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Umfrage in Rastatt

„Jay Alexander berührt die Menschen“

Der eine darf, der andere nicht. Dass just Jay Alexander mit seinen Kirchenliedern in Sankt Alexander nicht erwünscht ist, kommt bei den Bürgern gar nicht gut an. Von Selbstherrlichkeit und Unverschämtheit war die Rede, als BNN-Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock vor dem Gotteshaus Statements einfing.

Jay Alexander bezieht vor der Rastatter Kirche St. Alexander Stellung zur Konzertabsage. Foto: Krause-Dimmock

Statements der Rastatter Bürger

„Ich habe dafür kein Verständnis“, schüttelt Elisabeth Schönwiese den Kopf. Schon viele Jahre ist sie Fan des Tenors und kann die Entscheidung des Kantors gar nicht begreifen. Denn das aktuelle Album, welches in der Rastatter Kirche vorgetragen werden sollte, sind obendrein Kirchenlieder. Sie habe alle seine CDs, doch just diese jüngste, die sei ihr absoluter Liebling. „Ich war auch bei der Premiere in Pforzheim dabei und habe erlebt, wie berührt und gerührt die Menschen waren.“

Der Mensch, diese Hingabe, diese Stimme.

Auch Martin Ganz schwärmt ganz offen von Jay Alexanders Kirchenliedern, die er in Baden-Baden hören durfte. „Der Mensch, diese Hingabe, diese Stimme“, war auch er rundum begeistert von dem Auftritt und von der Literatur, die sich der Pforzheimer, der mit Marc Marshall im Duett und in ganz anderer Stilrichtung regelmäßig die Ötigheimer Freilichtbühne füllt. Martin Ganz kann es obendrein beurteilen. Denn er selbst singt seit über 40 Jahren im Durmersheimer Kirchenchor. „Ich bin einfach nur traurig“, meint er.

Konzerte in der Kirche

Das Ganze wird noch kurioser, weil just vor dem Gotteshaus ein Aufsteller zu sehen ist, der für ein Konzert wirbt, das am 3. Februar stattfinden soll. Der Gesangverein Liederkranz Appollonia feiert sein Jubiläum mit einem Konzert und hat sich zu diesem Zweck der Mitwirkung von Pete Tex und außerdem des Günter Horn-Chors versichert. Da scheint es kein Problem zu sein, wundern sich die Passanten, die nicht nur den Aufsteller gesehen haben, sondern auch Jay Alexander selbst, der sich den Kameras der Landesschau stellt.

Jay Alexander erhält Absage

Wie er singt, das wisse er, müsse er zu seiner Schande gestehen, leider nur vom Hörensagen, räumt Hermann Müller ein. Nachdem der berühmte Sänger auf dem Rastatter Weihnachtsmarkt zu Gast gewesen ist, wurde ringsum viel von der Darbietung geschwärmt, kann er gut verstehen, dass die Fans die Bitte an den Künstler herangetragen haben auch mal in Sankt Alexander zu musizieren. „Ich habe mir daraufhin das Gotteshaus von innen angesehen.“ Er sei sofort begeistert gewesen, wandte sich an Stadtpfarrer Ralf Dickerhof, wurde an Bezirkskantor Jürgen Ochs verwiesen und erhielt eine Absage. Das Programm komme so nicht in Frage.

So ein Blödsinn.

„Unmöglich. Das ist ein Witz“, hat auch Helga Breitschwert kein Verständnis für die Entscheidung. Sie selbst kennt die Musik von Jay Alexander und schätzt sie. „Wie kann das sein?“, wundert sich auch Klaus Kirgis, dass ein Kirchenmusiker nicht in der Kirche musizieren darf, andere indessen schon. „So ein Blödsinn“, klingt seine Einschätzung noch recht harmlos im Vergleich zu anderen, die sich heftig Luft machten.

Frage nach der Zuständigkeit

„Darf der Kantor das überhaupt?“, steht plötzlich die Frage im Raum von erzürnten Fans, die so gar nicht akzeptieren wollen, dass hier – aus welchen Gründen auch immer – aus ihrer Sicht kirchliche Interessen über gemeindliche gestellt werden. „Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn manch ein Gemeindemitglied den Weg in die Kirche mal wieder angetreten hätte“, wird eine persönlich Färbung unterstellt.

Ich bin verletzt.

Keine Frage, dass der Künstler selbst auch sehr berührt ist. Er müsse sich nicht auf die Suche nach Kirchen machen, in denen er auftreten könne. Aber in diesem Fall sei er von den Fans angefragt worden, unterstreicht er die Besonderheit des Falls. Nein, bislang habe er eine solche Absage noch nie bekommen. „Ich bin traurig und ja, ich muss sagen, ich bin verletzt.“

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