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Ganz legal Sprayen

Jugendliche gestalten Bauwagen in Ötigheim mit Graffitis

Mit einem von der Gemeinde beauftragten Jugendprojekt setzt sich der Künstlerkreis Ötigheim für den Sprayer-Nachwuchs ein.

Lernen vom Profi: Workshop-Leiter Marco Billmaier mit Leopold und Emil Gießler sowie Philipp Kühnrich (von links) bei der Gestaltung des Bauwagens.
Lernen vom Profi: Workshop-Leiter Marco Billmaier mit Leopold und Emil Gießler sowie Philipp Kühnrich (von links) bei der Gestaltung des Bauwagens. Foto: Chris Heinemann

Außerhalb von Fachkreisen gilt Graffiti eher als illegale Sachbeschädigung denn als ernst zu nehmende Kunstform. Anders in Ötigheim, wo nicht nur die Gemeinde die Bahnhofsunterführung von einem auswärtigen Künstlerkollektiv gestalten ließ, sondern sich auch der örtliche Künstlerkreis (KKÖ) für legale Betätigungsfelder heranwachsender Sprayer-Aktivisten engagiert. Zum Beispiel mit der Gestaltung eines Bauwagens für die geplante Pumptrack-Anlage.

Im Hof der KKÖ-„Kunstscheune“ stehen an einem Vormittag während der Fasnachtsferien drei Jugendliche zwischen kartonweise ausgebreiteten Farbsprühdosen und lauschen Marco Billmaier. „Wenn du einen Strich ziehen willst, kommst es darauf an, wie weit du vom Objekt weg bist“, erläutert der Workshop-Leiter.

Bauwagen in Ötigheim soll künstlerisch gestaltet werden

„Bist du zu nah dran, läuft die Farbe runter, bist du zu weit weg, wird der Strich unscharf.“ Mit geübtem Dosengriff überträgt der Profi die Vorzeichnung eines Schriftzugs auf die Wand des Anhängers. Ringsherum ist das Hofpflaster gegen Farbspritzer mit Filzplanen abgedeckt.

Die mobile Behausung soll nach Fertigstellung der Pumptrack-Anlage am Ötigheimer Sportgelände den Jugendlichen bei widrigem Wetter als Unterschlupf dienen. Ein Pumptrack ist eine nach dem Anlauf mit Rad, Roller, Skateboard oder Inlinern im Stehen nur mit pumpenden Auf- und Abwärtsbewegungen zu durchfahrende Rundstrecke. 

„Im Rahmen der Kinder- und Jugendbeteiligung wurde an die Gemeinde der Wunsch nach einer solchen Anlage mit Bauwagen herangetragen“, sagt die Ötigheimer Hauptamtsleiterin Eva Kühn und ergänzt: „Ein Termin für die Fertigstellung steht noch nicht fest.“

Um den alten Bauwagen des Bauhofs künstlerisch zu gestalten, beauftragte die Gemeinde Volker Kirst vom KKÖ mit einem Jugendprojekt. Mit Zustimmung der Vereinsmitglieder wurde der Graffiti-Künstler engagiert. Die Kosten trägt die Gemeinde.

Schutzmasken schützen vor Dämpfen und Lösungsmittel

Nach Klärung technischer Details, ein paar Worten zum Ehrenkodex der Sprayer-Szene über Respekt gegenüber Werken anderer Graffiti-Künstler sowie einer Einigung über die Bildmotive legt das Quartett los. Alle tragen Schutzmasken und Handschuhe gegen giftige Dämpfe und Lösungsmittel.

„Die Maske ist eure Lebensversicherung“, mahnt der Workshopleiter. Zur Mittagspause sind die Graffitis in ihren Grundzügen bereits erkennbar. Der Nachmittag vergeht mit verschönernden Detailarbeiten.

Am meisten Spaß gemacht habe ihm, einem Profi-Künstler bei der Arbeit zuzuschauen, sagt der 16-jährige Philipp Kühnrich nach der fünfstündigen Sprühaktion. Er habe jetzt ein Gefühl dafür, wie man Schatten und Lichtreflexe erzeugt, fasst der 13-jährige Emil Gießler seine neuen Erkenntnisse zusammen.

Und sein 15-jähriger Bruder Leopold fügt hinzu: „Ich denke, wir haben mit der gemeinsamen Aktion gezeigt, dass Kunst nicht nur für die Älteren, sondern auch für die Jugend da ist, und man durch Kunst auch neue Freunde finden kann.“

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