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Schnee im April

Nach Kälteeinbruch: Obstbäume rund um Rastatt kommen mit blauem Auge davon

Über die Osterfeiertage wurde es kalt. Für viele Obstbäume kann das zu einem Problem werden. Wir haben Experten rund um Rastatt gefragt, wie die Blüten den Wintereinbruch überstanden haben.

In den letzten Tagen kam die Kälte zurück. Ob es dadurch zu Ernteausfällen beim Obst kommt, lässt sich noch nicht sagen. Foto: Daniel Karmann/dpa/Symbolbild

Über die Osterfeiertage hat es merklich abgekühlt. Von dem T-Shirt-Wetter der vorangegangenen Tage war plötzlich nicht mehr viel zu spüren, einzelne Schneeflocken fielen auf den Rastatter Marktplatz. Es herrschte Aprilwetter wie aus dem Bilderbuch.

Während die Menschen wieder zur warmen Winterjacke und der Mütze griffen, kann der frostige Wetter-Umschwung für die blühenden Obstbäume durchaus eine Gefahr bedeuten.

Wie wirkten sich die kalten Temperaturen auf die Obstbäume aus? Sind Ernteausfälle zu befürchten? Die BNN haben sich bei Obst und Gartenbauvereinen rund um Rastatt umgehört.

Zu früh, um Frostschäden zu erkennen

Ob es durch die kalten Temperaturen zu Schäden kam, lässt sich aktuell noch nicht beurteilen, sagt Peter Müller, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Plittersdorf: „Das kann man erst erkennen, wenn es Fruchtansätze gibt.“

Aktuell kann man die Frostschäden noch nicht abschätzen.
Peter Müller, Obst- und Gartenbauvereins Plittersdorf

Ähnlich äußert sich auch Wolfgang Käshammer vom Obst- und Gartenbauverein Muggensturm. „Aktuell kann man die Frostschäden noch nicht abschätzen, dazu ist es noch zu früh.“ Allerdings war es wettertechnisch durchaus kritisch: „Die Wetterlage war mehrmals an der Grenze“, sagt Käshammer.

Ob es Schäden gab, könne man „vielleicht in einer Woche“ abschätzen. Frühblüher wie Pfirsich und Aprikosen sind laut Käshammer allerdings erfroren: „Hier rechnen wir mit einem Totalausfall.“ Da es im Raum Muggensturm keine gewerblichen Erzeuger gebe, treffe dies „nur“ den Hausgarten oder den Hobby-Anbau.

Standort spielt bei Frost wichtige Rolle

Richtig kalt erwischt hat es die Obstanbauer vor vier Jahren, als es in der zweiten Aprilhälfte frostig wurde. „Die Ernteausfälle waren schon ziemlich heftig“, sagt Müller. Rund 80 Prozent der Obstbäume hatten 2017 „keine oder weniger Früchte“. Dazu kam, dass viele der Früchte im Laufe des Sommers meistens noch herunterfielen.

Da sehen die Experten in diesem Jahr mehr Chancen. Man müsse zwar noch abwarten, betont auch Christoph Schlager, Vorsitzender des Obst-und Gartenbauvereins Würmersheim. Aber: „Aktuell scheint es so, dass die Obstbäume mit einem blauen Auge davon gekommen sind“, sagt er.

Bei etwaigen Frostschäden spielt grundsätzlich der Standort der Bäume eine entscheidende Rolle. „Wenn ein Baum zum Beispiel auf dem freien Feld steht, dann sind die Blüten noch weniger fortgeschritten“, so Schlager.

Gleichzeitig verweist er auch auf verschiedene Möglichkeiten, mit denen sich die Bäume selbst gegen Frost schützen. Bei der Birne liegen zum Beispiel zahlreiche Blüten nebeneinander: „Dadurch schützen die äußeren Blüten jeweils die innere Blüte vor der Kälte und Frost.“ Die Apfelblüten hingegen gehen versetzt auf, so dass nicht alle durch einsetzenden Frost geschädigt werden.

Für Vollernte reicht ein Teil der Blüten

Im professionellen Obstanbau, wie zum Beispiel bei den Plantagen am Bodensee, kommen als Kälteschutz Beregnungsanlagen zum Einsatz. Die gefrorenen Wassertropfen bilden eine Schicht um die Blüten – als Schutz vor frostigen Temperaturen. „Die Blüten werden dann wie in einem Iglu geschützt“, schildert Müller den Vorgang.

Nach Uwe Kimberger, Fachberater für Obst-und Gartenbau beim Landratsamt Rastatt, muss man abwarten, wie sich die weitere Lage entwickelt. Für eine Ernteprognose ist es aktuell noch zu früh, sagt auch er. Um von einer Vollernte zu sprechen, müsse sowieso nur ein Teil der Blüten zu Früchten heranreifen. Bei Zwetschgen seien es zum Beispiel 20 Prozent.

Auch in der Pflanzenabteilung im Rastatter Bauhaus hatten die kalten Temperaturen Auswirkungen. „Die Kälte der letzten Tage ist für unsere Mitarbeiter mit viel Aufwand verbunden, um die Pflanzen zu schützen“, sagt Rebecca Hylla von der Pflanzenabteilung des Marktes.

Empfindliche Pflanzen wurden abgedeckt oder ins Innere des Marktes geschoben. Gravierende Frostschäden gab es dadurch nicht – die Pflanzen zeigen sich weiter in ihrer vollen Blüte.

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