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Beim KSC

Der Rastatter Reimund Lisowski ist der „älteste Balljunge Deutschlands“

Reimund Lisowski arbeitete als Funktionär bei mehreren Vereinen in Mittelbaden und später als Jugendbetreuer beim Karlsruher SC. Seit dieser Saison ist der 59-Jährige als Schiedsrichterbetreuer bei Jugendspielen des KSC im Einsatz. Und als „Balljunge“, wenn die Profis um Zweitligapunkte kämpfen.

Viele Erinnerungen: Aus seinen Treffen mit Fußballstars hat Reimund Lisowski eine umfangreiche Bildersammlung zusammen gestellt. Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Fernseher läuft. Auf dem großformatigen Bildschirm in seinem Wohnzimmer wird gerade die Wiederholung der Sky-Konferenz aus der englischen Premier League übertragen.

„Fußball“, sagt Reimund Lisowski, „ist bei mir den ganzen Tag über zu sehen.“ Seine Erklärung folgt prompt: „Neben meiner Familie und meinem kleinen Enkelsohn Leon bedeutet mir Fußball alles“, betont er.

Und obwohl Lisowski auf eine Erfahrung von mehr als 30 Jahren in der Balltreter-Branche blicken kann, leuchten seine Augen noch so, wie bei einem kleinen Jungen, der die Leidenschaft für dieses Spiel gerade erst entdeckt hat.

Neben meiner Familie bedeutet mir Fußball alles.
Reimund Lisowski, Schiedsrichterbetreuer

Sein ganzer Stolz ist dabei eine Sammlung von mehr als 250 Fotos. Oft handelt es sich um Selfies, häufig aber auch um Aufnahmen, die er mithilfe von anderen Stadionbesuchern, Fans oder Offiziellen gemacht hat.

Zustande gekommen ist dabei eine Parade von Stars, die sich gemeinsam mit Lisowski ablichten ließen. Die riesige Sammlung reicht von Julian Nagelsmann und Fabio Capello über Stefan Effenberg und Timo Werner, Sebastian Hoeneß bis zu Thorsten Matuschka, Thomas Helmer und viele anderen.

Wie aber gelingt es, sie alle vor die Kameralinse zu bekommen? „ Man muss sich einfach durchsetzen. Außerdem habe ich ein gutes Netzwerk und wenn sie vor einem stehen, sind das eigentlich ganz normale Leute“, erklärt Lisowski.

Miroslav Klose schenkt ihm das WM-Trikot von 2014

Die meisten Begegnungen entstanden in der Zeit, in der er als Betreuer der U 17 und U 19-Bundesligamannschaften des KSC tätig und dabei in etlichen Stadien der Republik zu Gast war. Auch eine enge Freundschaft entwickelte sich daraus – und zwar mit Miroslav Klose.

Als der Weltmeister von 2014 noch verantwortlich für die U 17 von Bayern München war, trafen sich die beiden in München, tauschten sich aus und fanden schnell eine gemeinsame Gesprächsbasis, denn Lisowski und Klose stammen aus Oberschlesien.

Ihre Geburtsorte in der Nähe von Oppeln liegen nahe beieinander. „Wir telefonieren oft miteinander, zuletzt auch an Weihnachten oder schreiben uns WhatsApp Nachrichten“, berichtet Lisowski.

Bei Gelegenheit wolle man sich mal gegenseitig besuchen, verrät der 59-Jährige, für den es deshalb auch ein riesiges Erlebnis war, dass Klose ihm jenes Trikot geschenkt hat, mit dem er 2014 Weltmeister wurde.

Begegnung mit großen Namen: Zur Fotosammlung von Reimund Lisowski (links) gehört auch sein Bild mit Julian Nagelsmann. Foto: Reimund Lisowski

Und noch etwas berührt ihn: „Wenn ich heute Malik Batmaz, Dominik Kother oder Florent Muslija im Fernsehen sehe, dann geht mir das Herz auf.“ Sie alle schließlich gehören zu jener Spielergarde, mit der Lisowski als Betreuer der Nachwuchsmannschaften beim KSC zusammen gearbeitet hat.

Überraschender Anruf aus dem NLZ

Es war im Jahr 2014, als er den Job beim KSC übernahm, nachdem ihn Edmund Becker, der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), telefonisch kontaktiert hatte. „Der Anruf kam damals völlig überraschend für mich“, sagt Lisowski.

Im vergangenen Jahr übernahm er eine neue Aufgabe beim KSC – und zwar als Schiedsrichterbetreuer bei den Spielen im Nachwuchsbereich. „Ich nehme die Unparteiischen in Empfang, mache den Kaffee und kümmere mich um alles, was sie brauchen“, sagt er.

Dass die Referees bisweilen auch Schutz benötigen weiß Lisowski zwar, im Jugendbereich des KSC habe er dies aber noch nie erlebt: „Es ist halt ein Familienverein und für mich ist es toll, dort arbeiten zu dürfen“.

Überdies hat er seit Beginn der laufenden Saison noch eine neue Aufgabe übernommen. Per Mail sei im Verein gefragt worden, wer sich als Balljunge bei den Heimspielen der KSC-Profis engagieren will. Für Lisowski gab es da nicht viel zu überlegen: Er meldete sich und ist nun regelmäßig mit dabei, wenn es darum geht, den Ball wieder ins Spiel zu bringen.

„Ich wurde auch schon als ältester Balljunge Deutschlands bezeichnet“, sagt er, nicht ohne zu versichern, dass er sich vor jeder Partie mit den Gegnern so befasst, als würde er selbst mitspielen.

Bei vielen Vereinen Erfahrungen als Funktionär gesammelt

Selbst auf dem grünen Rasen stand Lisowski weitgehend nur in der Jugend bei seinem oberschlesischen Heimatverein Victoria Rutenau. So richtig Fuß fassen aber konnte er nicht. Und so konzentrierte er sich vorwiegend auf Tätigkeiten auf Funktionärsebene.

Zuerst als Vorstandsmitglied in Rutenau. 1988 siedelte er nach Rastatt über und folgte dem Ruf einiger Familienmitglieder, die zuvor schon hier waren. Gemeinsam mit Alois Gamroth gründete Lisowski 1988 den Oberschlesischen Sportverein Rastatt (OSV) und wirkte dort bis zum Jahr 2009 in der Führungsetage mit.

Zwischenzeitlich arbeitete er auch für den FC Rastatt 04. „Dort hat sich eine Freundschaft zu Lukas Kwasniok entwickelt, der heute den SC Paderborn trainiert“, berichtet Lisowski. Später folgten Engagements in Kuppenheim, beim SC Baden-Baden, VFB Gaggenau und beim nordbadischen Verbandsligisten TSV Reichenbach – ehe dann der Anruf vom KSC kam.

Oft waren nicht die richtigen Leute am richtigen Platz.
Reimund Lisowski, Schiedsrichterbetreuer

Traurig ist es für ihn, zu sehen, in welch einer bescheidenen Situation sich die mittelbadischen Traditionsvereine befinden: „Oft waren dabei nicht die richtigen Leute am richtigen Platz“, meint Lisowski, ohne aber ins Detail gehen zu wollen.

Als Schichtführer bei Mercedes-Benz in Gaggenau zeigt er sich im Übrigen froh, mit Sandro Ullrich einen Vorgesetzten zu haben, der als Handballtrainer in Sinzheim viel Verständnis für seine Fußballleidenschaft aufbringt.

Genau das gelingt auch Ehefrau Monika. „Deshalb sind wir schon 38 Jahre verheiratet“, sagt Lisowski – und lächelt.

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