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Über 700 Infizierte

In der italienischen Partnerregion Pesaro-Urbino fehlen Beatmungsgeräte für Corona-Patienten

Dramatischer als im Landkreis Rastatt ist die Corona-Situation im italienischen Partnerlandkreis Pesaro-Urbino. Das Leben in Städten wie Fano und Pergola ist lahmgelegt. Die Einwohner verharren in häuslicher Quarantäne bis vorläufig Ende März - unter ihnen auch viele medizinische Fachkräfte, die auf der Intensivstation dringend benötigt werden.

Stand Montag befinden sich 708 Corona-Patienten in der Region Pesaro-Urbino im Krankenhaus. Foto: N/A

Wesentlich dramatischer als im Landkreis Rastatt ist die Corona-Situation im italienischen Partnerlandkreis Pesaro-Urbino: Das Leben in Städten wie Fano und Pergola ist lahmgelegt. Öffentliche Einrichtungen, Geschäfte und Gastronomiebetriebe sind geschlossen. Carabinieri und Polizei patrouillieren durch die Geisterstädte, die Einwohner verharren in häuslicher Quarantäne bis vorläufig Ende März.

Die Region Pesaro-Urbino gehört zu den am stärksten betroffenen Landkreisen in Italien. Stand Montag sind 69 Personen an dem Virus verstorben. 708 Personen befinden sich im Krankenhaus, davon 109 auf der Intensivstation. Weitere 3.862 Personen sind in Quarantäne - darunter 392 Menschen mit medizinischen Berufen, die derzeit dringend benötigt werden.

Mittlerweile weniger Neuerkrankungen

„ Die Situation in Italien, in den Marken und vor allem in unserer Provinz ist leider sehr kritisch “, schreibt Giuseppe Paolini, seit 2019 Präsident der Provinz Pesaro-Urbino, in einer WhatsApp-Gruppe. Die italienische Regierung musste drastische und harte Entscheidungen treffen. Mittlerweile werden die Neuerkrankungen weniger. „Wir sind den richtigen Weg gegangen“, sagt Paolini.

Europa muss zusammenhalten, um die Gesundheit und die Wirtschaft zu schützen
Giuseppe Paolini, Präsident der Provinz Pesaro-Urbino

Er blickt nach vorne: „Italien und andere betroffene Länder können jetzt nicht alleine gelassen werden. Wir müssen alle zusammenhalten. Europa muss zusammenhalten, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft zu schützen“, appelliert der Politiker an die Europäische Union.

„Diese Erfahrung wird uns helfen, das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen und auch Kleinigkeiten noch mehr zu schätzen.“ Er hoffe, dass Deutschland frühzeitig Maßnahmen gegen das Coronavirus einleite. „Unsere Freundschaft ist sehr wertvoll: Andrà tutto bene - Alles wird gut!“, sagt Paolini.

Dank sozialen Medien stets in Verbindung

Auch Filippo Sorcinelli, Bürgermeister der Weisenbacher Partnergemeinde San Costanzo, spricht von einem Ausnahmezustand: „Die Situation ist sehr heikel. Ich bin relativ jung, aber sowohl ich als auch unsere Eltern haben so etwas nie erlebt. Vielleicht könnten unsere Großeltern ein Vergleich mit der Kriegszeit ziehen.“

Einen Vorteil habe die jetzige Situation: „Uns stehen genügend Lebensmittel zur Verfügung. Wir können lesen, Musik hören und dank der Social Media stets in Verbindung bleiben.“

Bürger befolgen Regeln der Regierung

Die Bürger hätten den Ernst der Lage verstanden, sie halten sich an die Maßnahmen der Regierung und bleiben zu Hause. „Alle haben Angst.“, sagt Bürgermeister Sorcinelli.

„Die größte Sorge ist, dass die Wirtschaft zusammenbricht“, bestätigt Maria Di Umberto. Sie ist Partnerschaftsbeauftragte im Rastatter Landratsamt und hat für diesen Artikel die Übersetzungsarbeiten übernommen.

Die Region an der Ostküste Italiens ist stark touristisch geprägt, in der Nähe von Rimini gelegen. Wichtige Wirtschaftszweige sind auch die Möbel- und Textilindustrie. „Noch sind nicht alle Unternehmen geschlossen, aber die Maßnahmen verschärfen sich“, erklärt Di Umberto.

Beatmungsgeräte und Personal fehlt

Die Krankenhäuser in Pesaro, Fano und Senigallia in der Nachbarregion Ancona dienen aktuell nur der Versorgung von Coronapatienten. Es fehlen Beatmungsgeräte für die hohe Zahl von stationär zu betreuenden Patienten. Viele pensionierte Krankenschwestern und Ärzte sind wieder im Dienst, um in der Situation zu helfen.

Der Zusammenhalt ist sehr ausgeprägt: „Man hilft sich gegenseitig,“ betont Di Umberto. Ein Beispiel für italienisches Lebensgefühl in Zeiten der Corona-Krise geht derzeit viral. Ein Video zeigt, wie Nachbarn gemeinsam auf Balkonen gegen das Alleinsein singen.

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