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Kaum Nachfrage in der Corona-Pandemie

In den Tierpensionen im Raum Rastatt herrscht gähnende Leere

Keine Hunde, keine Katzen: Wo sonst Vierbeiner toben, herrscht gähnende Leere. Wegen der Corona-Pandemie sind die Tierpensionen im Raum Rastatt verwaist. Eine Hundetrainerin aus Kuppenheim hat einen besonderen Tipp für Herrchen und Frauchen in Quarantäne.

Leere Hütte: Die Hundepension im Baden-Airpark verzeichnet einen starken Einbruch bei den tierischen Gästen. Foto: Gianna Ronge

Die Herbstferien in Baden-Württemberg sind gerade zu Ende. Eigentlich wären da wieder viele Menschen in den Urlaub gefahren. Eigentlich wären da die Tierpensionen im Landkreis wieder voll gewesen mit Übernachtungsgästen. Eigentlich. Da dieses Jahr wegen Coronoa alles anders ist, sind auch die Tierpensionen derzeit verwaist. Keine Hunde, keine Katzen, die betreut werden müssen.

Wir haben momentan leider kaum Nachfrage.
Melanie Schmidt, Tierglück Durmersheim

„Die Lage könnte besser sein“, sagt Melanie Schmidt von der Pension Tierglück in Durmersheim. „Wir haben momentan leider kaum Nachfrage. Durch die derzeitigen Reisebeschränkungen verzeichnen wir einen ziemlichen Rückgang der Buchungen.“ Und sie ist bei weitem nicht die Einzige. Ihre Kollegen berichten alle das gleiche. „Die Nachfrage liegt bei Null“, sagt auch Marina Müller aus Elchesheim-Illingen, die „Marinas 4-Pfotenpension“ führt. Alles sei innerhalb kürzester Zeit abgesagt und storniert worden, als bekannt wurde, dass es weitere Reisebeschränkungen geben werde. Piotr Kacprzak aus Rastatt, Betreiber der PTK Hundebetreuung, meldet ebenfalls „einen Mangel an Kunden“. In keiner der drei Einrichtungen gab es außerdem bislang den Fall, dass ein Halter, der in Quarantäne musste, sein Tier dort abgegeben hat.

Ein kleiner Lichtblick sind derzeit Tagesgäste – Hunde, die morgens gebracht werden und abends wieder abgeholt. „Es ist nicht das gleiche, aber besser als nichts“, findet Kacprzak. „Tiersitting bieten wir noch an“, bestätigt auch Schmidt. Sie hofft, dass noch jemand zur Kur fährt und währenddessen sein Tier bei ihr betreuen lässt. Im Normalfall sind die Tiere zehn bis 17 Tage bei ihr. Dafür hat sie sieben Katzenzimmer und fünf Käfige für Nagetiere. Hunde nimmt sie keine auf. Die letzten Gäste wurde vergangenen Dienstag abgeholt – früher, als eigentlich geplant.

Normalerweise wäre jetzt viel los: Kerngeschäft der Hundepension sind Übernachtungshunde. Foto: Gianna Ronge

Auch in der Hundepension am Baden-Airpark, einem Tierschutzverein, gibt es derzeit noch Tageskunden, berichtet Waltraud Siebeneicher. Aber auch sie hat einen „wahnsinnigen Einbruch“ zu verzeichnen, denn das Kerngeschäft sind die Übernachtungshunde. Die Tageshunde, die kommen, sind von Stammkunden, die ihr Tier betreuen lassen, während sie selber zur Arbeit gehen. Angegliedert ist zudem eine Auffangstation. Auch dort gibt es momentan noch Hunde.

Etwas anders ist die Situation des Hundezentrums Kuppenheim. Die Hundeschule bietet keine Pension. Dort steht die Erziehung des Tieres im Vordergrund. „Unser Schwerpunkt ist die Stärkung des Mensch-Hund-Teams“, heißt es auf der Webseite. Doch auch dort ändern sich die Bedürfnisse der Kunden wegen der Pandemie. „Wir haben derzeit häufig Anrufe von Hundehaltern, die sich informieren möchten, was sie mit ihrem Hund machen, falls sie selber in Quarantäne müssen“, erzählt Carmela Schiel.

Die Hundepsychologin leitet das Zentrum gemeinsam mit ihrem Mann Thomas. Konkret geht es dabei um die Frage, wie die Hunde lernen können, ihr Geschäft zum Beispiel in einem Katzenklo zu verrichten, wenn die Halter nicht mit den Tieren rausgehen können. „Wir empfehlen, jetzt schon mit dem Training zu beginnen“, sagt Schiel. „Dann hat man die Sicherheit, dass der Hund sich im Notfall auf diese Weise lösen kann.“ Schließlich gebe es Tiere, die nicht in den eigenen Garten machen würden, selbst wenn ihre Herrchen nicht mit ihnen spazieren gehen könnten.

Staatliche Hilfe, um den Ausfall abzufedern

Staatliche Hilfen gibt es begrenzt, um den finanziellen Ausfall in den Tierpensionen etwas abzufedern. „Für das Frühjahr haben wir etwas bekommen“, sagt Müller. Auch Siebeneicher hat im ersten Lockdown eine einmalige Hilfszahlung bekommen. „Ansonsten bekommen wir keine staatlichen Hilfen“, sagt sie. Die Unsicherheit, wie es weiter geht, ist bei allen groß. Weihnachten sind die Pensionen meistens lange im Voraus ausgebucht. Doch wie es dieses Jahr zu den Festtagen aussehen wird, „ist natürlich noch nicht sicher“, sagt Schmidt. Kacprzak versucht, es positiv zu sehen: „Ich werde wenig Kunden haben, aber Zeit für die Familie. Ich blicke mit Hoffnung in das neue Jahr.“

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