Skip to main content

22-Jährige holt Bundessieg

Deutschlands beste Nachwuchs-Orthopädie-Schuhmacherin kommt aus Kuppenheim

Eliza Frey aus Kuppenheim ist Deutschlands beste Nachwuchs-Orthopädie-Schuhmacherin. Die 22-Jährige erzählt, warum sie sich für das Handwerk entschieden hat und spricht über Vorurteile und Design.

Preisgekrönt: Mit diesem Schuh wurde Eliza Frey aus Kuppenheim zur besten Nachwuchs-Orthopädie-Schuhmacherin Deutschands gekürt. Foto: Familie Frey / privat

30 bis 40 Paar Schuhe stehen bei Eliza Frey im Schrank. Ihre Leidenschaft für das Schuhwerk begann schon in der Kindheit. Bereits als kleines Mädchen half die heute 22-Jährige ihrem Großvater in seiner Werkstatt in der Rastatter Innenstadt. Wie man Schuhe nagelt, hat sie bei ihm gelernt. „Sie hat die Fingerfertigkeit und das Auge“, sagt Vater und Ausbilder Wolfgang Frey, der den Laden in der Schlosserstraße 1998 von seinem Vater übernommen hat.

Viele Leute denken immer noch, dass orthopädische Schuhe ein schwarzer Klotz am Fuß sind. Das war früher so. Heute ist das anders.
Eliza Frey, preisgekrönte Orthopädie-Schuhmacherin

Die Schuhe, die Eliza Frey anfertigt sind nicht irgendwelche Schuhe, es sind orthopädische Schuhe. „Ich habe es oft erlebt, dass die Leute zu uns in den Laden kamen und geweint haben. Sie wollten keine orthopädischen Schuhe tragen“, erzählt die Auszubildende. Das liege an der Geschichte, meint sie. Die orthopädischen Schuhe wurden nach dem Zweiten Weltkrieg für Kriegsversehrte geschustert. „Das Problem fängt im Kopf an. Viele Leute denken immer noch, dass orthopädische Schuhe ein schwarzer Klotz am Fuß sind. Das war früher so. Heute ist das anders“, erklärt Frey.

Design: Neben dem gesundheitlichen Aspekt müssen die Schuhe auch schön sein, findet Eliza Frey. Ihr Prüfungspaar bezeichnet sie als extravagant. Interessenten für ihren Entwurf hat sie auch schon: gleiches Design nur in pink. Foto: Familie Frey / privat

Beim Entwurf des Schuhs geht es neben dem medizinischen Gesichtspunkt auch darum, dass er dem Kunden gefällt. „Wir hatten auch eine Kundin, die wollte einen ganz silbernen Schuh. Ein Paar haben wir sogar in Schlangenleder-Optik angefertigt“, erinnert sich Frey. Beim ersten Treffen wird geklärt, warum der Kunde einen orthopädischen Schuh braucht und wozu er ihn nutzen will. Das Durchschnittsalter ihrer Kunden liegt bei 60 Jahren. Es sind aber auch Jüngere dabei: Unfallverletzte oder etwa Diabetiker.

Nach dem Gespräch werden die Maße genommen und Fotos vom Fuß gemacht. Anschließend wird besprochen, was für ein Schuh es sein und wie er aussehen soll. Bevor sich Eliza Frey dann an die Anfertigung des Schuhpaars macht, nimmt sie noch einen Gipsabdruck vom Fuß. Nun schneidet sie die einzelnen Teile aus Leder, Kunststoff oder sonstigen Textilien aus und näht sie zusammen. 1.300 Euro kostet so ein individuell angefertigtes Schuhpaar mindestens. 86 Euro muss der Kunde selbst zahlen, den Rest übernimmt die Krankenkasse.

Orthopädischer Schuh wird zum Designer-Accessoire

„Ich will nichts Hässliches zusammenbauen. Die Schuhe müssen gut aussehen und beim Tragen angenehm sein“, betont die Auszubildende. Mit ihrem Prüfungsstück beweist sie genau das. Es sei exzentrisch, ein echter Hingucker eben, meint sie. Von den Läden in der Baden-Badener Fußgängerzone und einem Online-Schuh- und Mode-Versandhändler hat sich die junge Frau inspirieren lassen. Freys Stiefelpaar geht über den gesundheitlichen Aspekt hinaus – wird zum Designer-Accessoire.

Das schätzt auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks und zeichnete die Kuppenheimerin mit dem ersten Platz im Wettbewerb „Profis leisten was“ aus und mit dem zweiten Platz im Wettbewerb „Die gute Form“. „Der Sieg war das Ziel“, sagt Frey, die vor einem Monat von ihrem Bundessieg erfuhr. Sie hatte sich schon sehr auf das Treffen mit den anderen Azubis und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gefreut, der traditionell die Preise verleiht. Doch wegen Corona gab es nur einen Livestream.

Familienunternehmen: Ihre Ausbildung zur Orthopädieschuhmacherin hat Eliza Frey bei ihrem Vater in dessen Laden in der Rastatter Innenstadt absolviert. Über die Zeit mit seiner Tochter sagt Wolfgang Frey: „Es hat Spaß gemacht, Teil davon gewesen zu sein.“ Foto: Familie Frey / privat

Schon mit 16 Jahren war sie sich sicher, dass sie die Ausbildung in der Orthopädietechnik absolvieren will. Ab der zehnten Klasse steht sie jeden Freitagnachmittag im Laden ihres Vaters. Die Schule aber hat sie trotzdem noch beendet, mit einem Abischnitt von 1,4. „Viele dachten, dass ich deshalb studiere. Aber ich wollte etwas machen, womit ich Menschen helfen kann. Das wollte ich mit einem Handwerk kombinieren. Am Ende des Tages will ich sehen können, was ich gemacht habe“, erklärt Frey ihre Entscheidung für die Ausbildung.

Ich will Menschen helfen und am Ende des Tages sehen, was ich gemacht habe.
Eliza Frey, preisgekrönte Orthopädie-Schuhmacherin

Wo das Handwerk Eliza Frey noch hinführt? Seit September macht sie eine zweite Ausbildung zur Orthopädie-Mechanikerin in Heidelberg. „Da kann ich mich mit dem ganzen Körper befassen“, erklärt die 22-Jährige. Dann will sie noch einen Meister machen. In welchem von beiden Bereichen weiß sie noch nicht.

Sorgen um die Zukunft muss sich seine Tochter jedenfalls keine machen, meint Wolfgang Frey: „Wir konkurrieren nur bedingt mit den großen Unternehmen. Die Leute schätzen kleinere Läden in ihrer Nähe, in denen sie einen Ansprechpartner haben, der sich um alles kümmert.“ Und auch der demografische Wandel mache ihre Arbeit immer wichtiger, sagt der 56-Jährige. Ob seine Tochter den Laden in Rastatt einmal übernimmt? Auch das will sich Eliza Frey offenhalten. Sie wäre die dritte Generation.

nach oben Zurück zum Seitenanfang