Skip to main content

Fußball-Profi Nico Rieble im Interview

Wie der Lübecker Profifußballer Nico Rieble aus Kuppenheim die Corona-Krise in der Dritten Liga erlebt

Profifußballer Nico Rieble aus Kuppenheim spricht im Interview über seine Zeit zuhause in Oberweier während des ersten Lockdowns, über seinen Trainingsalltag beim VfB Lübeck, Geisterspiele und finanzielle Einbußen.

Im Trikot des VfB Lübeck: Der aus der Jugend des SV 08 Kuppenheim stammende Profi-Fußballer Nico Rieble (rechts) spricht über Fußball in Corona-Zeiten. Foto: Stefan Brauer/imago images

Seine ersten Spiele bestritt Nico Rieble für den SV 08 Kuppenheim. Dann wechselte er in die Jugend des Karlsruher SC. Mit 15 Jahren zog der Kuppenheimer aus dem Elternhaus aus und ließ sich an der Akademie der TSG Hoffenheim weiter ausbilden. Nach sechs Jahren bei der TSG, wechselte Rieble 2016 zum VfL Bochum in die Zweite Bundesliga. Ab 2018 spielte er zweieinhalb Jahre bei Hansa Rostock. Im Sommer dieses Jahres wechselte der 25-Jährige erneut. In dieser Saison steht der Innenverteidiger mit der Rückennummer 27 für den VfB Lübeck auf dem Platz.

Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Gundi Woll spricht er über seine Zeit bei seiner Mutter in Gaggenau-Oberweier und seinem Vater in Baden-Baden während des ersten Lockdowns, über seinen Trainingsalltag, Geisterspiele und finanzielle Einbußen.

Herr Rieble, wie haben Sie den Beginn der Corona-Pandemie erlebt?
Rieble

Da war ich noch bei Hansa Rostock. Das Training haben wir schon vor dem ersten Lockdown eingestellt. Ich bin dann in die Heimat gefahren. Drei oder vier Tage später kam die Nachricht, dass es einen Lockdown gibt. Ich habe dann zwei Wochen bei der Familie in Oberweier und Baden-Baden verbracht. Wir haben vor allem Spiele gespielt. Man sollte sich ja nicht mit Freunden treffen. Das war schade, weil ich sehr weit weg von zuhause wohne und man sich nicht oft sieht.

Wie haben Sie sich fit gehalten?
Rieble

Ich habe Krafttraining gemacht. Wir haben zuhause eine Hantelbank und ein paar Gewichte. Und dann bin ich acht bis zehn Kilometer pro Tag gelaufen. Im Wald bei Oberweier bin ich Richtung Bischweier oder Bietigheim gerannt. Da gibt es auf der Höhe von Muggensturm einen Trimm-dich-Pfad.

Wie haben Sie die Zeit zwischen den beiden Lockdowns erlebt?
Rieble

Vor dem Saisonstart und meinem Wechsel nach Lübeck hatte ich eineinhalb Wochen, in denen ich frei hatte. In der Zeit wurden die Corona-Maßnahmen wieder gelockert. Da war ich noch einmal in der Heimat und konnte mich mit Freunden treffen: einem ehemaligen Schulfreund, bei dem ich immer abhänge, und Freunden aus der KSC- und Hoffenheim-Zeit.

Die Familie gewinnt in der Corona-Zeit an Bedeutung. Sie wohnen acht Autostunden entfernt von Ihren Eltern. Wie geht es Ihnen damit?
Rieble

Klar vermisst man die Familie. Aber ich bin ja schon mit 15 Jahren nach Hoffenheim in die Akademie gegangen und bin es von daher gewohnt, von zuhause weg zu sein. Hier in Lübeck habe ich meine Freundin, mit der ich zusammenwohne und meinen Hund. Das wichtigste ist, jetzt wo man nicht essen gehen kann und viel zuhause hockt, dass ich hier jemanden habe. Wenn ich nicht zur Familie kann, habe ich hier meine eigene kleine Familie.

