Skip to main content

Steigender Raumbedarf

Pestalozzi-Schule Rastatt: Neues Gebäude auf dem Land oder weitere Räume im Stadtzentrum?

In der Pestalozzi-Schule Rastatt wird der Platz für die förderbedürftigen Kinder und Jugendlichen knapp. Im übernächsten Schuljahr werden drei Klassenzimmer fehlen. Der Bauausschuss des Kreistags sucht jetzt nach Lösungen.

Zu klein: In den kommenden Jahren steigt die Anzahl der Schüler mit Förderbedarf im Landkreis Rastatt deutlich an. Die Pestalozzi-Schule in Rastatt platzt jetzt schon aus allen Nähten. Die Suche nach einer Lösung läuft auf Hochtouren. Foto: Gundi Woll

Es gibt immer mehr Schüler mit Förderbedarf im Landkreis Rastatt. Tendenz: deutlich steigend. In der Pestalozzi-Schule Rastatt werden insbesondere Kinder mit einer geistigen Behinderung entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert und auf einen weitestgehend selbständigen Alltag vorbereitet. Doch die beiden Schulgebäude in der Herrenstraße platzen aus allen Nähten. Schon jetzt müssen einige Schüler auf dem Flur unterrichtet werden. Dem räumlichen Missstand nahm sich am Dienstagnachmittag nun auch der Bauausschuss des Kreistags an.

Soll am Stammhaus und dem ehemaligen Zollamt angebaut werden? Gibt es freie Räume in Gebäuden in der Rastatter Innenstadt, die genutzt werden können? Oder soll die Landkreis-Verwaltung nach Gebäuden oder Grundstücken für Neubauten auf dem Land Ausschau halten?

Schulleitung für Standort in der Innenstadt

Der Leiter der Pestalozzi-Schule, Christoph Nonnenmacher, und seine Stellvertreterin Katharina Schiborr haben dazu eine klare Meinung: Die Schule soll in der Innenstadt bleiben. „Nur so können unsere Schüler am gesellschaftlichen Leben teilhaben“, sagte Schiborr. „Die Stadtbibliothek und der Jugendtreff sind direkt gegenüber unserer beiden Schulgebäude. Sie sind fest in den Alltag der Schüler integriert.“

Hätten Lehrkräfte und Schüler einen längeren Weg, koste das zu viel Zeit und sei nicht mehr realisierbar, sagte Nonnenmacher in einem früheren Gespräch. „Auf dem Weg zur Selbstständigkeit ist es besonders wichtig, dass die Schüler nicht nur einmal, sondern regelmäßig in die Bibliothek gehen. Oder etwa einkaufen für den Kochunterricht. Sonst lernen sie das nicht“, erklärte er.

Möglicher Anbau: Auch das Stammhaus könnte erweitert werden. Die Parkplätze für die Mitarbeiter würden voraussichtlich erhalten bleiben. Foto: Planum Architekten

Der Schulleiter plädiert deshalb für einen Anbau beim ehemaligen Zollamt an der Ecke Herren-/Lyzeumstraße. Mit dem Haushaltsplan 2021 steht nun fest: Der Anbau wird kommen. 90.000 Euro sind für die Vorbereitung eingeplant. 700.000 Euro soll der Erweiterungsbau insgesamt kosten. In drei Jahren könnte dieser dann mit zwei Klassenräumen und weiteren Fachräumen fertig sein. Fest steht aber auch: Der Anbau und die im Schuljahr 2021/22 hinzukommenden Räume im Gebäude des Stammhauses – zwei Klassenräume, ein Differenzierungs- und ein Lagerraum – allein reichen nicht. Drei Klassenzimmer werden nach aktuellen Hochrechnungen im Schuljahr 2022/23 fehlen.

Zur Diskussion steht deshalb ein Anbau am Stammgebäude. Doch selbst mit diesem Neubau wäre das Problem nur kurzfristig behoben. Es wäre nur eine Frage der Zeit bis die Schule erneut mehr Platz für ihre Schüler benötigt. Knapp zwei Millionen Euro würde der Erweiterungsbau nach Angaben des Architekturbüros kosten. Volker Kek (AfD) ist deshalb der Meinung: „Das ist nur eine Stückwerklösung. Wir würden viel Geld ausgeben und nachher wäre es verschossen. Wir brauchen eine große Lösung.“

Anbau Zollamt: In drei Jahren könnte der Erweiterungsbau mit zwei Klassenräumen und weiteren Fachräumen fertig sein. Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 700.000 Euro. Foto: Planum Architekten

Die Mitglieder des Kreistags-Bauausschusses lassen nun prüfen, wo es freie Räume oder Gebäude in der Stadt oder im Umland gibt, die im Besitz des Landkreises sind. Sollte die Verwaltung nicht fündig werden, könnten Räume angemietet oder Gebäude gekauft werden.

Kommt ein kompletter Neubau?

Auch nach Grundstücken für einen kompletten Neubau soll die Kreistagsverwaltung Ausschau halten. Andreas Merkel (CDU) bringt sogar den Rastatter Standort des Klinikums Mittelbaden ins Spiel und die dort möglicherweise freiwerdenden Räumlichkeiten. Wichtig ist ihm, dass die förderbedürftigen Schüler im Stadtzentrum bleiben können, da sie dort die optimalen Voraussetzungen zur gesellschaftlichen Inklusion haben.

Die von Kek geforderte „große Lösung“ wird allerdings eher im ländlichen Raum liegen. Davon geht zumindest Karsten Mußler (Freie Wähler) aus. Einmal von dem Konzept zu den Erweiterungsbauten abgesehen, das ohnehin finanziell auf Kante genäht sei, verweist er auf die Probleme im Innenstadtverkehr.

Täglich komme es zu gefährlichen Situationen für die Verkehrsteilnehmer, wenn die Eltern ihre Kinder morgens mit dem Auto zur Schule brächten oder sie am Nachmittag wieder abholten. Dieses Problem werde sich mit der zunehmenden Schülerzahl verschärfen. Mit einem neuen Schulgebäude im Umland könne die Verkehrssituation entlastet werden.

Wir brauchen eine bessere, große Lösung.
Volker Kek, Mitglied des Kreistags-Bauausschusses (AfD)

Einen zweiten Standort auf dem Land befürwortet auch Annika Hummel (Bündnis 90/Die Grünen). Dort habe die Schule dann auch die Möglichkeit, einen Schulgarten anzulegen. Stadt und Land gegeneinander auszuspielen, sei aber keine gute Idee. Sie spricht sich für eine Kombilösung aus. Das kann sich auch die stellvertretende Schulleiterin Schiborr vorstellen: „Es ist denkbar, die Grundschule an einen dezentralen Ort auszulagern. Für die Haupt- und Berufsstufenschüler ist die Innenstadtlage aber von herausragender Bedeutung.“

Die Entscheidung über den Klinikstandort soll im Sommer 2021 fallen. Dann könnten laut Merkel auch die Pläne für die Pestalozzi-Schule konkretisiert werden.

nach oben Zurück zum Seitenanfang