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Nach fast drei Jahrzehnten

Landrat-Sprecherin Gisela Merklinger geht in Ruhestand

Sie ist das Gesicht des Landratsamts Rastatt. Drei Jahrzehnte lang war Gisela Merklinger Pressesprecherin der Behörde und persönliche Referentin des Landrats. In Mittelbaden ist sie bekannt wie ein bunter Hund. Jetzt verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

Hielt den Amtsschimmel immer auf Abstand: Nach drei Jahrzehnten als Pressesprecherin des Landratsamts verabschiedet sich Gisela Merklinger in den Ruhestand. Foto: Katharina Ritscher

Ihre Karriere hat Gisela Merklinger auch ihrer großen Klappe zu verdanken. Als der damalige Landrat Werner Hudelmaier 1991 bei einem Essen mit Journalisten erklärte, die Suche nach einem neuen Pressesprecher gestalte sich schwierig, preschte die Radio-Redakteurin vor: „Ich wäre die richtige Frau.“

Merklinger meinte das als Scherz, aber mit einer Verwaltungsausbildung und ihrer journalistischen Erfahrung entsprach sie genau Hudelmaiers Wunschvorstellung. Am nächsten Tag klingelte ihr Telefon. Der Landrat war dran.

Neugierig, spontan — und manchmal eben auch ein bisschen vorlaut. Diese Wesenszüge hat sich Merklinger bis heute erhalten. Der Anruf Hudelmaiers ist mittlerweile fast 30 Jahre her. Am 1. April 1991 heuerte sie als Pressesprecherin und persönliche Referentin des Landrats im Landratsamt Rastatt an. Jetzt verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Am Freitag ist ihr letzter Arbeitstag. Ihr Nachfolger, der ehemalige BNN-Redaktionsleiter Michael Janke, ist schon seit September an Bord.

Sicherlich war ich manchmal eine unbequeme Nervensäge.
Gisela Merklinger / Pressesprecherin

Den Amtsschimmel hat Merklinger immer ganz weit auf Abstand gehalten. Auf die Idee, Akten von einer Seite des Schreibtischs auf die andere zu schieben, wäre die Murgtälerin nie gekommen. Der Duden kennt das Wort „Soforterledigung“ zwar nicht, Merklinger prägte es trotzdem. Für Journalisten bedeutete das: Immer gut vorbereitet sein. Wer sie anrief mit der Bitte, demnächst mal mit dem Landrat sprechen zu wollen, hatte den Chef nicht selten nur Sekunden später in der Leitung - und musste die richtigen Fragen parat haben.

Merklinger weiß, dass Journalisten immer alles möglichst schnell wissen wollen. Ihre Kollegen im Landratsamt musste sie Anfang der 90er Jahre erst dazu erziehen. Das war nicht immer einfach. Der Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hatte im öffentlichen Dienst noch keinen hohen Stellenwert. Merklinger leistete Überzeugungsarbeit, auch mal auf unbequeme Art und Weise: „Ich musste immer Dampf machen und sicherlich war ich manchmal auch eine unbequeme Nervensäge.“

Die Arbeit des Amts ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt

Ihr kam zugute, dass sie beide Seiten kannte. Nach einer Verwaltungsausbildung leitete sie zunächst das Kulturamt der Stadt Gaggenau. Dort gestaltete sie ein sehr fortschrittliches Programm, unter anderem mit spektakulären Ausstellungen von Künstlern wie Dali, Hundertwasser oder Chagall. Sie organisierte Spieleabende für Erwachsene und stellte das erste Kinder-Ferienprogramm auf die Beine. Merklinger lernte Persönlichkeiten wie Ephraim Kishon, Howard Carpendale oder Costa Cordalis kennen.

Obwohl ihr diese Aufgabe große Freude bereitete, zog es sie 1986 in den Journalismus. Bei Radio Merkur wurde sie zur Redakteurin ausgebildet und blieb dem Sender treu, bis jenes schicksalhafte Presseessen ihr Leben änderte. Mit diesem beruflichen Hintergrund schaffte sie es, die Uhren im Landratsamt in Sachen PR neu zu stellen. „Mit meiner Verwaltungserfahrung konnte ich in relativ kurzer Zeit Vorbehalte ausräumen“, sagt sie.

