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Pop-up-Projekt

In der Rastatter Bahnhofstraße entsteht für zwei Monate ein Radweg

Die Bahnhofstraße ist eine Hauptverkehrsachse Rastatts. Auf vier Spuren rollt der Verkehr durch die Stadt. Doch bald sind es nur noch zwei. Der Rest wird exklusiv Radfahrern zur Verfügung gestellt.

Alles andere als ein Vergnügen: Bislang müssen Radfahrer in der Bahnhofstraße den Gehsteig nutzen. Mehrere Straßen kreuzen die Trasse, die an geparkten Autos und Haustüren vorbeiführt. Foto: Holger Siebnich

Die Bahnhofstraße in Rastatt ist für Fahrradfahrer der Horror. Der Radweg führt auf dem Gehsteig direkt neben der Häuserzeile entlang. Jederzeit kann eine Tür aufgehen und ein Kind rausrennen. Alle paar Meter kreuzen Straßen die Trasse. Geparkte Autos, Schilder und Pfosten stehen Spalier.

Einige Radfahrer setzen sich da lieber dem Pkw-Verkehr aus und wählen die Straße. Ab dem 26. Juli werden sie das mit großem Vergnügen machen. Zwei Spuren werden für Autos gesperrt und stehen exklusiv den Drahteseln zur Verfügung.

Pop-up-Radweg heißt das Konzept, das vor allem in größeren Städten wie Karlsruhe schon erprobt ist. Für einen begrenzten Zeitraum sperren die Kommunen Spuren für den motorisierten Verkehr und überlassen sie den Radfahrern.

In Mittelbaden ist Rastatt damit Vorreiter. Ralph Neininger, Vorsitzender des Kreisverbands Baden-Baden/Rastatt des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), findet das eine „tolle Sache“.

Welche Auswirkungen hat der Radweg in Rastatt für Autofahrer?

Der Technische Ausschuss des Gemeinderats hat für das Konzept einstimmig grünes Licht gegeben. Die Freigabe erfolgt voraussichtlich am 26. Juli, zurück zum Status quo geht es am 24. September.

Beginnen wird der Pop-up-Radweg in der Bahnhofstraße in Höhe des Bahnhofs und enden am Hilberthof, wo sich die Straße von vier auf zwei Spuren verengt. Als Markierung dienen gelben Streifen, die wie in Baustellen auf die Fahrbahn geklebt werden und wieder leicht zu entfernen sind.

Dass sich die Mitglieder des Ausschusses so leicht damit taten, das Projekt durchzuwinken, liegt auch an einer Verkehrsuntersuchung. Ein Büro hatte die Situation bereits vor einigen Jahren in Augenschein genommen und war zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Reduzierung der Fahrbahnen nur geringe Auswirkungen auf den Durchgangsverkehr haben werde. Bürgermeister Raphael Knoth sagt: „Das Thema ist schon lange virulent.“

Das ist sehr komfortabel.
Ralph Neininger, ADFC-Vorsitzender

Die Stadtverwaltung erhofft sich, damit mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Neben der Stärkung des Radverkehrs soll der Lärm in der Bahnhofstraße reduziert werden. Dort gilt zwar schon seit 2019 ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern, trotzdem leiden die Anwohner noch unter dem Fahrzeuglärm. Die Hoffnung: Fällt in beiden Richtungen die Spur weg, die an den Häusern entlangführt, wird es leiser.

Darüber hinaus soll die Aufenthaltsqualität steigen. Der breite Gehweg, auf dem die Radfahrer unterwegs sind, steht dann allein Fußgängern, den Geschäften und Anwohnern zur Verfügung. Die Stadtverwaltung hofft, dass diese Freiräume „aktiv und attraktiv genutzt werden“, wie es in den Unterlagen der Ausschusssitzung heißt. Grundsätzlich sieht die Verwaltung in der Bahnhofstraße das Potenzial, „als fußläufige Einkaufsstraße zwischen Innenstadt und Bahnhof zu fungieren“.

ADFC-Vorsitzender hofft auf Verlängerung des Pop-up-Radwegs

ADFC-Chef Neininger teilt diese Einschätzung. Er prognostiziert, dass die Anzahl der Radfahrer signifikant zunehmen werde. „Das ist sehr komfortabel“, sagt er über den Plan, dem Radverkehr eine ganze Kfz-Spurbreite zur Verfügung zu stellen. Auch die zeitliche Verbindung mit der Stadtradel-Aktion sei eine „glückliche Terminierung“. Beim Stadtradeln sind Einzelpersonen und Teams dazu aufgerufen, das Auto stehenzulassen und Fahrradkilometer zu sammeln.

Schade findet Neininger, dass der temporäre Radweg schon jetzt ein Ablaufdatum hat. Der Ausdruck „Pop up“ bezieht sich aus seiner Sicht nur auf die Einrichtung, die schnell über die Bühne geht, so dass der Radweg bildlich aufploppe. Die geringe Lebensdauer sei dagegen nicht zwingend charakteristisch.

Es ist uns bewusst, dass der Bereich des Bahnhofs nicht fahrradfreundlich ist.
Raphael Knoth, Bürgermeister

Da das voraussichtliche Ablaufdatum mit dem 26. September nach dem Ende auch der politischen Sommerferien liegt, hat er aber Hoffnung, dass Verwaltung und Stadträte das Projekt bei positiven Erfahrungen noch verlängern könnten. Aus seiner Sicht wäre es wichtig, so viele Daten wie möglich auch außerhalb der Ferienzeit zu sammeln.

Die Verwaltung will das Projekt mit Verkehrszählungen und Geschwindigkeitsüberwachungen begleiten. Angedacht ist auch, die neuen Freiräume zu nutzen, um Bänke oder Pflanzen aufzustellen.

Bis aus dem Vorhaben am Ende tatsächlich eine feste Dauerlösung werden könnte, wird laut Bürgermeister Knoth aber viel Zeit vergehen: „Das wäre mit großen baulichen Maßnahmen verbunden.“ Dabei stünde auch der Bahnhofsbereich im Fokus. Dort verläuft auch beim Pop-up-Weg die Trasse nach wie vor über Gehwegabschnitte. „Es ist uns bewusst, dass der Bereich des Bahnhofs nicht fahrradfreundlich ist“, sagt Knoth und verspricht: „Das Thema wird bei der Umgestaltung des Platzes angegangen.“

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