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Entscheidung im Gemeinderat

Gegen den Corona-Blues: Kostenloser Freibad-Eintritt in Rastatt für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche haben unter Corona besonders gelitten. Die Stadt Rastatt will ihnen deshalb etwas Gutes tun und spendiert kostenlose Zehnerkarten für das Freibad. Die Ursprungsidee stammt von den Grünen. Sie wären gern noch großzügiger gewesen.

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren sollen für die Sommerferien eine kostenlose Zehnerkarte für das Natura erhalten. Foto: Oliver Hurst

Es ist gedacht als kleines Bonbon für die Entbehrungen während der Corona-Pandemie: Alle Rastatter Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren erhalten für die Sommerferien eine kostenlose Zehnerkarte für das Freibad Natura. Das hat der Gemeinderat beschlossen. Die Idee stammt von den Grünen. Die Fraktion hätte das Angebot aber gern noch großzügiger gefasst.

Grünen-Sprecher Roland Walter hatte Ende Juni den Antrag eingereicht, dem Nachwuchs für die laufende Saison komplett freien Eintritt zu gewähren, ohne jegliche Reglementierung. In der vergangenen Sitzung des Gremiums stand die Entscheidung darüber auf der Tagesordnung.

Walter begründete den Vorstoß mit den Folgen der Pandemie vor allem für Kinder und Jugendliche: „Das soll ein Zeichen sein: Wir haben Euch nicht vergessen.“ Der Betrag, den die Aktion die Stadt kosten werde, sei im Vergleich zu anderen Corona-Investitionen zum Beispiel für Gewerbetreibende „sehr gering“.

Verwaltung veranschlagt Kosten mit 15.000 Euro

Dass diese Einschätzung korrekt ist, belegten die Zahlen der Stadtverwaltung. Demnach verzeichnete das Freibad in diesem Jahr bislang 4.500 Besucher bis 16 Jahren. Die Einnahmen aus diesen Eintrittsgeldern summieren sich auf gerade einmal 8.100 Euro. Auf dieser Basis prognostiziert die Verwaltung Kosten durch die Aktion in Höhe von rund 15.000 Euro.

Auch Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch (CDU) sagte angesichts der Summe: „Über den Betrag brauchen wir nicht lang zu reden.“ Trotzdem tat er sich schwer mit dem Antrag. Er gab zu bedenken, dass wegen der Corona-Verordnung des Landes die Besucherzahl im Natura aktuell noch immer auf 1.500 beschränkt sei. Hätten Kinder und Jugendliche freien Eintritt, bestünde die Gefahr, dass die Kapazität schnell erschöpft sei und andere Besucher nicht mehr reinkämen.

Manche Gruppen werden keine Chance haben, das Bad zu betreten
Hans Jürgen Pütsch, Oberbürgermeister

„Manche Gruppen werden keine Chance haben, das Bad zu betreten“, sagte Pütsch. Dies müsse man wissen und im Zweifelsfall auch aushalten: „Es können Dinge passieren, die wir nicht steuern können.“

SPD und FuR unterstützen Vorstoß der Grünen

Joachim Fischer (SPD) zeigte sich bereit, die Dinge auszuhalten: „Wenn dann mal Menschen in unserem Alter vor der Tür warten müssen, dann ist das so gewollt. Jetzt sind die jungen Menschen als erstes dran.“ Auch Simone Walker (FuR) sprach von einem „tollen Marketinginstrument“. Ihre Fraktion wolle dieses Zeichen gerne setzen: „Das ist ein Bonbon, das einfach nur guttut.“

Dass das Bonbon am Ende trotzdem kleiner ausfiel, lag an einem Antrag der Freien Wähler. Ihr Sprecher Herbert Köllner erkundigte sich bei Pütsch nach möglichen Alternativen, um den Vorschlag praxistauglicher zu machen. Der OB schlug vor, allen Rastattern zwischen sechs und 16 Jahren eine Zehnerkarte zu spendieren.

Abstimmung im Rastatter Gemeinderat mit knappem Ergebnis

Wie die Verteilung über die Bühne gehen solle, müssten Verwaltung und Stadtwerke noch austüfteln. Grundsätzlich halte er es aber für besser, den Kindern und Jugendlichen ein Geschenk zu machen, mit dem sie auch haushalten müssten: „Ich halte den Freibrief für zu großzügig.“ Darüber hinaus werde durch das Mehrfachkarten-System verhindert, dass auch junge Besucher aus den Umlandgemeinden das Natura stürmten.

Die CDU schloss sich dieser Einschätzung an. Den Ursprungsvorschlag der Grünen bezeichnete Sprecherin Brigitta Lenhard als nicht praxistauglich: „Wir sehen den guten Willen hinter dem Antrag. Aber wir teilen die Einschätzung der Verwaltung, dass es Probleme bei der Umsetzung geben wird.“

Köllner stellte schließlich den konkreten Antrag, den Kindern und Jugendlichen noch vor den Sommerferien eine kostenlose Zehnerkarte zur Verfügung zu stellen. Mit 21 Ja- zu 17 Nein-Stimmen fand dieser Vorschlag eine knappe Mehrheit.

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