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Für die Mitarbeiter tickt die Uhr

Pabel-Moewig-Verlag in Rastatt schließt zum Ende des Monats

Der Pabel-Moewig-Verlag schließt nach mehr als 70 Jahren seine Türen in Rastatt. Vielen Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit. Die Betroffenen beklagen die Entscheidung des Hamburger Mutterkonzerns Bauer Media.

In der Karlsruher Straße gehen die Lichter aus: Der Pabel-Moewig-Verlag siedelt nach Hamburg um, die benachbarte Druckerei wird voraussichtlich Ende Oktober dichtgemacht. Foto: Hans-Jürgen Collet

Wer sich auf der Homepage des Pabel-Moewig-Verlags umschaut, findet Bilder von Schloss Favorite in Förch und des Firmengebäudes mit seiner auffälligen Glasfassade in der Karlsruher Straße in Rastatt. Unter dem Stichwort „Verlagskarriere” bietet das Unternehmen Ausbildungsplätze für Redakteure und Mediengestalter an.

Nichts deutet darauf hin, dass Pabel Moewig der Stadt Rastatt schon in wenigen Tagen den Rücken kehren wird. Am 31. August schließt der Mutterkonzern Bauer Media den Standort. Viele Mitarbeiter sind verzweifelt.

Michael Metzmaier ist sich sicher: „Die wollten die Leute einfach weghaben.” Mit „die” meint er die Konzernleitung in Hamburg, mit „die Leute” seine Kollegen in Rastatt. Zwölf Jahre lang hat Metzmaier als Redakteur in der Karlsruher Straße gearbeitet, zuletzt saß er auch im Betriebsrat.

Im Februar verkündete die Zentrale aus dem hohen Norden, dass die Zeitschriftenproduktion nach Hamburg verlagert wird. Die rund 80 Beschäftigten hätten die Möglichkeit mitzukommen.

Vor allem die langjährigen Mitarbeiter sind todunglücklich.
Michael Metzmaier / Redakteur

Nach Einschätzung von Metzmaier ein Scheinangebot. Das Unternehmen habe vor allem kein Interesse daran gehabt, erfahrene Kollegen mit alten und gut dotierten Verträgen zu halten. Als Indiz für diese Einschätzung wertet er unter anderem Details des Sozialplans, die zum Teil großzügige Abfindungen vorsähen.

„Ein Lockmittel”, nennt Metzmaier das und ergänzt: „Die langjährigen Mitarbeiter sind todunglücklich. Sie hätten dort gern bis zur Rente weitergearbeitet.”

Er widerspricht damit der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden, die gegenüber unserer Redaktion von einem „sehr guten Sozialplan” gesprochen hatte. Die Bilanz am Ende lautete: 17 Mitarbeiter gehen mit in die Hansestadt.

14 bleiben am Standort Rastatt in einem Tochterunternehmen beschäftigt, das die Perry-Rhodan-Reihe produziert. Der Betriebsrat hatte sich mit dem Konzern außerdem darauf geeinigt, eine Transfergesellschaft zu gründen, in der die Betroffenen maximal zwölf Monate unterkommen können - bei 80 Prozent des bisherigen Bruttolohns.

In dieses Auffangbecken gehen 21 Verlagsmitarbeiter. Das Fazit der ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden lautete: „Die Leute sind zufrieden.”

Teile der Belegschaft sind schockiert und tief getroffen

Das will auch eine weitere Redakteurin so nicht stehenlassen, für die der Umzug nach Hamburg nicht infrage kam. Nach erfolglosen Bewerbungen landet sie ab September in der Transfergesellschaft. Sie sagt: „Es grassiert der pure Frust.” Eine Kollegin leide unter schweren Depressionen und stecke „in einer richtigen Lebenskrise”.

Die Transfergesellschaft biete den Betroffenen zwar einige Monate Puffer, wie es danach weitergehe, sei aber ungewiss. „Viele meiner Kollegen gehen davon aus, dass sie nichts mehr finden”, sagt die Redakteurin.

Noch im vergangenen Jahr habe die Belegschaft eine tolle Weihnachtsfeier genossen, auf der die Chefetage „in blumigen Worten” Optimismus verbreitet habe. Umso mehr sei die Nachricht der Standortschließung ein Schock gewesen. „Das kam Knall auf Fall”, sagt die Frau.

Viele Kollegen haben wahnsinnige Angst.
Anonym / Redakteurin

Metzmaier will dagegen schon vor Monaten erste Anzeichen für die drohende Schließung wahrgenommen haben, zum Beispiel zwischen den Zeilen in hausinternen Mitteilungen. Oder im Investitionsstau am Verlagssitz: „Das Gebäude wurde seit Jahren verfallen gelassen.”

Um seine eigene Zukunft macht sich der 51-Jährige wenig Sorgen. Er sei optimistisch, mit seinen Qualifikationen auch in Corona-Zeiten bald wieder einen neuen Job zu finden.

Andere sehen ihre Aussichten düsterer. Die Redakteurin schildert ihren Eindruck: „Wir fühlen uns abgeschoben und verarscht. Viele haben wahnsinnige Angst.”

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