitgeteilt. Grund seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Baden-Racing-Präsident Andreas Jacobs wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Die Verluste durch die Corona-Krise sind dramatisch. Deshalb sehen wir uns nicht mehr in der Lage, die von der Gemeinde Iffezheim geforderte Pacht in Höhe von 200.000 Euro jährlich zu bezahlen.“

Das Frühjahrsmeeting und die Große Woche waren mit abgespecktem Programm und weitgehend ohne Zuschauer über die Bühne gegangen. „Uns geht es wie vielen Veranstaltern, Hotels und Gastronomen, die wegen der monatelangen und noch immer nicht absehbaren Einnahmeausfälle, nicht mehr in der Lage sind, die Pacht zu bezahlen“, sagt Jacobs. Und weiter: „Wir hoffen aber für den Galoppsport und die Region, dass wir gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung finden werden, um den Erhalt der mehr als 160 Jahre alten Galopprennbahn weiter zu sichern.“

Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid erklärte gegenüber unserer Redaktion, dass er zu dieser Angelegenheit im Grunde vorerst nichts sagen könne. Ihm liege offiziell noch gar kein Kündigungsschreiben vor. Corona sei bei Gesprächen zwischen Gemeinde und Baden Racing natürlich ein Thema gewesen: „Wir wollten uns zusammensetzen, um zu klären, wie es weitergehen soll.“ Lösungen gebe es immer.

Die strukturell zu hohen Fixkosten bereiten große Probleme.
Jutta Hofmeister, Baden-Racing-Geschäftsführerin

Sobald ihn das Kündigungsschreiben erreiche, müsse zunächst der Pachtvertrag juristisch begutachtet werden. Über die Möglichkeiten der Pachtstundung oder des Pachterlasses habe letztlich der Gemeinderat zu entscheiden. „Wenn im schlimmsten Fall keine Einigung zustande käme, stünden wir vor derselben Situation wie bei der Insolvenz vor zehn Jahren. Nur mit dem Unterschied, dass die Gemeinde jetzt Eigentümerin ist“, sagt Schmid, der freilich zugeben muss, dass das ohne Veranstalter auch nichts bringt.

Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister teilte auf Nachfrage mit, dass sie auf zusätzliche Informationen, die über die Pressemitteilung hinausgehen, vorerst verzichten wolle. Die Höhe der enormen Einnahmeverluste durch die Corona-Krise beziffert sie auf rund 1,5 Millionen Euro. Große Probleme bereiteten die „strukturell zu hohen Fixkosten aus Pacht und Instandhaltung“.

2009 Insolvenz angemeldet

Die Galopprennbahn Iffezheim wurde 1858 gegründet. 2009 meldete der seit 1872 verantwortliche Internationale Club Insolvenz an. 2010 übernahm Baden Racing mit den Hauptgesellschaftern Andreas Jacobs und Paul von Schubert die führende deutsche Galopprennbahn. Ihr persönliches Engagement in der Zeit beziffern sie auf mehr als fünf Millionen Euro. 2015 wurde ein auf 20 Jahre angelegter Pachtvertrag mit der Gemeinde unterzeichnet.

Baden-Baden gilt für den deutschen Galopprennsport als „systemrelevant“, generiert die Rennbahn doch mit Abstand den größten Wettumsatz in Deutschland und bietet das teuerste sportliche Angebot. Seit 2010 wurde bei 131 Renntagen ein Preisgeld von rund 24 Millionen Euro ausgeschüttet. Am Sonntag, 18. Oktober, ist im Rahmen des Sales & Racing Festivals der letzte Renntag des Jahres mit zwei hoch dotierten Zweijährigen-Rennen und einem Gesamtpreisgeld von rund 400.000 Euro geplant.

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