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Fünf Jahre „Wir schaffen das“

Integrationskursleiterin aus dem Landkreis Rastatt: „In meinen Kursen wollen die Leute etwas lernen“

Seit 2015 sind Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Dadurch haben sich neue Aufgaben und Herausforderungen ergeben. Im Interview erzählt Susann Fründt von ihren Erfahrungen als Integrationskursleiterin an der Volkshochschule Landkreis Rastatt.

Deutsch pauken: Die Teilnehmer lernen in einem Alphabetisierungskurs die deutsche Sprache und Kultur. Foto: Susann Fründt

Die Integrationskurse in Deutschland gibt es seit 2005. Damals war die Situation eine völlig andere. Viele Türkinnen, die kein Deutsch gelernt haben, besuchten oft diese Kurse. Mit den Flüchtlingen, die 2015 nach Deutschland kamen, haben sich neue Aufgaben und Herausforderungen ergeben.

Susann Fründ Foto: Susann Fründ

Die klassischen Integrationskurse besuchen Zuwanderer aus der EU sowie Drittstaaten. Flüchtlinge wiederum nehmen häufig an Integrationskursen mit Alphabetisierung teil. Unser Redaktionsmitglied Dominik Schneider hat mit Susann Fründt, Integrationskursleiterin bei der Volkshochschule des Landkreis Rastatt, über ihre Erfahrungen gesprochen.

Seit 2015 gab es schrittweise immer mehr Menschen, die einen Integrationskurs benötigten. Hat die Qualität der Kurse mit der größeren Quantität Schritt halten können?
Fründt

Es wurde die Teilnehmerzahl der Kurse heraufgesetzt. Die maximale Teilnehmerzahl in Integrationskursen liegt jetzt bei 25, früher waren es 20. In Integrationskursen mit Alphabetisierung waren es früher maximal acht Teilnehmer, jetzt sind es 16. Da ist klar, dass man nicht mehr auf jeden Einzelnen so intensiv eingehen kann. Auch der individuelle Sprechanteil ist geringer geworden.

Was macht einen qualitativ guten Kurs aus?
Fründt

Das Wichtige ist, dass man die Teilnehmer abholt und registriert, was sie brauchen. Wir machen manchmal Exkursionen, wie beispielsweise zum Bahnhof. Dort haben wir uns mit der Funktion von Fahrkartenautomaten befasst. Für mich ist es ein qualitativ guter Unterricht, wenn der Inhalt für die Teilnehmer lebensnah ist.

Wer besucht in Rastatt die Kurse?
Fründt

Die meisten Flüchtlinge besuchen die Alphabetisierungskurse. Das sind in Rastatt hauptsächlich Syrer. Die allgemeinen Integrationskurse werden häufig von Zuwanderern aus der EU sowie aus Drittstaaten genutzt. Diese Kurse haben ein schnelleres Tempo und umfassen 600 Stunden, Alphabetisierungskurse bis zu 1.200 Stunden.

Mit welcher Befähigung schließen die Absolventen den Kurs ab?
Fründt

Bei Flüchtlingen soll erreicht werden, dass sie durch die Alphabetisierungskurse das Niveau A2 erreichen. Dann sagt man, der Kurs ist bestanden. A2 ist immer noch ein recht niedriges Sprachniveau. Man kann sich auf einfache Weise in gewohnten Situationen verständigen. Bei normalen Integrationskursen ist das zu erreichende Niveau B1.

Wie sieht die Erfolgsquote aus?
Fründt

Da kann ich nur über die von mir betreuten Kursen sprechen. Jeder Kurs ist anders und hängt stark von den Teilnehmern ab. Manche machen viel und möchten lernen. Andere sind anwesend, aber weniger engagiert. Im Schnitt haben bei mir Zweidrittel eines Kurses das Sprachlevel A2 geschafft. Es gab auch welche die B1 geschafft haben. Das ist für einen Alphabetisierungskurs sehr gut.

Wie lernwillig sind die meisten Flüchtlinge?
Fründt

Da habe ich ganz gute Erfahrungen gesammelt. In meine Kurse kommen die Leute gerne und wollen auch lernen. Sie sind dankbar dafür, dass ihnen was beigebracht wird. Es gibt natürlich auch Leute, die sagen sie sind motiviert, machen aber nie die Hausaufgaben. Dafür gibt es manchmal auch Gründe, zum Beispiel die Mutter mit den sieben Kindern.

Gibt es kulturelle Gegensätze?
Fründt

Sicher, gibt es kulturelle Gegensätze. Das frustriert mich manchmal auch ein bisschen. Die deutsche Arbeitsmoral ist halt nicht verankert. Da gibt es Kursteilnehmer, die sagen, ich habe gestern schlecht geschlafen, also bin ich nicht in den Kurs gekommen. Bei der Arbeit hat man mit so einer Einstellung ein Problem. Ich werde dann manchmal auch wütend. Aber ich versuche den Leuten zu vermitteln, dass das nicht geht.

Haben wir es seit 2015 geschafft, die Menschen, die zu uns gekommen sind, zu integrieren?
Fründt

Bei den Kindern sieht man schon, dass das richtig gut gelungen ist. Sie haben durch Kindergarten und Schule Kontakt zu der Bevölkerung. Bei den Erwachsenen kommt es drauf an, wie alt sie sind und wie deren Umstände sind. Sobald die Menschen mehr Kontakt mit der Bevölkerung haben und nicht mehr in ihren Wohnungen sitzen, ist die Integration auf einem guten Weg. Bei Erwachsenen ist das aber sehr unterschiedlich. Es hängt auch von der jeweiligen Persönlichkeit ab.

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