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Jährlich 500 Bodenproben

Landkreis Rastatt will bis Ende 2021 gesamtes Ausmaß der PFC-Belastungen kennen

Die Trefferquote liegt bei etwa 50 Prozent: Die Hälfte der Flächen, die im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden bislang auf PFC-Belastungen hin untersucht wurden, war tatsächlich belastet. Das gesamte Ausmaß der chemischen Verunreinigungen steht aber noch lange nicht fest. Das soll sich jetzt ändern.

Ein PFC-belasteter Acker bei Förch. Foto: Weller

Bis zum Ende des Jahres 2021 will der Landkreis Rastatt genau wissen, wie viele und welche Flächen in Mittelbaden mit per- und polyfluorierten Chemikalien verunreinigt sind. In der betroffenen Region sollen gesundheitsschädliche Chemikalien durch mutmaßlich verseuchten Kompost auf etliche Äcker gelangt und von dort ins Grundwasser gesickert sein.

Flächen, die bei Beprobungen eine Quotientensumme größer als 1 aufweisen, gelten als PFC-belastet. Weil aber nur anlassbezogen untersucht wird, ist nicht auszuschließen, dass noch weitere belastete Flächen entdeckt werden. Foto: LRA Rastatt

Weil nicht mehr genau nachvollzogen werden kann, wo der belastete Kompost überall ausgebracht wurde, müssen die Behörden jede Verdachtsfläche einzeln untersuchen. In den vergangenen Jahren wurden rund 1750 Hektar untersucht, von denen sich 877 Hektar als PFC-belastet herausgestellt haben. Die betroffenen Äcker liegen dabei wie ein Flickenteppich über die ganze Region verteilt – weswegen nicht ausgeschlossen werden kann, dass noch zahlreiche PFC-Flächen unentdeckt geblieben sind.

„Bis Ende 2021 wollen wir wissen, in welchem Ausmaß das PFC-Problem vorhanden ist“, sagte Landrat Toni Huber am Mittwoch beim PFC-Expertenforum der Stadtwerke Rastatt. Dafür sollen jährlich 500 Bodenproben genommen werden. 2019 seien es bislang 300 Bodenproben gewesen.

Mittelbaden sei zu einer Modellregion beim Umgang mit PFC geworden, so Huber. Die Chemikalien finden sich keineswegs nur rund um Rastatt: Bundes- und weltweit gibt es zahlreiche andere Fälle . „Ich bin überzeugt, dass die Belastungen in anderen Regionen uns zukünftig noch überraschen werden“, sagte Huber.

Der Landrat lobte Forschungsinitiativen und die länderübergreifende Zusammenarbeit, die sich auch seit Bekanntwerden des Rastatter Falls deutlich intensiviert habe. Es gebe aber noch einen großen Bedarf an wissenschaftlichen Untersuchungen – weil es beispielsweise noch keine gesetzlichen Grenzwerte für PFC im Trinkwasser gibt und die gesundheitlichen Auswirkungen der Chemikalien noch nicht klar sind . Deswegen forderte Huber: „Das zuständige Bundesministerium für Bildung und Forschung sollte zum Thema PFC einen Forschungsschwerpunkt einrichten.“

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Die Geschichte des größten Umweltskandals Deutschlands – mit seinen Hintergründen, gesundheitlichen Risiken, juristischen Folgen und persönlichen Schicksalen – erzählt dieses multimediale BNN-Dossier .

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