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Start am 12. Juni

Volksschauspiele Ötigheim werden Corona-Modellprojekt und dürfen vor mehr Zuschauern stattfinden

Der Versuchsballon darf abheben: Als eines von 19 Modellprojekten in Baden-Württemberg dürfen die Volksschauspiele Ötigheim im Theatersommer 2021 mehr Zuschauer begrüßen als die aktuelle Landesverordnung dies vorsieht.

Knapp 900 statt nur 250 Besucher: Die als Modellprojekt ausgewählten Volksschauspiele dürfen bereits zur Premiere der Komödie „Das Haus in Montevideo“ (Regie: Matthias Götz) deutlich mehr Zuschauer begrüßen als ursprünglich geplant. Foto: Lukas Tüg

Gute Nachrichten für das Freilufttheater im Telldorf: Wie die BNN bereits vermeldetet, gaben am Wochenende das Sozialministerium und die Kommunalen Landesverbände vorläufig grünes Licht für 19 Modellprojekte aus den Bereichen Kultur, Kinder- und Jugendarbeit, Tourismus, Freizeit und Sport. Damit sollen weitere Öffnungsschritte abgesichert werden.

Unter den ausgewählten Vorhaben sind auch die Volksschauspiele Ötigheim (VSÖ). Insgesamt gingen beim Land bis zum 20. Mai 83 Anträge ein. Davon allein 39 aus dem Kulturbereich.

Versuchsballon mit Test- und Hygienekonzept

Entgegen der aktuellen Corona-Landesverordnung mit ihrem dreistufigen Öffnungsplan für Kultur im Freien dürfen die als „Versuchsballon“ auserkorenen VSÖ jetzt mehr Zuschauer in das Halbrund ihrer Naturbühne lassen, als es der Stufenplan vorsieht. Denn nach diesem sind „bei stabilen Inzidenzwerten unter 100 mit sinkender Tendenz“ nur 100 Zuschauer im ersten, bis zu 250 im zweiten und maximal 500 im dritten Schritt erlaubt. Im Landkreis Rastatt ist die Inzidenz derzeit stabil unter 100 und tendiert zu noch niedrigeren Infektionszahlen.

Ötigheims Bürgermeister und zweiter VSÖ-Vorsitzender Frank Kiefer (CDU) hatte sich schon vor der Entscheidung des Landes zuversichtlich gezeigt, bei der Premiere am 12. Juni vor 250 und später vor bis 500 Zuschauern spielen zu können.

Zugleich war er aber auch schon optimistisch, dass sich mit den steigenden Impfzahlen auch die Zuschauerzahlen auf 900 bis 1.200 Besucher je Vorstellung erhöhen könnten.

Wir nehmen diese Herausforderung sehr gerne an.
Frank Kiefer, Bürgermeister und zweiter VSÖ-Vorsitzender

„Jetzt freue ich mich natürlich riesig über die Entscheidung des Landes. Die Volksschauspiele und die vielen unterstützenden Vereine können das als anerkennendes Zeichen und als Wertschätzung ihres Leistungsvermögens werten“, sagt Kiefer – und fügt hinzu: „Wir nehmen diese Herausforderung sehr gerne an und werden damit, wissenschaftlich begleitet, unseren Teil zur Bewältigung der Corona-Krise beitragen. Das Wunder von Ötigheim geht weiter.“

Der geschäftsführende Vorstand, Maximilian Tüg, plant jetzt beim Auftakt mit der Premiere der Komödie „Das Haus in Montevideo“ (Regie: Matthias Götz) mit knapp 900 Besuchern. Auch er freut sich über das Signal und über 650 zusätzliche Premierengäste auf Deutschlands größter Freilichtbühne. „Jetzt wird’s sportlich. Wir müssen kräftig die Werbetrommel rühren und hoffen, in kurzer Zeit noch genügend Karten verkaufen zu können“, sagt Tüg. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen und freue mich auf diese Arbeit.“

Wir müssen jetzt kräftig die Werbetrommel rühren.
Maximilian Tüg, geschäftsführender VSÖ-Vorstand

Bei maximal 500 Besuchern in der gesamten Spielzeit wäre seiner Aussage zufolge die Bühne zwar nur minimal ausgelastet gewesen. „Aber es wäre uns wegen des neuen Spielplans zumindest kein weiterer Schaden entstanden.“ Für die musikalischen Gastspiele im August erhofft sich Tüg weiter sinkende Infektionszahlen und eine Steigerung der Besucherzahl. Denn falls es bei den 900 Zuschauern pro Vorstellung bleibt, müssten die Gastspiele eventuell verschoben werden.

„Bereits jetzt haben wir rund 10.000 Karten verkauft“, sagt Tüg. „Aber noch sind wir nicht so weit, dass wir Gastspiele verschieben müssen. Das drängt nicht. Wir hoffen, dass sich bei der aktuellen Dynamik die Situation bis dahin noch deutlicher entspannt hat.“

Musikalische Gastspiele sind noch in der Schwebe

Auf jeden Fall gehen die VSÖ im Juni mit einem Test- und Hygienekonzept, digitaler Kontaktnachverfolgung und wissenschaftlicher Begleitung an den Start. Um Letzteres kümmert sich das Freiburger Institut für Musikermedizin (FIM), eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule für Musik und der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg. Damit leisten die VSÖ laut Kiefer einen wertvollen Dienst für die Forschung und zum Wohle anderer Einrichtungen.

Auch der CDU-Landtagsabgeordnete Alexander Becker freut sich über die „exzellenten Nachrichten für die Volksschauspiele, die Gemeinde Ötigheim und die ganze Region“. Im Hinblick auf die wissenschaftliche Begleitung durch das FIM betont er: „Damit sichern die Volksschauspiele nicht nur einen Erkenntnisgewinn, sondern erhalten auch eine bessere Planungsperspektive für die Spielzeit. All das wäre ohne die engagierte Mitwirkung aller Beteiligten nicht möglich gewesen.“

Institut für Musikermedizin begleitet Pilotprojekt

Maximilian Tüg muss zwei Wochen nach dem Start des Modellvorhabens, also am 28./29 Juni, einen Zwischenbericht vorlegen. Auf dieser Basis werden dann die Ergebnisse bewertet und die weiteren Schritte beschlossen. Bleiben, wie das Sozialministerium sagt, die Auswirkungen auf die Inzidenz unauffällig, könnten die Öffnungen landesweit ausgeweitet werden. Damit werde auch weiteren vergleichbaren Anträgen, die auf Veranstaltungen ab Ende Juni zielen, eine Perspektive geboten.

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