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Viel PFC im Blut der Badener

PFC-Bürgerinitiative sieht schwere Versäumnisse und wirft Politikern Verharmlosung vor

Menschen in Mittelbaden hatten potenziell gesundheitsgefährdende Mengen PFC im Blut. Für die Vorsitzenden der Kuppenheimer Bürgerinitiative war diese Nachricht keine Überraschung. Sie hätten sich schon früher viel drastischere Maßnahmen gewünscht.

Andreas Adam und Ulrich Schumann von der Bürgerinitiative "Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim" sehen schwere Versäumnisse im Umgang mit dem PFC-Skandal. Foto: Klatt/Archiv
Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Anfang März hat das Umweltbundesamt (UBA) die sogenannten HBM-II-Werte für die beiden PFC PFOA und PFOS im Blut veröffentlicht . Werden die Werte überschritten, ist eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeinträchtigung möglich. In diesem Fall sei die Belastung zu reduzieren, weiter sei eine umweltmedizinische Betreuung (Beratung) zu veranlassen, so das UBA.

Für Andreas Adam und Ulrich Schumann von der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim – BSTK“ ist diese Festlegung keine Überraschung gewesen, denn neuere wissenschaftliche Erkenntnisse hätten auf die Gefährlichkeit der Stoffe und der damit verbundenen gesundheitlichen Effekte hingewiesen. Und es stehe weiterhin fest, dass Menschen in Kuppenheim und Gernsbach ein Vielfaches genau dieser Werte im Blut aufweisen würden.

Fahrlässiger Umgang von Politik und Wasserversorgern?

Das Sozialministerium betont, dass die entscheidenden Maßnahmen zur Reduzierung der Belastung des Trinkwassers im Landkreis Rastatt bereits vor einigen Jahren ergriffen worden seien und zu einem deutlichen Rückgang der PFOA-Gehalte im Trinkwasser geführt hätten. Nach Ansicht der Bürgerinitiative muss man allerdings die Gesamtentwicklung der letzten Jahre sehen.

Für Andreas Adam und Ulrich Schumann wird nämlich jetzt deutlich, „wie fahrlässig sowohl Politik und die Gesundheitsverwaltung als auch insbesondere unser Wasserversorger mit der Materie umgegangen sind“.

„Politiker und Behörden haben durchgängig von der Unbedenklichkeit gesprochen, vom Umweltminister bis hinunter zum Kuppenheimer Bürgermeister, der für die Presse demonstrativ ein Glas Wasser trank. Wir haben das immer kritisiert und auf die Gefährlichkeit hingewiesen, das wurde immer abgewiegelt“, so Schumann.

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Gegenmaßnahmen seien zu spät gekommen

„Über Jahre hinweg haben die Verantwortlichen des Wasserversorgungsverbands Vorderes Murgtal wahrheitswidrig und das offensichtlich mit Billigung des Gesundheitsamts versichert, das Trinkwasser für Kuppenheim/ Gernsbach/ Selbach und Rastatt-Förch sei belastungsfrei, enthalte nur noch Spuren von PFC“, ärgert sich Andreas Adam.

Man habe damit auch versäumt, rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen und offenbar billigend in Kauf genommen, dass sich die Konzentration der gesundheitsschädlichen Stoffe im Blut der Bevölkerung noch weiter aufbaue.

„Hätte die BI nicht durch jahrelange Forderungen die Blutuntersuchung durchgesetzt, hätten wir nicht nachweisen können, dass der neu festgelegte HBM-II-Wert für PFOA von 77 Prozent der Teilnehmer überschritten wurde, zum Teil um das siebenfache. Und hätte die BI auch nicht zum Ende letzten Jahres Druck aufgebaut und schließlich durch Vorlage ihrer Berechnungen der PFC-Wasserwerte an das Umweltbundesamt eine vorläufige Absenkung der Grenzwerte erreicht, hätte der Wasserversorger bis heute nicht reagiert und die Bevölkerung weiter mit dem belasteten Trinkwasser versorgt“, lässt Adam keinen Zweifel.

Auch Schumann findet deutliche Worte, „wichtiger als die angemessene Bewertung und Warnung war es Politikern und Behörden, gut dazustehen und zu demonstrieren, dass sie die Lage im Griff haben. Mit dieser Verharmlosungspolitik haben sie die Gesundheit der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt“.

Es bleibt abzuwarten, wie die Verwaltung die Vorgaben des Umweltbundesamts umsetze und ob sie die Informationen für die Öffentlichkeit entsprechend ergänze, beispielsweise fehle ein Hinweis für die stillenden Mütter mit erhöhten PFOA-Werten im Blut, so Schumann.

PFC: Das Gift in uns

Die Geschichte des größten Umweltskandals Deutschlands – mit seinen Hintergründen, gesundheitlichen Risiken, juristischen Folgen und persönlichen Schicksalen – erzählt dieses multimediale BNN-Dossier . Alle Artikel gibt es auch einzeln auf bnn.de .

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