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Photovoltaik-Offensive

Rastatt will Photovoltaik auf städtischen Gebäuden

Auf jedes neue Dach soll eine Photovoltaik-Anlage: Die Stadt Rastatt kann das Bauherren zwar nicht vorschreiben, will aber selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Im Gemeinderat wurde Kritik an dem Vorhaben laut.

Sonnenenergie nutzen: 25 Interessenten sind noch unentschlossen, einen Vertrag mit den Stadtwerken über die Installation einer Photovoltaik-Anlage abzuschließen. Foto: Oliver Berg/dpa

Die Stadt Rastatt will in großem Maßstab die Sonne anzapfen. Die Verwaltung plant, künftig auf allen Neubauten der öffentlichen Hand Photovoltaikanlagen zu installieren. Auch auf zahlreichen Bestandsgebäuden sollen Sonnenkraftwerke entstehen.

Dabei steht nach Darstellung aus dem Rathaus nicht der Profit, sondern die Umwelt im Mittelpunkt. Die Stadt will eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einnehmen.

Noch sind die Pläne allerdings nicht in trockenen Tüchern. Der Technische Ausschuss des Gemeinderats befasste sich in seiner vergangenen Sitzung erstmals mit dem Konzept. Dabei äußerten sich einige Stadträte auch kritisch. Eine endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat an diesem Donnerstag.

Rastatter Stadträte sorgen sich um Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik

Gegen die grundsätzliche Idee hatten die Mitglieder des Technischen Ausschusses nichts einzuwenden. Ein Satz in der Vorlage, die ihnen die Stadtverwaltung vorbereitet hatte, sorgte allerdings für Nachfragen:

„Die Anlagengröße wird nicht auf ein wirtschaftliches Optimum begrenzt, sondern orientiert sich an den zur Verfügung stehenden Dachflächen.“ Ziel sei die höchst mögliche Stromerzeugung und damit die höchst mögliche CO2-Einsparung.

Man sollte sich auch an der technischen Vernunft orientieren. Das bereitet mir Unbehagen.
Mathias Köppel, CDU-Stadtrat

Die Sorge unter anderem von Mathias Köppel (CDU) war, ob das zu Anlagen führen könnte, bei denen die Stadt am Ende drauflegt: „Ich habe nichts gegen Photovoltaik. Aber was ist mit der Wirtschaftlichkeit?“

Er sah die Gefahr, dass diese Vorgabe dazu führe, dass am Ende jeder Ziegel zur Energiegewinnung genutzt werde, auch wenn er im Schatten liege. „Man sollte sich auch an der technischen Vernunft orientieren. Das bereitet mir Unbehagen“, sagte Köppel.

Der zuständige Fachbereichsleiter Markus Jülg versuchte, die Sorgen zu zerstreuen. Zum einen lasse es der Fortschritt der Technik zu, heutzutage auch Dachbereiche zu nutzen, die sich früher nicht rentiert hätten. Zum anderen werde sich die Verwaltung aber natürlich am technischen Sinn orientieren.

Darüber hinaus werde die Stadt die Anlagen nicht selbst errichten und bezahlen. Auf Nachfrage unserer Redaktion konkretisiert Jülg das Modell. Die Stadt werde die Dachflächen verpachten.

Ein externer Dienstleister errichtet darauf die Photovoltaikanlage, die er über einen zuvor definierten Zeitraum etwa 20 Jahren betreibt. „Er ist verantwortlich für Monitoring und Inspektion, Wartung und Instandsetzung“, sagt Jülg. Auch defekte Komponenten muss er erneuern.

Rastatt verpachtet Dächer und pachtet Anlagen zurück

Die Stadt pachtet die Anlage für den oben genannten Zeitraum zurück. Die Stadt gilt damit als Erzeuger des Stroms und kann in für ihre Gebäude selbst verbrauchen. Überschüssig erzeugte elektrische Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet.

„Die Stadt muss somit selbst keine Investition tätigen und die Anlage auch nicht betreiben“, sagt Jülg. Für die Rückpacht der Anlage muss sie dem Betreiber aber einen Pachtzins gezahlt werden.

Das sorgt für regenerativen Strom, ohne dass das Stadtsäckel belastet wird.
Markus Jülg, Fachbereichsleiter

Die Verwaltung erwarte, dass sich diese Ausgaben und Einnahmen als Summe aus Einspeisevergütung und reduziertem Stromzukauf in etwa die Waage halten.

Durch die Tatsache, dass die Stadt die Anlage nicht selbst betreiben muss, spart sie den Betreuungsaufwand. „Somit sorgt sie für die Erzeugung von regenerativem Strom, ohne dass das Stadtsäckel belastet wird“, sagt Jülg.

Stadtwerke Rastatt können sich um Aufträge bewerben

Die Aufträge für Bau und Betrieb der Anlagen sollen in einem öffentlichen Verfahren ausgeschrieben werden. Bewerben können sich auch die Stadtwerke Rastatt, der Zuschlag an sie ist aber kein Selbstläufer.

Laut Jülg kommt der günstigste Anbieter zum Zug. Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk sagt: „Wir sind eine GmbH und müssen eine Rendite erwirtschaften. Beim Preis müssen wir also Vorgaben beachten. Wir sind gespannt auf die Ausschreibung.“

Trotz dieses Modells konnten sich die Mitglieder des Ausschusses nicht zu einem Beschluss durchringen. Die Fraktionen wollen das Thema noch einmal diskutieren und in dieser Woche im Gemeinderat zu einer Entscheidung kommen. Eine Empfehlung sprach das Gremium aber für die Bestandsgebäude aus.

Ziel ist es, auf allen existierenden Dächern bis 2025 Photovoltaikanlagen zu errichten. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Dächer dafür geeignet sein müssen.

Nach einer ersten Prüfung scheiden viele Gebäude aus, zum Beispiel wegen Auflagen des Denkmalschutzes oder statischen Gründen. Unterm Strich bleiben 28 Gebäude übrig. Die Investitionskosten für das Vorhaben beziffert die Verwaltung auf rund 1,7 Millionen Euro.

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