Wie sieht Ihr Alltag aus und was hat sich seit Corona verändert?
Rieble

Wir trainieren ganz normal. Klar, man gibt sich nicht die Hand, man gibt sich die Faust. Ich bin nach dem Bruch meines kleinen Zehs wieder fit. Ich habe die ersten sieben Spiele gemacht. Einen Tag in der Woche haben wir frei. Zweimal in der Woche trainieren wir sogar zweimal am Tag. Auf das Coronavirus werden wir zweimal pro Woche getestet. Es gibt Richtlinien des DFB. Wir sind angehalten, Kontakte weitestgehend zu vermeiden. Jetzt kann man ja eh nicht viel machen. Man kauft ein, geht vielleicht mal zum Friseur und mehr Kontakte hat man dann auch nicht.

Gab es schon einen Corona-Fall in Ihrer Mannschaft?
Rieble

Vor dem Saisonstart gab es einen positiven Fall im Trainerteam beim VfB Lübeck. Am nächsten Tag war der Test zwar negativ. Der Betroffene musste dann aber trotzdem 14 Tage in Quarantäne, der restliche Trainerstab mehrere Tage. Für die Zeit haben wir einen Lauf- und Kraftplan bekommen. Und einer aus der Mannschaft hatte vor seinem Wechsel hierher Corona. Ihn hat es auch hart getroffen. Er lag fünf Tage mit Fieber flach. Der war mehrere Wochen komplett raus, konnte nichts machen. Die Ausdauer und die Kraft leiden dann schon. Deswegen ist man da sehr achtsam, dass man sich nicht infiziert.

Geisterspiele haben Sie in Ihren letzten Monaten in Rostock erlebt und seit dem zweiten Lockdown jetzt auch in Lübeck. Wie fühlt sich ein Spiel ohne Zuschauer an?
Rieble

Man hört die Mitspieler, den Trainer. Wir haben hier in Lübeck einen super Trainer, der auch qualitativ mal was reinruft. Ich hatte schon andere Trainer, da wäre es nicht so schön gewesen, wenn man alles gehört hätte. Aber natürlich ist es sehr schade, vor leeren Rängen zu spielen. Man kann sich nicht mit den Fans freuen, es fehlt die Unterstützung auf dem Platz. Gerade in den letzten zehn, fünfzehn Minuten in einem Spiel pushen die Fans noch einmal und man bekommt eine zweite Luft. Aber man muss es halt so annehmen. Dem einen tut es vielleicht ganz gut, weil er freier spielen kann, nicht so viel Druck verspürt. Dem anderen fehlen die Zuschauer, weil er nicht diesen Adrenalinschub hat.

Hatten Sie finanzielle Einbußen durch die Corona-Pandemie?
Rieble

Als der Spielbetrieb in der vergangenen Saison eingestellt wurde, war ich bei Rostock in Kurzarbeit. Uns hat das genauso getroffen wie andere. In Rostock und jetzt auch hier in Lübeck müssen wir auf einen Teil der Prämien verzichten.

Wie steht es finanziell um die Vereine der Dritten Liga?
Rieble

Die Dritte Fußball-Liga leidet sehr unter den Corona-Maßnahmen. Es wird ganz viel davon abhängen, wann wieder Zuschauer ins Stadion dürfen. Denn die Vereine finanzieren sich hauptsächlich über die Zuschauer-Einnahmen. Ich hoffe einfach, dass so schnell wie möglich wieder Zuschauer erlaubt sind und kein Verein von einer Insolvenz betroffen ist.

Wie werden Sie Weihnachten feiern?
Rieble

Das hängt davon ab, wie die Politik entscheidet, wie die Maßnahmen jetzt fruchten, ob die Zahlen zurückgehen. Man wird sehen, ob ich alleine mit meiner Freundin hier oben in Lübeck bleiben muss. Ich würde mich natürlich riesig freuen, wenn ich Weihnachten zuhause mit meiner Familie feiern könnte.

nach oben Zurück zum Seitenanfang