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Katholiken können mitgestalten

Neue Großpfarrei Rastatt: Dekanat lädt am 13. Mai zu Zukunftswerkstatt ein

Den Weg zur neuen Großpfarrei sollen alle Katholiken im Dekanat Rastatt mitgestalten können. Dazu gibt es eine Zukunftswerkstatt.

Hier ein Blick auf die katholische Stadtkirche St. Alexander in Rastatt.
Dekan Ulrich Stoffer hebt die Citypastoral-Angebote von St. Alexander Rastatt hervor. „Wo Engagement vorhanden ist und Glaube gelebt wird, sollte das auf jeden Fall ins neue Konzept einfließen", sagt er. Foto: Ralf Joachim Kraft

Wie soll die katholische Kirche in der zukünftigen Pfarrei Rastatt im Jahr 2026 aussehen? Wie kann Glaube zeitgemäß und überzeugend gelebt werden?

Gemeinsam mit allen, die solche und ähnliche Fragen umtreiben, möchten das Team der lokalen Projektleitung und die Projektkoordinatoren Markus Westermann und Dekan Ulrich Stoffers Kirche gestalten.

Dazu findet am Samstag, 13. Mai, von 9 bis 12.30 Uhr im Gemeindezentrum Herz-Jesu (Stadionstraße 3) in Rastatt eine Zukunftswerkstatt statt. Eingeladen sind alle aus den Kirchengemeinden Durmersheim-Au am Rhein, Iffezheim-Ried, Rastatt, Südhardt-Rhein und Vorderes Murgtal.

Herr Stoffers, bei der Zukunftswerkstatt Kirche 2030 sollen Katholiken daran mitwirken, ihre Kirche zu gestalten. Das wirkt für die katholische Kirche ungewohnt demokratisch. Ist es das tatsächlich auch?
Stoffers

Ja, das Stichwort lautet Subsidiarität. Es ist ein Grundprinzip des Kirchenentwicklungsprozesses 2030, dass man möglichst viele Dinge vor Ort klären und gestalten soll. Es gibt dabei Ressourcen, die von der Diözese zur Verfügung gestellt werden, wie hauptamtliches Personal und finanzielle Möglichkeiten, aber die Schwerpunktsetzungen sollen lokal und nach den örtlichen Möglichkeiten und Gegebenheiten gestaltet werden. Das ist vonseiten der Bistumsleitung schon eine ganz neue Herangehensweise.

Da schaut also Freiburg nicht noch mal drüber und sagt dann nachher, das geht aber nicht?
Stoffers

Für die Großpfarrei wird es eine Gründungsvereinbarung geben, auf die Freiburg schauen wird. Denn es gibt natürlich Dinge, die Grundauftrag der Kirche sind. Wir könnten beispielsweise keine Taufen oder Beerdigungen abschaffen. Doch die sinnvollen Schwerpunktsetzungen, die nachher dann auch die Qualität und die Zufriedenheit mit der künftigen Struktur ausmachen, sollen Ehren- und Hauptamtliche aus den Gemeinden der künftigen Großpfarrei gemeinsam definieren. Das kann in der einen Gemeinde die Flüchtlingsarbeit sein und in der anderen die Kirchenmusik, Krankenhäuser oder Kurkliniken.

Das heißt, bei der Zukunftswerkstatt kann jeder mitmachen?
Stoffers

Wir laden unsere Gruppierungen und Gremien ein, also beispielsweise Gemeindeteams, aber auch Hauptamtliche. Letztendlich kann aber jeder mitwirken, der Interesse hat, und kann sich gerne zum Anwalt eines Themas machen. Wir gehen offen in diesen Prozess, der auch für uns etwas Neues darstellt, und hoffen auf eine große Beteiligung.

Gläubige werden sich von Gebäuden und lieb gewonnenen Gewohnheiten, vom eigenen Pfarrer für jede Pfarrei und vielem mehr verabschieden müssen. Wo sehen Sie die Knackpunkte?
Stoffers

Es geht vor allem darum, ein gemeinsames Dach an Strukturen, von Verwaltung und Gremien zu schaffen. Dabei dann die richtigen Schwerpunkte zu setzen, darauf kommt es nun an. Es wird auch nicht so sein, dass zum 1. Januar 2026 alle Pfarrer abgezogen werden. Wir sprechen viel von geprägten Orten. Es ist klar, dass man beispielsweise eine Wallfahrtskirche wie Maria Bickesheim nicht gleich behandeln kann wie eine andere Kirche in der gleichen Größe, die nicht diesen Status als geistliches Zentrum seit Jahrhunderten hat. Oder St. Alexander Rastatt mit den Citypastoral-Angeboten. Wo Engagement vorhanden ist und Glaube gelebt wird, sollte das auf jeden Fall ins neue Konzept einfließen. Es macht keinen Sinn, Tabula rasa zu machen und ohne Sinn und Verstand alles neu zu verteilen. Aber wir müssen auch davon wegkommen, Angebote aufrechtzuerhalten, die nicht mehr lebendig oder attraktiv sind.

