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Alleiniger Standort in Balg favorisiert

Klinikum Mittelbaden will wohl auf Geburtsstation in Rastatt verzichten

Das Klinikum Mittelbaden will offenbar auf die Geburtsstation in Rastatt verzichten. Zu Beginn der Coronakrise war sie geschlossen worden, um dort Intensivbetten vorzuhalten. Jetzt wird sie wohl nicht wiedereröffnet.

Weiterhin unklar: Große Fragezeichen stehen hinter der Zukunft der Geburtshilfe im Klinikum Mittelbaden Rastatt. Wegen Corona ist sie seit dem vergangenen Jahr geschlossen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Wird die Geburtsstation im Klinikum Mittelbaden Rastatt dauerhaft geschlossen bleiben? Die Antwort auf diese Frage bleibt auch nach der Informationsveranstaltung des Klinikums in der Kuppenheimer Veranstaltungshalle offen. Das Interesse daran hielt sich mit 38 Anmeldungen von Besuchern vorab schon in Grenzen und emotionale Beiträge aus dem Auditorium blieben zu dem Thema weitgehend aus.

„Können wir die Entscheidung mit den richtigen Argumenten noch beeinflussen“? Die Frage aus dem Kreis der Zuhörerinnen reichte der Erste Landesbeamte Jörg Peter gleichsam an die Gesellschafter weiter. Der Kreistag soll sich in seiner Sitzung in der nächsten Woche klar positionieren, der Baden-Badener Gemeinderat etwa einen Monat später.

Es ist ein ergebnisoffenes Verfahren.
Jörg Peter, Erster Landesbeamter

Peter kündigte dabei ein „ergebnisoffenes Verfahren“ an, bei dem alle Argumente zusammen geführt werden sollen. Die Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums Mittelbaden, Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) bekräftigte dabei ihr „größtes Interesse, dass alle Mütter bis zu einem Neubau des Klinikums in guten Händen sind, wenn sie in der Region gebären.“

Der medizinische Geschäftsführer des Klinikums Thomas Iber ließ derweil in seinen Ausführungen deutlich erkennen, wo die Präferenzen liegen und dass künftig nur die Klinik in Balg mit fünf Kreißsälen eine Geburtenstation beherbergen soll.

Auf der Suche nach qualifiziertem Personal

Zu Beginn der Coronakrise war die Geburtshilfe in Rastatt geschlossen worden mit der Begründung, dass dort Reservekapazitäten für Intensivbetten in der Pandemie vorgehalten werden sollen. Diese Notwendigkeit bestehe mittlerweile nicht mehr, wohl aber ein Bedarf nach „Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal.“ Iber verwies zudem auf die deutlich gesunkenen Geburtenzahlen in der Rastatter Klinik, in der für das Jahr 2020 noch 483 Geburten erwartet worden seien. 2017 lag die Zahl noch bei 583.

Innerhalb von 45 Minuten sollte die Einrichtung mit einem Privat-Pkw erreicht werden.
Thomas Iber, medizinischer Geschäftsführer

In Balg könne mit etwa 2.000 Geburten pro Jahr ein besonders hohes Versorgungsniveau gewährleistet werden. Iber zitierte Studien, wonach die Todesraten von Neugeborenen in kleinen Kliniken signifikant höher seien als in größeren Häusern. Die Rastatter Entbindungsklinik sei demnach aufgrund ihrer geringen Geburtenzahl von vorne herein in die Kategorie mit der höchsten Sterblichkeit und Morbidität Neugeborener einzuordnen.

Wohnortnähe und Erreichbarkeit sind, so Iber, bei der Standortfrage weitere Kriterien: „Innerhalb von 45 Minuten sollte die Einrichtung mit einem Privat-Pkw erreicht werden“, erklärte der Geschäftsführer. Margret Mergen sieht diese Vorgabe beim Standort in Balg für alle Teile des Landkreises Rastatt gesichert.

Überschaubares Interesse: Nur wenige Besucher fanden sich zum Informationsabend des Klinikums Mittelbaden in der Kuppenheimer Veranstaltungshalle ein. Foto: Hans Jürgen Collet

Aus den Reihen des Publikums wurden diese 45 Minuten freilich als flexibel gewählte Zahl kritisiert und es auch als „tolle Sache“ gesehen, wenn es im Sommer in Rastatt eine Entlastung der Geburtenstation in Balg gegeben hätte.

Hohe Mitarbeiterzufriedenheit erkannt

Die personellen Engpässe bei der Besetzung von Hebammenstellen und von Fachkräften seien dramatisch, bekräftigten Iber und auch Mergen. Die Aufsichtsratsvorsitzende hält es vor dem Hintergrund des hohen Personalbedarfs für äußerst wichtig, in einer Region zwischen Karlsruhe und Freiburg entsprechende Zukunftsperspektiven für junge Leute zu bieten. Deshalb sei an einem Standort effektiver zu arbeiten.

Wir brauchen Klarheit und Versorgungssicherheit.
Margret Mergen, Aufsichtsratsvorsitzende

Iber verwies zugleich auf den hohen Standard, die technische Ausrüstung und den Komfort der neuen Kreißsäle in Balg: „Zudem gibt es eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit durch eine adäquate Stellenbesetzung und Dienstplansicherheit.“

Schilderungen von Doris Oesterle, Vorsitzende der Frauenunion Rastatt, wonach eine Mutter bitter über eine Überfüllung der Kreißsäle in Balg geklagt und deshalb nach fünf Stunden die Klinik wieder verlassen habe, führte Iber darauf zurück, dass in diesem Fall noch nicht alle fünf Kreißsäle zur Verfügung gestanden hätten. Und: „Manchmal ist die Belastung höher, manchmal weniger.“

Für Margret Mergen ist es derweil von hoher Bedeutung etwas Ruhe in die ganze Thematik hereinzubringen: „Wir brauchen Klarheit und Versorgungssicherheit.“ Tanja Sölter, die als Doula, eine nichtmedizinische Helferin, werdenden Müttern bei der Geburt zur Seite steht, hat derweil nach eigenem Bekunden gute Gespräche mit der Klinikleitung geführt. Ihr eindringlicher Wunsch aber: „Es muss jetzt klar gesagt werden, ob die Geburtstation in Rastatt endgültig zugemacht wird“.

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