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Frauenfußball

Nadja Schneider aus Kuppenheim schlägt bei Zweitligist SC Sand ein neues Kapitel auf

Die Tränen nach dem Abschied aus Hoffenheim sind getrocknet: Für Nadja Schneider beginnt am Samstag ein neues Fußball-Abenteuer. Mit dem SC Sand will die 18-jährige Kuppenheimerin in der zweiten Liga bestehen - im Idealfall als Stammkraft.

Weiter im blauen Trikot: Nadja Schneider (links), hier noch im TSG-Dress im Zweikampf mit Wolfsburgs Franziska Libske, startet am Samstag mit dem SC Sand in die Saison.
Weiter im blauen Trikot: Nadja Schneider (links), hier noch im TSG-Dress im Zweikampf mit Wolfsburgs Franziska Libske, startet am Samstag mit dem SC Sand in die Saison. Foto: IMAGO/Oliver Zimmermann IMAGO/foto2press

Es hätte der Schwebebalken sein sollen. Oder der Stufenbarren. Zumindest wenn es nach Peter Schneider gegangen wäre. Doch sein Töchterchen Nadja, gerade mal vier Jahre alt, hatte einen anderen Plan. Sie wollte einem Ball hinterherjagen. Dribbeln, Tore schießen.

„Ich war damals dagegen, dass sie Fußball spielt“, erinnert sich Papa Schneider. Daher habe er dem Nachwuchs als Alternative Turnen vorgeschlagen. Doch Klein-Nadja blieb stur – und setzte sich durch. Zum Glück.

Denn nun, 14 Jahre später, hat die Kuppenheimerin einen Vertrag beim Frauenfußball-Zweitligisten SC Sand unterschrieben und startet an diesem Samstag (14 Uhr) mit dem Auswärtsspiel beim FSV Gütersloh in ein neues Fußball-Abenteuer.

Nadja Schneider hatte auch bei dr TSG Hoffenheim eine „tolle Zeit“

„Im Nachhinein bin ich natürlich froh, dass sie sich durchgesetzt hat“, sagt Peter Schneider, einst viele Jahre Sportlicher Leiter beim Verbandsligisten SV 08 Kuppenheim, und lacht.

„Ich freue mich, dass es jetzt los geht. Die Mädels haben mich super aufgenommen, mir die Eingewöhnung sehr leicht gemacht“, sagt die Außenverteidigerin, die in der vergangenen Woche ihren 18. Geburtstag feierte.

„Dieses ganz spezielle Familien-Feeling, das man dem SCS nachsagt, merkt man ganz schnell. Ich habe mich sofort wohlgefühlt.“

Eine „tolle Zeit“, sagt Nadja Schneider, hatte sie auch in den vergangenen drei Jahren bei der TSG Hoffenheim. Erst bei der U17, dann bei der U20 in der Zweiten Bundesliga.

„Es waren drei prägende Jahre, in denen ich viel gelernt und mich weiterentwickelt habe“, sagt die 18-Jährige, die beim endgültigen Abschied aus dem Kraichgau die eine oder andere Träne verdrückt hat.

Kampf um den Stamplatz

Angefangen hat für Nadja Schneider aber alles im altehrwürdigen Wörtelstadion in Kuppenheim. Bis zur C-Jugend ging sie dabei auch gegen Jungs in die Zweikämpfe, spielte in der Verbandsliga Seite an Seite mit Vasco Walz, der mittlerweile bei Borussia Dortmund in der U19 kickt, und Devin Sür, der in diesem Sommer beim Drittligisten 1860 München seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat.

„In dieser Zeit hat sie gelernt, sich durchzusetzen, auch mal die Ellenbogen auszufahren“, ist Papa Schneider überzeugt. „Da hab‘ ich sicherlich das Rüstzeug mitbekommen für später“, ergänzt Nadja Schneider.

Nun wartet auf die Außenverteidigerin, die in ihrer Heimatstadt Kuppenheim in den nächsten drei Jahren eine Ausbildung zur Erzieherin macht, in der Ortenau eine neue Herausforderung. Ein neues Kapitel ihrer noch jungen Laufbahn.

„Ich möchte mich persönlich und fußballerisch weiterentwickeln. Da ist der SCS der richtige Verein zur richtigen Zeit“, ist Nadja Schneider von dem Schritt voll und ganz überzeugt. Zumal auch der SC Sand nach dem Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus nach acht Jahren Zugehörigkeit vor einem Neuanfang steht. Einem neuen Abenteuer, bei dem Nadja Schneider mitwirken, mitgestalten möchte.

Lob von Coach Fischinger

Konkrete Ziele hat sie dabei nicht. „Natürlich will ich so viel Spielzeit wie möglich sehen, niemand sitzt gerne auf der Bank“, sagt die Ur-Kuppenheimerin, die aber zunächst einmal „ins Team reinfinden“ möchte.

Denn ganz optimal verlief der Start in der Ortenau nicht, ein Muskelfaserriss bremste Schneider aus, erst im Trainingslager Anfang August in Oberkirch konnte sie wieder gegen den Ball treten.

Über den Rückhalt von SCS-Trainer Alexander Fischinger (Nadja Schneider: „Ein sehr empathischer Trainer, mit dem man über alles reden kann.“) kann sie sich aber gewiss sein.

„Nadja hat bei uns einen bleibenden Eindruck im Training hinterlassen. Mit ihrer bescheidenen Art und ihrem Ehrgeiz passt sie perfekt in unser Team. Sie ist noch sehr jung, ich bin mir aber sicher, dass sie mit ihrem Talent und Willen eine gute Rolle bei uns auf der Außenbahn spielen kann“, meint der Sander Coach.

Zweitjüngste im SCS-Kader

Beim Bundesliga-Absteiger ist Schneider die zweitjüngste Spielerin im Kader, bis auf Amelie Bohnen, die mit ihr von der TSG zum SCS gewechselt ist, waren die Mitspielerinnen unbekannt. „Sie ist sicherlich eine Bezugsperson für mich. Es tut gut, wenn man ein bekanntes Gesicht bei sich hat“, sagt Schneider, die als Außenverteidigerin „Dampf nach vorne machen“ und Vorlagen beisteuern möchte.

Und eigene Tore? Nadja Schneider hält kurz inne. „Die letzten Jahre waren jetzt nicht so torreich bei mir“, sagt sie und grinst: „Ich wäre schon mit einem Tor zufrieden.“

Individuelle Ziele sind für die Kuppenheimerin aber nebensächlich, was zählt, ist der Mannschaftserfolg. Während für den SCS nach acht Jahren Beletage die Zweite Liga Neuland ist, kennt Schneider sie bereits aus Hoffenheimer Zeiten.

„Die Liga ist eine kleine Wundertüte, jeder kann jeden schlagen. Wer keine 100 Prozent abliefert, verliert die Spiele“, sagt die 1,61 Meter große Verteidigerin. „Wir wollen uns als Mannschaft schnell finden, in der Liga ankommen und erfolgreich sein.“

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