Wie sieht es da mit den Volksschauspielen Ötigheim aus? Historisch bedingt sind Pfarrer und Bürgermeister Vorsitzende des Vereins. Nun geht Pfarrer Erich Penka in den Ruhestand. Wie kann es weitergehen?
Stoffers

Ja, da kündigt sich eine Zäsur an. Wir sind mit den Volksschauspielen im Gespräch, um eine zeitgemäße Verbindung hinzubekommen zwischen politischer Gemeinde, Kirchengemeinde und den vielen Engagierten. Auch der Trägerverein der Volksschauspiele beschäftigt sich derzeit intensiv mit dem Thema. Wir sind froh, dass wir da eingebunden sind. Denn es ist auch von Freiburg gewünscht, sich da weiterhin personell zu engagieren.

Wie wird die Zukunftswerkstatt am 13. Mai gestaltet?
Stoffers

Wir schlagen vor, Themen zu definieren und dann Arbeitsgruppen mit Themenschwerpunkten zu bilden. Natürlich können sich die Anwesenden dann auch weitere Helfende suchen oder es gibt zu einzelnen Themen noch mal größere Veranstaltungen. Es ist der Auftakt zu einem Prozess, für den wir kein fertiges Konzept haben, und der uns bestimmt ein bis zwei Jahre beschäftigen wird. Aber es soll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass ein paar wenige irgendwas ausarbeiten und die anderen müssen dann damit leben.

Was wissen Sie schon konkret über die Rahmenbedingungen?
Stoffers

Von Freiburg gibt es relativ schlanke Vorgaben, die sich wie schon gesagt auf kirchliche Grundaufgaben beziehen. Das heißt aber auch, dass wir nun gefordert sind, die Kirche der Zukunft selber zu gestalten. Aber es kann jetzt beispielsweise bei der Zukunftswerkstatt keine Arbeitsgruppe „Frauen im Priestertum“ gegründet werden, das gibt das Kirchenrecht nicht her.

Schade eigentlich.
Stoffers

Aber man sollte durchaus die Chance wahrnehmen, Kirche nun wirklich mitgestalten zu können, auch wenn es mit Arbeit verbunden ist. Eine solche Chance gab es noch nie. Und ich glaube schon, dass man damit nach und nach auch einen Bewusstseinswandel schaffen kann. Das ist ja die Chance, die die Großpfarrei auch bietet: Die Pfarreileitung mit einem Priester ist dort angesiedelt, was bedeutet, dass auf Gemeindeebene die Leitungsstruktur flexibler sein und bevorzugt durch Ehrenamtliche, natürlich gerne auch Frauen, erfolgen kann. Das ist schon ein Paradigmenwechsel...

...der natürlich auch dem Priestermangel geschuldet ist. Hoffentlich finden sich dann Ehrenamtliche dafür.
Stoffers

Man kann als Amtskirche nur Angebote machen und Rahmenbedingungen schaffen: Wenn es aber keine Leute gibt, die sich vor Ort einbringen wollen, egal ob Jugendarbeit, Kirchenchor oder Gemeindeleitung, dann ist es für sie offenbar auch nicht wichtig genug. Genau darum geht es ja nun im Kirchenentwicklungsprozess. Da wo Christen ihren Glauben leben, braucht es eine Struktur, die sich von unten aufbaut. Die Leute machen das ja nicht dem Pfarrer zuliebe. Hoffe ich mal.

Manche wohl schon.
Stoffers

Das mag sein. Aber auch das gehört dann zu den überkommenen Vorstellungen, die es jetzt über Bord zu werfen gilt. Moderne Kirche wird so nicht funktionieren.

Da fragt man sich, wie es in der Großpfarrei in zehn Jahren aussehen wird?
Stoffers

Das weiß ich auch nicht. Aber sicher wird es so sein, dass man für manche Angebote, die einen interessieren, auch mal zwei Orte weiter fahren muss und Dinge sterben, für die sich niemand mehr engagieren will. Das ist schmerzhaft, aber man kann es ja auch in Vereinen beobachten. Ein flächendeckendes Angebot auch an Gottesdiensten oder zu kirchlichen Festen wird es dann sicher nicht mehr geben. Aber das muss nicht negativ sein, sondern man kann sicher auch manches abwerfen, was nur noch Last bedeutet und eigentlich nicht mehr angenommen wird.

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