Die Kollegen hätten bald erkannt, dass sie nicht nur ein Dienstleister für die Presse war, sondern auch die Arbeit der Behörde ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte.

Die Zusammenarbeit mit ihr war einfach klasse.
Jürgen Bäuerle / Ehemaliger Landrat

Nur als Sprachrohr des Landratsamts zu agieren, war ihr zu wenig. Merklinger mischte sich ein - auch nach innen. Sie brachte ihre und die öffentliche Meinung ins Verwaltungsgeschehen ein und sprach auf höchster Ebene mit. Und auch die Landräte ließ sie sprechen: in Form hunderter Reden, die sie für ihre Vorgesetzten verfasste.

Die symbiotische Verbindung zwischen Chefsessel und Pressestelle macht das Amt des Sprechers und persönlichen Referenten nicht selten zu einem Schleudersitz. Als Jürgen Bäuerle 2005 die Nachfolge Hudelmaiers antrat, wäre es durchaus üblich gewesen, wenn er seinen eigenen Sprecher mitgebracht hätte. Doch als Bürgermeister von Bühlertal und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion kannte Bäuerle Merklinger schon viele Jahre und wusste, was er an ihr und ihren besten Verbindungen in die mittelbadischen Medienhäuser hatte.

Er erinnert sich: „Es war für mich bei meinem Amtsantritt klar, dass ich mit Frau Merklinger zusammenarbeiten möchte.“ Sie habe ihren Beruf gelebt und geliebt. Als Stimme des Landrats und des Landratsamtes habe sich Merklinger mit viel Herzblut vom Scheitel bis zur Sohle mit ihrer Aufgabe identifiziert. „Die Zusammenarbeit mit ihr war einfach klasse“, sagt Bäuerle.

Bei der ersten Stadtbahnfahrt im Führerhaus

Auch der aktuelle Landrat Toni Huber setzte auf Merklinger. Die beiden sind schon seit Jahren freundschaftlich verbunden. „Es fiel mir daher leicht, mich auch dienstlich schnell an ihre beherzte Arbeitsweise zu gewöhnen: Sie traf in ihren Formulierungen immer meinen Ton, war mir in der Einschätzung von Entwicklungen eine wichtige Ratgeberin und vertrat unsere Behörde ebenso fachlich fundiert wie auch menschlich sympathisch in der Öffentlichkeit“, sagt Huber.

Mehr könne man sich von einer persönlichen Referentin gar nicht wünschen. Ihr Abgang sei nicht einfach: „Mich von ihr zu verabschieden, wird mir schwerfallen.“

Im Kreis ihres Chef-Trios: Gisela Merklinger war Referntin der Landräte Jürgen Bäuerlen, Toni Huber und Werner Hudelmaier (von links). Foto: Katharina Ritscher

Mit in den Ruhestand nimmt Merklinger die Erinnerung an viele Glücksmomente. Als die erste Stadtbahn von Karlsruhe nach Freudenstadt fuhr, stand sie mit Nahverkehrspapst Dieter Ludwig im Führerhaus. Sie war beim ersten Flug am Baden-Airpark dabei und begleitete den Bau des neuen Landratsamts. Aber natürlich gab es auch Tiefpunkte, die ihr den Schlaf raubten. Vor allem die letzten Dienstjahre hatten es mit Flüchtlingskrise und PFC-Skandal in sich. Und jetzt auch noch Corona.

Das Virus hat Merklinger nicht nur viele Nerven gekostet und Arbeit beschert, sondern verhagelt ihr auch noch die Abschiedsfeier. Den Ausstand in angemessener und großer Runde musste sie abblasen. Stattdessen hat sie eine E-Mail verschickt. Betreff: „Merklinger sagt leise Servus.“ Dabei hätte der Abschluss ihrer Landratsamts-Laufbahn genauso aussehen sollen wie der Beginn damals auf der Party mit Hudelmaier. Gesellig, fröhlich und mit großer Klappe.

Aber wer sie kennt, der weiß: Sobald Corona endlich vorüber ist, wird die Feier nachgeholt.

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