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Zu Besuch bei zwei Verkäufern

Woher die Weihnachtsbäume in Rastatt stammen und wie man sie pflegt

Regionale Bäume sind besser für das Klima. Welche Vorteile sie haben und wie sich Bäume bei guter Pflege bis zu sechs Wochen im Haus halten. Das berichten Händler aus Rastatt.

Mann und Frau vor Tannenbäumen
Heiko Lehmann aus Plittersdorf verkauft mit seiner Ehefrau Christbäume auf dem Hof ihres Hauses. Foto: Anastasia Marincolo

„Seit 25 Jahren verkaufe ich hier Weihnachtsbäume und ich liebe es genauso wie am ersten Tag“, sagt Heiko Lehmann. Der Plittersdorfer ist dafür bekannt, in seinem Hof mit einer Tasse Glühwein, Tee oder Kaffee den möglichst perfekten Weihnachtsbaum für seine Kunden zu finden.

Für viele Menschen in Deutschland ist das Weihnachtsfest ohne Baum undenkbar. Jährlich werden fast 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft, davon circa 2,5 Millionen nur in Baden-Württemberg, wie der Homepage der Landesregierung zu entnehmen ist. In Zeiten der Klimakrise könnte sich dem umweltbewussten Verbraucher die Frage stellen: Welcher Baum ist am besten für das Klima?

Christbaumverkauf Lehmann setzt nur auf regionale Weihnachtsbäume

Heimische Bäume sind klimafreundlicher, da keine langen Transportwege anfallen. Sie sind im besten Fall wie die Bäume vom Christbaumverkauf Lehmann aus Plittersdorf direkt aus der Region. „Die meisten Bäume kommen von unseren eigenen Plantagen, die wir hier im Umkreis von zehn Kilometern haben. Den Rest beziehen wir von Händlern aus Baden-Württemberg“, berichtet Heiko Lehmann.

Die meisten Bäume kommen von unseren eigenen Plantagen.
Heiko Lehmann
Christbaumverkauf Lehmann

Auch Harald Möhrmann vom Christbaumland auf dem Rastatter bezieht nach eigenen Angaben seine Bäume von regionalen Bauern. Sein größter Lieferant kommt aus Ödsbach bei Oberkirch.

Mann vor Tannenbäumen
Harald Möhrmann verkauft seit 40 Jahren Weihnachtsbäume auf dem Festplatz in Rastatt. Foto: Anastasia Marincolo

Wer denkt, dass wiederverwendbare Plastikbäume aus China eine nachhaltige Lösung sind, irrt sich. Denn ein Weihnachtsbaum aus Plastik entspricht erst nach der 17. Nutzung der Ökobilanz eines Baums aus der Region, sagt das Ellipsos-Institut im kanadischen Montreal. Zudem können die darin enthaltenen Stoffe nicht biologisch abgebaut werden und der lange Transportweg wirkt sich negativ auf den ökologischen Fußabdruck aus.

Wie Weihnachtsbaumkulturen der Umwelt dienen

Weihnachtsbaumkulturen bieten Lebensraum für bedrohte Vogelarten wie das Rebhuhn, den Baumpieper oder die Goldammer. Zudem filtert ein Hektar Tannenbaumfläche während einer Anbauzeit von zehn Jahren rund 230.000 Kubikmeter reine Luft, produziert etwa 100 Tonnen Sauerstoff, speichert rund 18.000 Liter Wasser und bindet ungefähr 150 Tonnen CO2, wie auf der Homepage des Christbaum-Verbands Baden-Württemberg zu lesen ist. Wer nach klaren ökologischen Regeln bewirtschaftet, besprüht seine Bäume nicht mit schädlichen Pestiziden.

Pestizide und Gifte, die beim Aufwuchs verwendet werden, bleiben lange in der Umwelt zurück. Sie gelangen in Boden, Luft und Gewässer. Pestizide schädigen und töten Nützlinge, Bienen, Vögel, Fische, Regenwürmer und Wasserorganismen. Gesundheitlich seien diese nicht unbedenklich. Auch in diesem Jahr konnte der Umwelt- und Naturschutzbund BUND durch ein unabhängiges Labor nachweisen, dass sich in 14 der 19 getesteten Bäume Pestizide wiederfanden.

Die beliebteste Tannenart ist auch in diesem Jahr die Nordmanntanne, sagen die beiden Rastatter Baumverkäufer übereinstimmend. Sie ist nicht in Deutschland heimisch, ihre Samen werden aus dem Kaukasus in Georgien nach Deutschland importiert. „Wir bekommen die Jungpflanzen, wenn sie vier Jahre alt sind von Baumschulen und pflanzen sie dann auf unseren Plantagen an“, sagt Heiko Lehmann. „Wir haben sieben Schafe, die uns bei der Landschaftspflege unterstützen. Sie düngen auch gleichzeitig die Plantage“, ergänzt der Christbaumhändler.

Ökologische Alternative „Baum im Topf“

Sind Nordmanntannen trotz ihrer Herkunft ökologisch? „Ja“, sagt der Besitzer des Christbaumlands, Harald Möhrmann: „Jeder Baum, der geschlagen wird, wird nachgepflanzt.“ Seit 51 Jahren verkauft er Weihnachtsbäume und ist nun seit 40 Jahren in Rastatt auf dem Festplatz. „Frisch geschlagene Bäume halten sich bei guter Pflege vier bis sechs Wochen im Haus“, sagt Möhrmann. Somit bräuchte man keine extra Herbizide, die die Nadeln länger am Baum halten.

Von Bio-Tannenbäumen hält der Christbaumverkäufer nichts. „Wer überhaupt nicht spritzt, holt sich das komplette Ungeziefer ins Haus. Aber das wissen die meisten Leute nicht“, sagt er. Ökologischere Alternativen wie den „Keinachtsbaum“, also der Verzicht auf einen Weihnachtsbaum, oder dem Baum im Topf, bietet das „Christbaumland“ am Festplatz nicht.

Wer überhaupt nicht spritzt, holt sich das komplette Ungeziefer ins Haus.
Harald Möhrmann
Christbaumland

Familie Lehmann aus Plittersdorf bietet seit einigen Jahren eine klimafreundlichere Variante an, den „Baum im Topf“. Dieser hat den Vorteil, dass man ihn nach der Nutzung im Topf nach draußen in den Garten stellen und ihn dann im darauffolgenden Jahr wiederverwenden kann. Oder man pflanzt den Baum direkt ein.

Preise bleiben trotz Inflation gleich

Die Regionalität der Bäume soll sich nicht auf den Preis auswirken. „Ich würde keinen Baum verkaufen, den ich selbst nicht kaufen würde, weil er zu teuer ist“, erklärt Heiko Lehmann. Trotz Inflation bleiben die Preise bei den beiden Christbaumverkäufern gleich. Der laufende Meter variiert je nach Tannenart und liegt dieses Jahr zwischen 20 Euro und 25 Euro.

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