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Naturschutz-Bedenken

Nabu sieht wegen Umbau an der Anschlussstelle Rastatt-Nord Wildtiere in Gefahr

Nabu-Vertreter Wolfgang Huber fordert bei einer Exkursion Gründurchlässe für Tiere in Rastatt. Im Gegensatz zur Anschlussstelle Rastatt-Nord sei der Radschnellweg kein Problem. Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Hentschel sagt Unterstützung zu.

Exkursion mit Thomas Hentschel (rechts): Wolfgang Huber (Mitte) erläutert Auswirkungen auf Tiere. Moritz Dekorsy (links) spricht über den Radschnellweg. Foto: Nora Pallek

Wie ist der geplante Kleeblatt-Umbau an der Anschlussstelle Rastatt-Nord unter Naturschutzaspekten zu bewerten? Um sich selbst ein Bild zu machen, hat der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel zu einer Exkursion nach Muggensturm eingeladen – nicht zuletzt mit Blick auf den umstrittenen Rückbau der Kreisstraße 3728, der Muggensturm einen direkten Autobahnanschluss garantiert.

Gekommen sind Wolfgang Huber, Vorsitzender der Naturschutzbund-Gruppe Murgtal (Nabu), der das Straßenbauprojekt aus Sicht der Tierökologie bewertete, sowie Moritz Dekorsy vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Der Experte für den Radschnellweg von Karlsruhe nach Bühl wollte wissen, ob naturschutzrechtliche Bedenken bestehen, die Radtrasse durch das Dreieck zwischen der B36/B3, der B462 und dem Ostzweig der Rheintalbahn zu führen und so eine kreuzungsfreie Verbindung bis zum Rastatter Bahnhof zu ermöglichen.

Nabu-Vertreter fordern Unterführung oder Grünbrücke bei Anschlussstelle Rastatt-Nord

Genau in diesem Bereich fand sich die kleine Gruppe zur Exkursion zusammen. Huber führte die Teilnehmer zum Hirschgrund. Auf dem Feuchtgebiet nördlich der Autobahn in der Nähe des Federbachs lebt eine Wildpopulation, die vom Ausbau der Autobahn-Anschlussstelle stark betroffen wäre, wie Huber erläuterte.

„Wenn das Kleeblatt so umgesetzt wird wie aktuell geplant, dann würde das die Wanderung der Rehe entlang des Federbachs völlig unmöglich machen. Der Ötigheimer Wald als wichtiges und artenreiches Refugium wäre nach Osten völlig abgeriegelt“, sagte Huber.

Noch enger werde es künftig für die Tiere, wenn die geplante Photovoltaik-Anlage in Ötigheim und das neue Baugebiet in Muggensturm fertiggestellt seien. Der Nabu-Vertreter forderte daher eine Unterführung oder eine Grünbrücke, die den Wildtieren eine Querung der Autobahn ermöglicht.

Ich bin bereit, mit dem Regierungspräsidium die Auseinandersetzung zu suchen.
Wolfgang Huber, Vorsitzender Nabu Murgtal

Der Durchlass könne auch nördlich des Kleeblatts gebaut werden. „Ich bin bereit, mit dem Regierungspräsidium die Auseinandersetzung zu suchen. Wenn es sein muss bis vor Gericht“, zeigte sich Huber kampfbereit. Er kritisierte auch die von der Behörde geplante Verlegung des Federbachs, die eine Austrocknung des Gewässers zur Folge haben könnte.

Keine Bedenken bezüglich des Radschnellwegs von Karlsruhe nach Bühl

Keine Bedenken hatte der Nabu-Vertreter bezüglich des Radschnellwegs. Dieser stelle für das Wild keine Gefahr da. Seiner Ansicht nach ist es für die Tiere auch nicht von Bedeutung, ob die Kreisstraße 3728 bleibt oder wegkommt. Der Rückbau sei aber keinesfalls als Ausgleich für die baulichen Eingriffe im Hirschgrund geeignet.

Ein Trockengebiet könne kein Feuchtgebiet aufwiegen. Wolfgang Huber beanstandete auch, dass das Regierungspräsidium nicht die Planung für die gesamte Baumaßnahme veröffentliche, sondern eine „Salami-Taktik“ betreibe, die einen Überblick über den Gesamteingriff unmöglich mache.

Auch im Süden von Rastatt wird für Tiere alles dicht gemacht

Der Nabu-Vertreter verwies auf weitere „Sünden“ in Rastatt, die sich zu einer „verheerenden Gesamtwirkung“ auf den ökologisch bedeutsamen Raum summierten. So werde auch im Süden der Stadt für die Tiere alles dicht gemacht. Schuld sei der Bau der B3 neu und die Errichtung von Lärmschutzwänden entlang der neuen Bahntrasse zum Schutz des Münchfelds. Huber forderte daher, auch im Süden einen Tierwanderweg einzurichten.

Bei Thomas Hentschel fand der Nabu-Vertreter ein offenes Ohr. Der Landtagsabgeordnete sprach sich angesichts der mehrfachen Durchschneidungen des Rastatter Grünzugs für eine ganzheitliche Betrachtung aller Baumaßnahmen aus. Der Abgeordnete sagte zu, auf das Regierungspräsidium zuzugehen.

Man sollte genau prüfen, wie man einen Durchlass für die Tiere schaffen kann.
Thomas Hentschel, Landtagsabgeordneter

„Man sollte genau prüfen, wie man einen Durchlass für die Tiere schaffen kann. Und wenn wir dann noch einen kreuzungsfreien Radweg nach Rastatt hinbekommen, würde ich mich sehr freuen.“ Die Planungen für den Radweg ständen jedoch noch am Anfang. ADFC-Vertreter Dekorsy begrüßte die positiven Signale. Die aktuelle Verkehrsführung an der Kreuzung B462/B3/B36 sei für Radfahrer „eine Zumutung“.

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