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Tierquälerei

Junge Männer aus Rastatt missbrauchen Igel als Fußball

Fünf Männer sollen im Schlosspark Rastatt einen Igel als Fußball missbraucht haben. Eine Passantin ging mutig dazwischen und rettete das Tier. Doch inzwischen erlag es seinen Verletzungen.

„Ich bin stinksauer”: Anja Starck kümmert sich in ihrer Station in Bischweier um Igel. Foto: Martina Holbein (mhol)

Anja Starck kann ihre Gefühle nur schwer bändigen: „Ich bin stinksauer”, sagt die Leiterin der Igelstation in Bischweier. Anfang dieser Woche erhielt sie spät Abends einen Anruf einer aufgewühlten Frau. Diese hatte gerade beobachtet, wie im Rastatter Schlosspark fünf junge Männer einen Igel als Fußball missbrauchten. Mutig ging die Passantin dazwischen und rettete das schwer verletzte Tier aus den Fängen der Gruppe. Doch in Starcks Obhut ist das Tier mittlerweile verstorben.

Die Frau, die den Igel zu Starck brachte, hat ihre Erlebnisse in Facebook geteilt. Dort schildert sie, wie sie am Montag gegen 21.30 Uhr im Schlosspark mit ihrem Sohn und ihrem Hund spazieren ging. Dort sahen sie fünf Männer, die etwas auf der Wiese anschauten und fotografierten - den Igel. „Ich hatte diese Männer im Auge, denn mein Gefühl sagte mir, da passiert gleich was”, schreibt die Frau.

Und tatsächlich: „Sie kickten den Igel wie ein Fussball durch die Gegend”, schildert sie das folgende Geschehen. Wutentbrannt sei sie auf die Gruppe zumarschiert und habe die Männer zur Rede gestellt, die sie aber nur ausgelacht hätten. „Sie lachten mich aus.... Mein Sohn weinte um den Igel, aber auch Angst.... Ich ließ meine Hunde ablegen neben dem Igel.... Er blutete”, heißt es in dem Post wörtlich weiter.

Männer kreisen die Frau ein

Sie habe ihren Sohn nach Hause geschickt, der ihren Mann verständigen sollte. Sie lieferte sich ein Wortgefecht mit den Tätern. „Aber ich konnte auch nicht gehen.... Sie hätten den Igel weiterhin gekickt..... Sie machten einen halben Kreis um mich... Sprachen eine Sprache die ich nicht verstand.... Ich rechnete mit dem schlimmsten was mir passieren kann......”, schreibt sie. Nachdem sie mit der Polizei gedroht habe, suchten die Männer schließlich das Weite.

Die Frau packte den Igel ein und brachte ihn nach Bischweier zur Auffangstation. Anja Starck erinnert sich: „Er hat aus dem Maul geblutet.” Sie gab dem Tier Schmerzmittel und Entzündungshemmer, um sein Leid zu lindern. Die erste Nacht überstand der Igel noch gut. Doch in der zweiten Nacht verschlechterte sich sein Zustand dramatisch, so dass sich Starck am nächsten Morgen entschied, ihn einschläfern zu lassen. „Wir haben ihn erlöst”, sagt sie. Wahrscheinlich habe der Igel innere Verletzungen erlitten, an denen er schließlich zugrunde ging.

Polizei hat Ermittlungsverfahren eingeleitet

Nachdem das Thema im Internet Wellen schlug, hat die Polizei mittlerweile ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. „Eine offizielle Anzeige liegt bislang nicht vor, wir ermitteln aus eigenen Stücken”, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg. Mit der Sache betraut sei der Fachbereich Gewerbe/Umwelt. Bislang lägen aber noch keine Erkenntnisse zu den Tätern vor.

Laut Starck war das nicht der erste Fall dieser Art, der ihr untergekommen ist. „Das passiert nicht häufig, aber ab und zu kommt so etwas vor”, sagt sie. Sie zollt der Passantin großen Respekt: „Hut ab vor der Frau! Endlich zeigt mal jemand Zivilcourage.”

Ins selbe Horn stoßen zahlreiche Facebook-Nutzer, die den Beitrag der Frau kommentiert haben. „Sehr mutig!”, „Toll von Dir” oder „Danke, danke, danke für Deinen Einsatz” - so und ähnlich lauten die Beiträge. Sie selbst schreibt: „Es war nicht mutig... Vielleicht war es sogar auch leichtsinnig von mir.... Wer weiß was alles hätte noch passieren können... Aber wer ein Herz hat, am rechten Fleck hätte das selbe getan... Und dann ist so handeln für mich selbstverständlich. Und ich würde es immer wieder tun.”

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