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Hornissen-Fachberater im Einsatz

Nest der Asiatischen Hornisse bei Ottersdorf entfernt

Sie sind kleiner und dunkler als ihre heimischen Verwandten, bauen ihre Nester hoch oben in Bäumen – und sie haben eine Leibspeise: Die invasiven „Asiatischen Hornissen“ fressen Honigbienen.

Bernhard Unser sägt in luftiger Höhe den Ast mit dem Hornissen-Nest ab. Die Tiere wurden zuvor mit Kohlendioxid betäubt. Foto: Hans-Jürgen Collet

Mit Hornissenvölkern, die ihre Nester mangels Baumhöhlen in Rolladenkästen oder Dächern gebaut haben und umgesiedelt werden müssen, hat es Bernhard Unser des Öfteren zu tun. Aber ein Einsatz wie am Freitagmorgen in Ottersdorf hat für den 54-jährigen Niederbühler noch Seltenheitswert.

„Eigentlich ist das ein Job für einen Schädlingsbekämpfer. Meine Aufgabe ist es nicht, Hornissen zu töten, sondern diese weitgehend friedfertigen Insektenjäger zu retten“, sagt Unser, der seit 2011 als ehrenamtlicher „Fachberater für Hornissenschutz“ beim Landkreis Rastatt tätig ist.

Der Fund, den er an diesem Morgen bekämpfen muss, befindet sich hoch oben in einem Baum und hat etwa die Größe eines Basketballs. Die Fluginsekten aus der Familie der Faltenwespen haben ihr Nest in einem Waldstück beim Ottersdorfer Wasserwerk errichtet.

Hornissen aus Südostasien bereiten den Imkern in der Region Sorgen

Es handelt es sich nicht um heimische Hornissen, die zu den besonders geschützten Arten zählen, sondern um ihre etwas kleineren und deutlich dunkler gefärbten asiatischen Verwandten. Die Ausbreitung der aus Südostasien eingeschleppten invasiven Art bereitet vor allem den Imkern Sorge. Denn die Leibspeise der Asiatischen Hornissen sind Honigbienen, die sie in der Luft fangen und teils an den Nachwuchs verfüttern.

Sie können ganze Bienenvölker wegfressen.
Bernhard Unser, Hornissenfachberater

„Sie können ganze Bienenvölker wegfressen“, berichtet Unser und teilt mit, dass die erstmals 2004 in Südfrankreich entdeckte Art sich seit einigen Jahren auch in Deutschland immer weiter ausbreite. 2014 kam sie über den Rhein, wurde in der Nähe von Karlsruhe nachgewiesen und ist jetzt in Rastatt angekommen.

Denn, so der Fachberater: „Vor drei Wochen hatten wir bereits ein Nest unweit des Gasthauses Hopfenschlingel, ebenfalls hoch oben in einem Baum. Auf dieses hier hat uns der Ottersdorfer Ortsvorsteher Stefan Lott aufmerksam gemacht. Solche Funde müssen gemeldet werden.“

Die invasiven „Asiatischen Hornissen“ sind kleiner und dunkler als ihre europäischen Verwandten. Foto: Hans-Jürgen Collet

Hobbyfotograf Lott erzählt, dass er zufällig bei einem Waldspaziergang darauf gestoßen sei. „Ich dachte zuerst, dass es sich um ein Vogelnest handelt und habe mit dem Teleobjektiv draufgehalten.“ So kam heraus, dass es sich um ein Nest der Asiatischen Hornissen handelt. Darin können laut Unser mehrere tausend Tiere leben – und damit deutlich mehr als in den Nestern heimischer Hornissen, „da sind es etwa 500 bis 1.000 Individuen“.

Eigentlich ist das ein Job für einen Schädlingsbekämpfer.
Bernhard Unser, Hornissenfachberater

Unterstützt von zwei Angehörigen der Ottersdorfer Feuerwehr, die mit der Drehleiter angerückt sind, hat der Fachmann jetzt die Aufgabe, das Nest zu entfernen und das Volk zu vernichten. Der 54-Jährige steckt in einem weißen Schutzanzug.

Der Feuerwehrmann, der mit ihm auf der Arbeitsplattform der Drehleiter steht, trägt einen Feuerwehrschutzanzug inklusive Helm, Gesichtsschutz und Sturmhaube. Nicht ohne Grund. Denn im Nest der Hornissen ist an diesem milden Novembertag noch außergewöhnlich viel los und die Tiere mögen es nicht, wenn man ihre Ruhe stört. Etliche der rasanten Flieger sausen den beiden um die Ohren.

Sie stechen im Normalfall nur zu, wenn sie sich oder ihr Nest, das nur für eine Saison bewohnt wird, bedroht fühlen. Der Feuerwehrmann hält einen CO2-Löscher in Richtung des Nestes und nebelt es ein. Das Kohlendioxid betäubt die Tiere.

Im Anschluss sägt Unser den Ast mit der kunstvoll aus morschem Holz gebauten Kugel ab und packt das Nest in einen Sack, „bevor es bei mir zu Hause in die Gefriertruhe kommt – auch deshalb, weil das Regierungspräsidium Karlsruhe noch einige Exemplare benötigt“, erklärt der Fachmann, der nicht davon ausgeht, dass es gelingen wird, diese invasive Art ganz zu vertreiben.

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