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„I hätt do mol e frog“

Weshalb wurden die Bahnsteige in Muggensturm versetzt angeordnet?

Im Herbst 2014 bekam die Gemeinde einen zweiten Stadtbahnhaltepunkt. Fast eine Million Euro kostete allein die Fußgängerbrücke, die die versetzen Bahnsteige verbindet. Wäre das nicht auch anders gegangen?

Peter Kettner auf der blauen Fußgängerbrücke Foto: Ralf Joachim Kraft

Vor sechs Jahren hatte das lange Warten ein Ende. Seit Herbst 2014 verfügt die Gemeinde Muggensturm neben dem Stadtbahnhaltepunkt am Bahnhof über einen zweiten Stadtbahnhaltepunkt in der Veritasstraße im Bereich einer Bahnunterführung, die den nördlichen Teil des Wohngebietes am Kaltenbachsee mit dem östlichen Industriegebiet verbindet.

Vom Haltepunkt „Muggensturm Badesee“ aus geht’s seit dem Fahrplanwechsel 2014/15 auf der einen Seite in Richtung Karlsruhe und auf der anderen Seite in Richtung Rastatt. Zugänge zu den Bahnsteigen wurden mittels Rampen, Treppen, einer neuen Fußgängerbrücke und einer alten, wieder in Schuss gebrachten Fußgängerunterführung geschaffen.

Jedes Mal wenn der Muggensturmer Peter Kettner im Bereich dieses seit 2009 geplanten und im Zuge der Streckensperrung Karlsruhe – Rastatt für mehr als zwei Millionen Euro gebauten Haltepunktes unterwegs ist, stellt er sich dieselbe Frage: „Weshalb wurden die Bahnsteige eigentlich versetzt angeordnet?“ Denn nur dadurch, so sagt der pensionierte Lehrer des Rastatter Ludwig-Wilhelm-Gymnasiums, sei die teure Fußgängerbrücke über die Veritasstraße als Verbindung zwischen dem Park-and-Ride-Platz und dem Bahnsteig in Richtung Karlsruhe notwendig geworden. Und darin sehe er eine Verschwendung von Steuergeldern, sagt Kettner.

Für seine Anfrage nutzte der 70-Jährige die Leserfragen-Plattform „I hätt do mol e Frog“. Beim Gespräch vor Ort erklärt der ehrenamtliche Betreuer des Wohnmobilabstellplatzes, der ebenfalls ehrenamtlich im Verkehrsmuseum Karlsruhe tätig ist, dass seiner Meinung nach beide Bahnsteige im Bereich hinter dem Kaltenbachsee Platz gehabt hätten. Schließlich betrage der Abstand vom Zaun bis zum Gleis gut 15 Meter. Die kleine Fußgängerunterführung hätte bei einer solchen Lösung als Verbindung gereicht.

Fußgängerbrücke kostete fast eine Million Euro

Die gut 30 Meter lange, knapp drei Meter breite und fast eine Million Euro teure Fußgängerbrücke, die er als „das blaue Wunder von Muggensturm“ bezeichnet, wäre bei dieser Anordnung der rund 115 Meter langen Bahnsteige ebenso überflüssig gewesen wie der Radunterstand oder die kleine Treppe. Wer Karten kaufen wolle, könne dies nur am Bahnsteig in Fahrtrichtung Karlsruhe, denn am Bahnsteig schräg gegenüber in Fahrtrichtung Rastatt gebe es keinen fest installierten Automaten.

Auf Anfrage dieser Zeitung teilt die Deutsche Bahn mit, dass die Planung und Realisierung des Haltepunkts „Muggensturm Badesee“ seinerzeit durch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) erfolgte. Dass der südliche Bahnsteig versetzt gebaut wurde, lag nach Auskunft eines Bahnsprechers hauptsächlich daran, „dass westlich der Personenunterführung ein Überholgleis liegt, an das man keinen Bahnsteig bauen konnte.

Gemeinschaftliche Entscheidung von AVG, Bahn und Gemeinde

Außerdem erschien der Bau eines Bahnsteigs auf südlicher Badeseeseite ungeschickt, da dort der Hauptgehweg und ein Radweg seitens der Kommune vorgesehen waren. Daher hätten sich damals die AVG, die Deutsche Bahn und die Gemeinde gemeinsam für die versetzen Bahnsteige entschieden.

Der Muggensturmer Hauptamtsleiter Claus Gerstner weist im Gespräch mit dieser Redaktion darauf hin, dass die Weichen hätten umgebaut werden müssen, „und das hätte unverhältnismäßig viel gekostet“. Als weiteren Grund nennt er die Grundstückseigentümersituation. „Teilgrundstücke, die man für gegenüberliegende Bahnsteige gebraucht hätte, befanden sich in Privateigentum“, erklärt Gerstner, der außerdem auf einen großen Vorteil der versetzt angeordneten Bahnsteige hinweist: „Die Fahrgäste laufen nicht über die Schienen, um zum Bahnsteig gegenüber zu gelangen.“

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